Von wegen Unkraut: Crowdfunding für Senegals Schilfgras

Kaito investiert in Senegals Schilf
Crowdfunding macht's möglich: Senegals Schilfgras wird sinnvoll weiterverarbeitet

Darum geht‘s: Crowdfunding, Fundraising, Schilfgras, Senegal

Es wuchert wie Unkraut, gefährdet Senegals Wasserwege und mindert die Qualität des Trinkwassers: Das Schilfgras Typha bildet innerhalb kurzer Zeit enorme Biomasse. Um diese wirtschaftlich zu nutzen, hat das deutsche Unternehmen Kaito in das vielfältig einsetzbare Material investiert – und dafür per Crowdfunding 200 Unterstützer mobilisiert. Wie konnte das gelingen?

„Wir haben einfach keine alternative Finanzierung bekommen.“ Wenn Heidi Schiller über ihr Herzensprojekt spricht, merkt man ihr den Durchsetzungswillen sofort an. Bereits seit mehreren Jahren engagiert sie sich für Energie-Projekte im Senegal. Gemeinsam mit dem senegalesischen Umweltministerium sind so bereits mehrere Studien zur potenziellen wirtschaftlichen Nutzung des dortigen Schilfgrases entstanden. Vereinzelte Prototypen zeigen die vielfältige Nutzbarkeit dieser verholzenden Pflanze, die innerhalb von drei Monaten eine Höhe von bis zu drei Metern erreichen kann. Von Holzpellets als Brennmaterial für den Herd bis hin zu Zwischenwänden für den Innenausbau von Häusern ist einiges machbar.

Zweihundert Unterstützer auf Startnext

Die Forschungsergebnisse in Sachen Wirtschaftlichkeit des Rohmaterials werden von allen Seiten beklatscht. Nur investieren will darin niemand. Also nahm Heidi Schiller die Sache selbst in die Hand. „Ich hatte einfach Lust, Crowdfunding auszuprobieren“, so die Unternehmerin, die auch Mittelständler im Senegal bei Energie-Projekten berät. „Uns war klar, dass wir mit einem Fundingziel von 32 000 Euro direkt an die Decke stoßen, zumal bei einem solchen Thema. Wir wussten, dass wir für so ein klassisches B2B-Projekt nicht die gesamte Summe finanziert kriegen würden.“

Diese Mischung aus gesundem Realismus und gründlicher Vorbereitung haben die Kampagne die Fundingschwelle erreichen lassen. Fast 28 000 Euro kamen über die Plattform Startnext zusammen. Wie aber ist es ihr gelungen, für dieses Thema 200 Unterstützer zu mobilisieren? Kurz gesagt: Heidi Schiller hat alles richtig gemacht. Sie ist im Kreis der bayrischen Grünen bestens vernetzt und hat sowohl dort als auch bei Freunden und Familie bereits vor der Crowdfunding-Kampagne die Werbetrommel gerührt und so den einen oder anderen „Großspender“ überzeugen können. Dadurch hatte die Sache von Beginn an Schwung. Auch hat sich die Hervorhebung als Projekt des Tages spürbar auf die Finanzierung ausgewirkt.

Tochtergesellschaft gegründet

Wie nun aber weiter? Um das Typha effizient ernten zu können, muss das maschinell geschehen. Niemandem ist es zuzumuten, in der tropischen Hitze händisch mit der Sichel ans Werk zu gehen, wenn die Sache tragbar sein soll. Heidi Schiller hat diesen Aspekt bereits abgehakt: Sie hat einen Mittelständler gefunden, der eine Maschine entwickelt hat, die in dem wässrigen Gebiet arbeiten kann. Klein, robust und mit wenig Elektronik. Kopfschmerzen bereiten ihr nur nach wie vor mögliche Konzessionen zur Ernte des Schilfs. „Das ist alles eine rechtliche Grauzone. Die ,organisation pour la mise en valeur du fleuve‘, die für die Flüsse zuständig ist, kann keine Konzessionen im Ufergebiet vergeben. Dem Umweltministerium sind die Hände ebenso gebunden“, so Schiller.

Trotzdem ist mittlerweile vor Ort eine Tochtergesellschaft gegründet worden, die mit den lokalen Behörden zusammenarbeitet. Und solange Heidi Schiller ihre Finger im Spiel hat, gibt es immer eine Lösung. Nur braucht es dafür Geduld. Auch Schilf wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Text: Rico Stehfest
Foto: PR

Der Artikel ist in der Ausgabe 4/2017 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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