Essen, sähen, pflügen – Klick-Tagebuch für afrikanische Bauern

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Mithilfe der App können die Kleinbauern in Sambia ihren Alltag dokumentieren.

Darum geht‘s: Fundraising, Entwicklungshilfe, Sambia, Land der Ideen, Universität Hohenheim

Wie kann das Einkommen von Kleinbauern in Sambia gesteigert und ihre Arbeitsbelastung gleichzeitig verringert werden? Das wollten Wissenschaftler der Universität Hohenheim herausfinden und haben eine App entwickelt, die von den Bauern genutzt werden kann, auch wenn sie nicht lesen und schreiben können. Nun wird das Projekt als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ 2018 prämiert.

Etwa 80 Prozent der Landwirte in Afrika bestellen laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO ihre Felder nur mit Handarbeit ohne die Hilfe von Zugtieren oder Traktoren. Daher können sie nur kleine Flächen bewirtschaften, die Erträge sind gering. Die Folge: „Landwirtschaftliche Einkommen sind niedrig, und gerade junge Menschen finden Landwirtschaft kaum attraktiv und wandern ab“, erklärt Prof. Dr. Regina Birner, Agrarexpertin an der Universität Hohenheim und Leiterin des Forschungsprojektes. Gerade zu den kritischen Zeiten seien oft zu wenige Hände zum Anpacken da. Diesen saisonalen Arbeitskräftemangel und seine Folgen könnte Mechanisierung ausgleichen.

Ziel des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Projekts war es deshalb herauszufinden, welche Voraussetzungen für eine Mechanisierung gegeben sein müssen und welche gesellschaftlichen Folgen zu erwarten sind.

Einflüsse auf die Arbeitsteilung

Dabei stand besonders die Arbeitsteilung innerhalb der Haushalte im Fokus der Wissenschaftler. „Männer pflügen, Frauen jäten Unkraut – das ist laut Literatur die klassische Aufteilung in den Familien“, berichtet Thomas Daum, Doktorand in dem Projekt. „Die Männer-Tätigkeit wird oft zuerst mechanisiert. Uns stellte sich deshalb die Frage, wie die Männer die frei gewordene Zeit nutzen und wie sich Mechanisierung auf die Zeitnutzung von Frauen auswirkt“.

Um Antworten auf die Fragen zu finden und festzustellen, wann, wie und wo der Einsatz von Traktoren ihnen die Arbeit auf den Feldern erleichtern und damit ihre Erträge steigern könnte, nutzen die Forscher eine „Time Tracker App“ fürs Smartphone, entwickelt von Hannes Buchwald, Absolvent des Masterstudiengangs Computer Science and Media an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM). Dabei bestand die Aufgabe auch darin, die App für Menschen zugänglich zu machen, die weder lesen noch schreiben können. „Eine App zu entwickeln, die allein durch ihre Grafik funktioniert und sofort begreifbar ist, war die größte Herausforderung meines Projektes“, sagt Hannes Buchwald.

60 Symbole auf einen Klick

Mit der rein bilderbasierten App konnten die Kleinbauern auf dem Feld nun direkt ein „Klick-Tagebuch“ führen: Der erste Klick auf ein Bild startet eine Zeituhr, mit einem weiteren Klick nach Beendigung der Tätigkeit wurde sie wieder gestoppt. Insgesamt 60 Symbole wie Sähen, Pflügen, aber auch Freizeit oder Essen konnten dabei ausgewählt werden.

„Die App hat dabei geholfen, ein möglichst genaues und unvoreingenommenes Bild über den Alltag der Kleinbauern zu erhalten und ist somit eine ideale Ergänzung für die Datenerfassung im Allgemeinen“, so das Fazit von Hannes Buchwald. „Bisher waren Haushaltsbefragungen immer eine eher unsichere Informationsquelle. Eine Studie aus den USA zeigte zum Beispiel, dass Männer ihre Arbeit im Haushalt zu 70 Prozent überbewerten.“

Auch eine deutlich aufwendigere zeitbasierte Tagebuchführung ist nicht immer eine Alternative, sagt Thomas Daum weiter, wenn die Befragten beispielsweise nicht lesen oder schreiben können. „Es gab mangels verlässlicher Methoden kaum Daten über den Zeitaufwand in kleinbäuerlichen Anbausystemen. Das machte es schwierig, gute Entwicklungsprojekte zu gestalten und deren Auswirkungen zu messen.“

Spannend und einfach zu benutzen

62 Haushalte nahmen mit Hilfe der App an der Untersuchung Teil, insgesamt 2790 Tage Datenmaterial kamen so zusammen. „Die App kam auch bei den Kleinbauern toll an“, freut sich Hannes Buchwald. „Sie fanden sie spannend und einfach zu benutzen. Das zeigt sich vor allem auch darin, dass die Teilnehmer ihre Daten sehr diszipliniert aufgenommen haben.“

Auch andere Forschergruppen haben bereits ihr Interesse an der App angemeldet, erzählt Thomas Daum. So wurde die App auch auf der ‚The International Consortium on Applied Bioeconomy Research Conference‘ in Washington vorgestellt und soll auch noch bei der ‚International Conference of Agricultural Economists‘ in Vancouver gezeigt werden. „Wir hoffen so noch weitere Wissenschaftler für die App zu gewinnen, um mehr und vor allem genauere Daten zu sammeln. Das soll helfen die Entwicklungsforschung und -politik auf eine solidere Datengrundlage zu stellen“, so Thomas Daum.

Text: PR
Foto: HdM/Hannes Buchwald

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