Gelebte Inklusion: Banker an die Pinsel

Gemeinsames Malen in der Kreativwerkstatt der Stiftung Liebenau
Banker und Künstler mit Handicap arbeiten gemeinsam an einem Kunstwerk

Darum geht's: Stiftung, Inklusion, Kunsttherapie, Teambuildung

Auf den ersten Blick wirken manche Kooperationen ungewöhnlich, erweisen sich aber beim näheren Hinsehen als großer Erfolg. Die Stiftung Liebenau hat Künstler mit Behinderung und Bankmitarbeiter zum gemeinsamen Malen zusammengebracht. Herausgekommen ist viel mehr als tolle Kunstwerke – gelungene Inklusion und ein Bewusstseinswandel.

Es war 2012, einen Tag nach Nikolaus, als eine E-Mail bei der Stiftung Liebenau eintraf – die HypoVereinsbank suchte Partner für die Rest-Cent-Initiative, bei der Mitarbeiter den Cent-Betrag ihres monatlichen Nettogehalts für gemeinnützige Zwecke spenden. Nach einigen Überlegungen, ob ausgerechnet ein Unternehmen aus der Finanzwirtschaft zu einer Stiftung passt, die sich seit 1870 auf kirchlich-katholischer Grundlage für Menschen einsetzt, die besondere Unterstützung benötigen, gewann die Sache an Schwung. Ein erstes Kreativpaket wurde geschnürt, Weihnachtskarten gestaltet und im Februar 2014 stand das erste Treffen an.

Mehr Selbstbewusstsein trotz Handicap

Ein Jahr später malten dann zum ersten Mal die Azubis der Bank zusammen mit den behinderten Künstlern in der Kreativwerkstatt der Stiftung. Im Jahr darauf wagten sich auch Führungskräfte an die Pinsel. Und auch 2017 gab es schon eine Malaktion. Immer dabei ist eine Kunsttherapeutin, die seit 20 Jahren im Förderbereich tätig ist, Ausstellungen organisiert und Kontakte knüpft. Die Bilder wurden anschließend in den Bankfilialen in Ulm, Ravensburg und Lindau ausgestellt. Auch Kliniken haben ihre Räume schon mit Bildern aus dem Projekt geschmückt. Einige der Kunstwerke wurden sogar verkauft, der Erlös kommt den Projekten der Stiftung zugute. Auch Spenden konnten mit den Aktionen generiert werden.

Doch was viel wichtiger ist und mit Geld nicht bezahlt werden kann, ist das Selbstbewusstsein der gehandicapten Künstler, welches sie aus dem Projekt ziehen. Anita Bruder, Renate Hoffmann und Günter Pruchner sind regelmäßig in der Kreativwerkstatt aktiv. Das gemeinsame Malen mit den Bankmitarbeitern macht ihnen großen Spaß. „Ich wusste gar nicht, dass Banker so nette Menschen sind“, so das Fazit. Ein Paradebeispiel für gelungene Inklusion, Teamarbeit und den Bewusstseinswandel, den die Stiftung Liebenau anstoßen will. „Verschiedenheit ist normal“ ist einer ihrer Leitgedanken. Und natürlich profitiert auch die HypoVereinsbank davon – Teambuilding, CSR, Imagegewinn und neue Kundenevents lauten die Schlagworte.

Veränderungen immer im Blick haben

Einige Stolpersteine müssen dennoch aus dem Weg geschafft werden, wie Helga Raible, Fundraising-Managerin der Stiftung Liebenau, zu bedenken gibt. Alle beteiligten Personen sollten auf jeden Fall frühzeitig einbezogen werden. Nicht zu unterschätzen sind auch mögliche Imageschäden, die eine solche Kooperation mit sich bringen kann. Deshalb, so Helga Raible, sollte man Veränderungen im Unternehmen, mit dem man als gemeinnützige Organisation zusammenarbeitet, stets im Blick haben. Und schließlich spielt auch wie so oft das Budget eine Rolle. Was passiert, wenn zum Beispiel die Bank keine Gelder mehr für das Projekt bereitstellt? Doch bis jetzt sind alle Beteiligten mit Enthusiasmus bei der Sache; weitere gemeinsame Malaktionen sind geplant. Und um etwaige Unkenrufe aus dem Weg zu räumen: Die Stiftung Liebenau hat kein Konto bei der HypoVereinsbank, echte Kunst ist schließlich unbezahlbar.

Text: Ute Nitzsche
Foto: Stiftung Liebenau

Der Artikel ist in der Ausgabe 4/2017 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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