Zum Quieken: Bürgerstiftung sammelt per Sparschwein

Die Bürgerstiftung Leipzig sammelt Spenden per Sparschwein
Im schwarzen Tüll auf Spendenfang: Das Sparschwein der Konzertkneipe „UnterRock“

Darum geht's: Fundraising, Spenden, Bürgerstiftung Leipzig, Academixer

Im Schweinsgalopp zum Spendenziel. Die Stiftung „Bürger für Leipzig“ hat 50 000 Euro für ein regionales Bildungsprojekt für Kinder eingenommen – und setzte dabei nicht auf die klassische Spendendose, sondern auf eine ganze Herde tierischer Individuen und die Kreativität und Spendenbereitschaft der Leipziger Bürger.

Retro ist ja seit einiger Zeit wieder schwer angesagt. Warum also nicht einfach mal das gute alte Sparschwein wiederbeleben? Die Idee dazu hatte eine Stiftungsmitarbeiterin beim Lesen eines Kirchenblättchens; eine Gemeinde hatte eine ähnliche Aktion gestartet und damit über den Zeitraum von einem Jahr Spenden gesammelt. Das Prinzip ist einfach: Die Schweine werden leer in Umlauf gebracht, also vor allem an Geschäfte im Einzelhandel und auch an Multiplikatoren wie Stifter, Spender, Freunde der Stiftung und deren Familienmitglieder und Bekannte ausgehändigt, sollen sodann mit Klein- und Kleinstbeträgen gefüttert werden und kehren anschließend im besten Fall prall gefüllt zur Leipziger Bürgerstiftung zurück.

Sparschweine auf Spendentour in Leipzig

Und damit auch möglichst viele potenzielle Spender auf die Tierchen aufmerksam werden, schicken die Initiatoren ihre Schützlinge in einem besonderen Outfit los. Jedes Porzellanschwein wird von seiner Adoptivmama beziehungsweise seinem Adoptivpapa persönlich individuell gestaltet. So wirbt das Schweinchen der Konzertkneipe „UnterRock“ in einem kessen Fummel aus schwarzem Tüll um Spenden (Foto), das Sparschwein eines Notars kommt elegant mit Fliege daher, und die jüngste Schweinehalterin Thea zog ihrem Schützling einen Strickpulli an und machte es zum Harry-Potter-Schwein.

In den Geschäftsräumen der Stiftung liegen Farben und Stifte zum Mitmachen bereit. Allen, die nicht ganz so kreativ sind, helfen auch die Stiftungsmitarbeiter bei der Gestaltung, schließlich soll die Aktion nicht ausgerechnet daran scheitern. So hat das Stiftungsteam zum Beispiel einfach das Logo einer Apotheke auf ein Schwein gemalt, weil die Inhaberin die Kampagne zwar unterstützen will, aber selbst keine Zeit hatte, ihrem Sparschwein den passenden Look zu verpassen. „Wir als Stiftung schauen immer, dass wir die Bürgerschaft auf irgendeine Art und Weise beteiligen können. Jeder soll sich auch mit einem kleinen Beitrag angesprochen fühlen. Das hat bei uns Tradition. Wir fahren gern auf Klein- und Kleinstspenden zielende Kampagnen. Das Schöne an solchen Aktionen ist, dass sie auch in die Breite gehen“, sagt die Vorstandsvorsitzende Angelika Kell.

Sparschwein-Aktion als Teil einer Gesamtkampagne

Insgesamt sollen fünfzig Exemplare der knuffigen Viecher das Leipziger Stadtgebiet bevölkern; sie stehen auf Kneipentresen, tummeln sich in Apotheken, Buchläden und Bäckereien oder drehen ihre Runden auf Familienfeiern, um dort ihren Spendenhunger zu stillen. Und wer könnte einem so originellen Zeitgenossen einen Happen verwehren? „Schweine sind Sympathieträger. Man fängt sofort an zu grinsen, wenn man auch nur die Idee hört“, so Angelika Kell weiter. Sollte die Nachfrage größer sein, soll die Herde einfach Zuwachs bekommen, sprich weitere Exemplare bestellt werden. Und da saftige „Spendenwiesen“ nicht nur in Leipzig wachsen, besteht auch die Möglichkeit, das persönliche Lieblingsschwein aus der Ferne zu versorgen: Unter dem Link „jetzt füttern“ landet man direkt auf dem Online-Spendenformular.

Der Erlös der Aktion geht an „Die Wunderfinder“. Bei dem derzeit größten Bildungsprojekt der Stiftung Bürger für Leipzig entdecken Kinder gemeinsam mit Patinnen und Paten ihre Stadt und dabei auch ihre eigenen Stärken, zum Beispiel bei Exkursionen und in verschiedenen Projekten. Das Spendenziel liegt bei 50 000 Euro, wobei die Sparschwein-Aktion nur ein Teil einer Gesamtkampagne ist, die über drei Jahre läuft. Dabei sollen insgesamt 110 000 Euro eingenommen werden. Alle Spenden, die bis zum 31. Oktober 2017 zusammengekommen sind, werden zudem bis zur Obergrenze von 50 000 Euro von der Drosos-Stiftung verdoppelt. Diese setzt sich unter anderem für Bildungsprojekte ein. Gesammelt wird das ganze Jahr über, zum internationalen Kindertag am 1. Juni soll eine erste Zwischenbilanz gezogen und die bisherigen Spenden gezählt werden. Danach werden die Sparschweine noch einmal „auf die Weide“ geschickt, wie Angelika Kell sagt. Im Moment ist also noch nicht absehbar, wie erfolgreich die Kampagne läuft, Anhaltspunkte geben derzeit allein die Onlinespenden.

Hilfe von den „Academixern“

Um die Sparschweine an die richtigen Leute zu bringen, nutzte die Stiftung vor allem ihre bereits bestehenden Kontakte, viele davon aus einer Kampagne aus dem letzten Jahr. Aber auch über die Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter sowie den Newsletter der Stiftung soll die Aktion die Öffentlichkeit erreichen. Gerade für Ladeninhaber kann es attraktiv sein mitzumachen, weil die Aufmerksamkeit auch auf das eigene Geschäft gelenkt wird. Ein bekanntes Gesicht hilft mit, dass die Schweineherde ordentlich im Futter steht: Katrin Hart ist Ensemblemitglied des Leipziger Kabaretts „Academixer“ und Stiftungsrätin der Bürgerstiftung. Sie hat ihrem Schwein, das jetzt auf Tournee durch die Leipziger Kabarettszene unterwegs ist, einen schicken rosa Häkelpullover angezogen. Und nun soll es im Schweinsgalopp Richtung Spendenziel gehen.

Text: Ute Nitzsche
Foto: PR

Der Artikel ist in der Ausgabe 3/2017 erschienen. Das Spendenziel ist inzwischen erreicht.

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