Wie gelingt seriöses Face-to-Face-Fundraising?

Seriöses und transparentes Face-to-Face-Fundraising
Beim Face-to-Face-Fundraising sollten sich Organisationen und Dialoger stets an die Standards halten.

Darum geht's: Fundraising, Face-to-Face-Fundraising, Haustürwerbung, QISH, Dialog Direct

Das seit Jahrzehnten wirtschaftlich erfolgreichste Fundraising-Instrument in der Neuförderer-Akquise ist Face-to-Face-Fundraising. Zugleich ist es das mit Abstand moralisch umstrittenste Instrument. Ein seriöses Face-to-Face-Fundraising ist möglich, wenn Organisationen und Dienstleister wirklich wollen. Doch noch nicht alle halten sich an die Standards.

Sobald die warme Jahreszeit beginn, stöhnt die Spenderbetreuung in vielen Einrichtungen und Organisationen auf, denn es ist wieder so weit: Die „Werber“ stehen mit einem Informationsstand in den Fußgängerzonen ganz Deutschlands. Viele Menschen gehen schon in Sichtweite einen großen Bogen um die meist jungen Promoter. Angesprochene Menschen beschweren sich. „Mir wurde vermittelt, dass es sich um einen einmaligen Beitrag handelt und nicht um einen dauerhaften Einzug!“ Neben den vielen gewonnenen Spendern bleibt am Ende der Eindruck von zuweilen vielzähligen Beschwerden aus der Bevölkerung.

Lobby-Arbeit für seriöses F2F-Fundraising

Der moralische Teufel liegt also im Detail. Viele Fundraiser bestätigen, dass die Art und Weise der Ansprache einzelner Dialoger auf der Straße nicht den Werten und Bedürfnissen der Organisationen entspricht. Doch solche Rückmeldungen sind erfahrungsgemäß seltener als vermutet. Eine differenzierte Sicht auf die Praxis jenseits der üblichen Medienberichte, Lobbyarbeit für ein seriöses Face-to-Face-Fundraising sowie das Erarbeiten verpflichtender Qualitätsstandards sind nur drei der Aufgaben, die sich die „Qualitätsinitiative Straßen- und Haustürwerbung“ (kurz: QISH) gestellt hat.

Betrachtet man die Internetseite dieser Initiative, so stellt man fest, dass hier gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen ebenso Mitglied sind wie spezialisierte Agenturen. „Es nützt nichts, wenn nur die Organisation Standards erarbeitet, die die ausführenden Partneragenturen nicht mittragen können“, so Ricarda Raths, Vorstandsvorsitzende des Vereins. „Vielmehr müsse es um einen genauen und gemeinsamen Blick auf die Wirklichkeit gehen, um realitätsgerechte Standards zu entwickeln“, so Raths weiter.

Werbung soll positiv wahrgenommen werden

Schaut man sich diese Standards genauer an, so stellen die Leitsätze und ihre Kataloge für die Branche teilweise eine echte Herausforderung dar. „Unser Anspruch ist es, dass diese Art der Werbung und die dadurch vertretenen Organisationen von jedem/r Einzelnen, der/die damit direkt oder indirekt in Kontakt kommt, positiv wahrgenommen werden“ wird dort beispielsweise formuliert. Oder: „Alle Mitarbeiter/innen werden angemessen und leistungsgerecht vergütet.“

Die Initiatoren und Mitglieder des eingetragenen Vereins sind sich bewusst, dass eine hundertprozentige Erfüllung der Leitideen von der Wirklichkeit immer wieder abweicht. So stellt der Umgang mit Verstößen von Mitgliedern die eigentliche moralische Herausforderung ohne Alternative dar. Die Initiative hat daher schon länger eine externe Ombudsstelle eingerichtet, die beispielsweise durch Mystery-Fundraising-Maßnahmen die Qualität bei den Mitgliedern überprüft. Harte Verstöße führen zum Ausschluss des betreffenden Mitglieds, stellt der Verein klar. Hierfür wurde ein Sanktionskatalog erstellt, der durch klare Regeln zum Einsatz kommt.

Unprofessionelles F2F-Fundraising noch zu oft toleriert

Ein seriöses Face-to-Face-Fundraising ist wirtschaftlich durchführbar und wird täglich praktiziert, sind sich die Initiatoren der Qualitätsinitiative sicher. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass nach wie vor Einzeldienstleister und Agenturen ohne Anspruch auf ein professionelles und transparentes Face-to-Face-Fundraising tätig sind. Vor allem aber gibt es genügend gemeinnützige Organisationen als Auftraggeber, die das nach wie vor tolerieren.

Daher ist der Initiative wichtig, Lobbyarbeit für ein seriöses und qualitätsvolles Face-to-Face-Fundraising zu betreiben. Nicht nur bei Organisationen und Dienstleistern, sondern zum Beispiel auch bei Behörden. Denn viele Städte haben aufgrund schlechter Erfahrungen mit rigidem Genehmigungsverhalten reagiert. „Das trifft alle in der Branche, auch die ehrbaren, und das ist nicht in Ordnung“, weist Franz Wissmann hin, Geschäftsführer von Dialog Direct und Mitbegründer der Initiative. Die Initiative ist deshalb offen für noch mehr Beteiligte, um noch viel besser gehört zu werden.

Text: Dr. Thomas Röhr
Foto: PR

Der Artikel ist in der Ausgabe 2/2018 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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