Büro für Offensivkultur: Musikalische Eingreiftruppe gegen Rechts

Konstantin Wecker gründete das "Büro für Offensivkultur"
Musik gegen Rechts: Konstantin Wecker gründete das "Büro für Offensivkultur".

Darum geht‘s: Büro für Offensivkultur, Protest, Musik, Menschenrechte

Viele Musiker wenden sich in ihren Liedern gegen Rassismus und Hass – doch nur wenige gehen dorthin, wo es brennt. Die Liedermacher Konstantin Wecker und Heinz Ratz machen genau das: Sie treten auf Demos und Kundgebungen auf. Jetzt haben beide das "Büro für Offensivkultur" gegründet. Eine Plattform, die kritische Musiker und soziale Bewegungen zusammenbringt.

Vor zehn Jahren waren sie schon einmal zusammen auf Tour: die Musiker Konstantin Wecker und Heinz Ratz. Auf ihrer "Antifa-Tour" sangen die Liedermacher gegen Rechts – nicht in irgendeinem linken Szenekiez in Hamburg oder Berlin, sondern in Kleinstädten im Osten. Schon damals gefiel das nicht jedem; in Halberstadt und Hoyerswerda etwa wurden Konzerte auf Druck der NPD abgesagt. 2017 wollen Wecker und Ratz nun erneut ein Zeichen setzen gegen "den europaweit aufkeimenden Faschismus und überhaupt jede Form von Unrecht" – und gründeten dafür das "Büro für Offensivkultur".

Das Ziel der BOK abgekürzten Initiative ist es Musiker, aber auch Kabarettisten oder Schauspielern, zu vernetzen mit Veranstaltern, sozialen Bewegungen und Engagierten. Die Plattform soll es ihnen ermöglichen, in kurzer Zeit dort ein Event auf die Beine stellen, wo es gerade brennt – egal ob es darum geht, einen Naziaufmarsch zu verhindern, für Menschenrechte einzutreten oder einen Umweltskandal anzuprangern.

Einsatzbereit in 24 bis 48 Stunden

In Sachen Engagement und Protest kennt Heinz Ratz sich aus: Der Sänger der Ska- und Reggaeband "Strom & Wasser" machte sich bereits für Naturschutz, Obdachlose und Menschenrechte stark. Für seine Musiktour mit Flüchtlingen erhielt er die Integrationsmedaille der Bundesregierung. Vor allem in ländlichen Regionen verfügen viele Initiativen oft nicht über die nötige Infrastruktur, um schnell eine Protestveranstaltung zu organisieren, berichtet Ratz. "Wir haben immer wieder Anfragen gehabt von Gruppen, die versucht haben, etwas auf die Beine zu stellen", sagt er im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Bei den Anfragen ging es etwa um kleinere Festivals, um auf einen Missstand oder eine politische Situation aufmerksam zu machen. "Doch dann fehlte es dort an allem." An Tontechnik, Bühnen, Security und Geld, zählt Ratz auf, aber vor allem auch an Kontakten zu Künstlern. Das wollen die beiden Musiker nun ändern: Mithilfe ihres "Büros für Offensivkultur" soll im Bedarfsfall schnell ein Team zusammenkommen. Notfalls kümmert sich das Netzwerk sich auch um die Bühne und die Gage für die Künstler. Ziel ist es Ratz zufolge, "überall in 24 bis 48 Stunden reagieren zu können".

Fundraising-Konzerte bis zur Bundestagswahl

In einem halben Jahr soll die Plattform voll einsatzfähig sein, bis dahin gilt es noch die benötigten Mittel zu beschaffen. "Obwohl wir noch gar keine große Presseerklärung, keine große Arbeit gemacht haben, stößt uns jetzt schon ein ziemliches Interesse und eine große Kooperationsbereitschaft entgegen." So unterstützen bekannte Künstler wie Sarah Connor, Jan Plewka oder Stoppok die Aktion.

Um unbürokratisch handeln zu können, braucht das Spenden finanzierte BOK jedoch Geld. Das soll unter anderem eine Fundraising-Konzertreihe beschaffen: Bis zur Bundestagswahl im Herbst ist der Eintritt für alle Konzerte von "Strom & Wasser" frei, dafür bittet die Band Konzertbesucher um Spenden für die Plattform.

http://offensivbuero.de/

Text: Peter Neitzsch
Foto: Ufuk Arslan

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