Was Schweizer Stiftungen leisten

Schweizer Stiftungstag zeigt Wirkung des Sektors
Lebhafte Diskussion zu verschiedenen Themen

Darum geht's: Schweizer Stiftungen, Stifungstag, Wirkung

Der Schweizer Stiftungstag 2019 in Luzern warf Glanzlichter auf die Tätigkeit von Schweizer Stiftungen Organisationen auf verschiedenen Feldern – und auf ihre Herausforderungen im und Wirkung für den dritten Sektor. Ein Rückblick von Andreas Cueni von swissfundraising.

Jeweils Mitte November ist Zeit für die große Tagung des Verbands proFonds. Sie fand dieses Jahr erneut in Luzern, im Verkehrshaus an den Ufern des Vierwaldstättersees, statt und zieht auf Partnerschaften mit Institutionen spezialisierte Fundraising-Fachpersonen an.

proFonds ist der «Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz»; er veranstaltete schon den 31. Stiftungstag. Der Verband funktioniert praktisch als juristische Lobby für den gemeinnützigen Sektor und nimmt jede gemeinnützige Organisation als Mitglied auf, egal ob Verein oder Stiftung, fördernd oder operativ. Bedauerlicherweise wissen das nur die 470 Mitglieder unter den vielen zehntausenden von NPO hierzulande zu schätzen.

Stiftungen dienen nicht der Geldwäsche!

Die Juristen der Verbands-Geschäftsstelle, Christoph Degen und Sebastian Rieger, fassten zusammen, was es an politischen und rechtlichen Entwicklungen in den vergangenen zwölf Monaten gab, welche die Arbeit von Organisationen praktisch erschweren könnten. proFonds wehrt sich dagegen. Schweizer Stiftungen und Vereine sind heutzutage real und von ihrer Konstruktion her keine Institutionen, die der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung dienen; also würde eine Unterstellung unter Sorgfaltspflichten, wie sie für kommerzielle Finanzintermediäre gelten, nur unnütze Bürokratie für den Sektor erzwingen.

Wenn Menschen aus der ganzen Welt den Schweizer Stiftungs- und Finanzplatz nutzen, zieht dieser Umstand natürlich die Aufmerksamkeit von überstaatlichen Organisationen wie der OECD an. Als Teil seines Tätigkeitsprogramms bemüht sich proFonds um hochrangige Kontakte; auch 2019 gelang es, ein Mitglied der Schweizer Regierung als Tagungsredner zu gewinnen; Aussenminister Ignazio Cassis stellte seine neue Aussenpolitische Vision AVIS 28 vor, in deren Arbeitsgruppe NPOs leider praktisch nicht vertreten waren.

Wirkung der Stiftungen auf vielen Gebieten

Positiv gewendet lässt eine Tagung zu, über Wirkungen von Schweizer NPO über die Landesgrenzen hinaus zu berichten. Jakob Kellenberger eröffnete die Präsentationen; der ehemalige Staatssekretär und Präsident des IKRK lehrt auch in fortgeschrittenem Alter an der Universität Salamanca humanitäre Hilfe und hält das Stiftungspräsidium von swisspeace, einer Beratungs- und Forschungsorganisation der Friedensförderung weltweit. Christian Stamm und Stephen Neff bemühen sich mit "Pusch", Praktischer Umweltschutz Schweiz, und myclimate den Fussabdruck der Bevölkerung deutlich zu verkleinern. Marco Solari konnte als Präsident sein Film Festival Locarno als Manifestation der Werte der Aufklärung und als Stolz der Tessiner seit 1947 in Erinnerung rufen.

Sabrina Grassi und ihre Swiss Philanthropy Foundation erleichtern das grenzüberschreitende Spenden auch grösserer Zuwendungen, die sich auf je etwa eine Million rein und raus pro Jahr addieren. Weitere präsentierende Damen waren Aline Kratz-Ulmer und Franziska Juch; letztere sprach offen über ihre Führungsprinzipien und Ziele als Leiterin Fundraising bei der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, unter anderem die Reduktion des Aufwands. Kratz-Ulmer präsentierte neun Säulen der Diversität und ihre Anwendung in der Praxis; sie musste den bescheidenen Stand an statistischen Daten dazu im Land beklagen.

Medien zunehmend auf Stiftungen angewiesen

Seriösen Medien mit sachkompetenten Teams brechen Werbeeinnahmen weg; sie suchen unter anderem die Zusammenarbeit mit Förderstiftungen. Beat Glogger von den neuen Initiativen higgs.ch und der Stiftung Wissen für alle sowie Professor Mark Eisenegger, der seit 10 Jahren die Forschung über die Qualität der Schweizer Medien verantwortet, fassten ihre Erfahrungen bei der Mittelbeschaffung zusammen.

Das Verkehrshaus der Schweiz, in dem die Tagung stattfand, ist ein Museum für Technik und historische Verkehrsmittel zu Lande, zu Wasser (Schweizer Männer tauchten einst tief und segelten hart am Wind) und zu Luft und eine Location für jährlich 900 Events. Der Stiftungstag zog rund 300 Besuchende an.

Andreas Cueni ist selbständiger Fundraising-Spezialist mit Sitz in Basel und Spezialgebiet Förderstiftungen; er arbeitet in einem Teilzeit-Pensum daneben noch bis Ende 2019 für den Verband Swissfundraising.

Text: Andreas Cueni
Foto: proFonds, chrisroosfotografie.ch

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