Nur noch kurz die Welt retten …? NGOs erfolgreich gründen

Gründung einer NGO in Indien
Der Verein IndienHilfe Deutschland pflanzt unter anderem Litschi-Bäume mit Schulkindern

Darum geht's: Fundraising, NGO, Rechtsform, IndienHilfe, Spender

Von der guten Idee zur erfolgreichen Organisation – im Jahr 2008 gründete eine Handvoll Bürger aus Wallenhorst nahe Osnabrück die IndienHilfe Deutschland e. V. Der Verein gibt Tipps, worauf es bei der erfolgreichen Gründung und Vermarktung ankommt und warum es hilft, die NGO auch wie ein wirtschaftliches Unternehmen zu betrachten.

Wer eine NGO gründen möchte, hat in der Regel ein sehr konkretes Ziel vor Augen. Er will etwas bewirken, und genau diese Begeisterung ist der Kern einer erfolgreichen Gründung. Es ist der Motor, um selbst am Ball zu bleiben, aber was noch wichtiger ist: Es ist der Funke, mit dem Mitstreiter gefunden werden. Bei der IndienHilfe Deutschland e.V. war es so, dass mir und meiner Frau in einem Slum in Kalkutta ein vier Wochen altes Baby für umgerechnet 20 Euro zum Kauf angeboten wurde. Da war für uns klar, dass wir etwas tun müssen. Solche Schlüsselerlebnisse sind natürlich nicht für jede NGO erforderlich, dennoch ist der unbedingte Wille, die Sache durchzuziehen, von Anfang an das Allerwichtigste.

Die richtige Rechtsform wählen

Wenn der Zweck einer NGO feststeht, muss man sich zunächst entscheiden, welche Rechtsform die passende ist. Ob Verein, Stiftung, gGmbH, gUG – jede Variante hat in Sachen Steuerrecht, Haftung, Stammkapital und so weiter verschiedene Vor- und Nachteile. Ich empfehle einen Rechtsanwalt oder Notar hinzuzuziehen und am besten gleich als Gründungsmitglied zu verpflichten. Sehr wichtig ist an dieser Stelle auch der Name der späteren Organisation. Wie wollen wir heißen? Was ist eingängig, leicht verständlich? Gibt es vielleicht schon Ideen für einen griffigen Claim? Der Name ist schließlich von entscheidender Bedeutung, um die NGO erfolgreich zu vermarkten und Spender zu akquirieren.

Im Fall eines Vereins benötigen Sie eine Satzung, für die es reichlich Vorlagen gibt, sowie sieben Gründungsmitglieder, die das Gründungsprotokoll unterzeichnen. Anschließend wird ein Führungsgremium gewählt, und der Verein kann im Vereinsregister eingetragen werden. Sie erhalten einen Registerauszug, mit dem Sie beispielsweise ein Vereinskonto eröffnen oder auch beim Finanzamt eine Gemeinnützigkeit beantragen können. Man sollte bedenken, dass diese Formalien auch Kosten verursachen. So um die 100 bis 160 Euro sollten die Gründungsmitglieder schon zusammenlegen.

Spender auch als Kunden betrachten

Nach der erfolgreichen Gründung beginnt die richtige Arbeit. Um zu wachsen, müssen neue Mitglieder und Spender gewonnen werden. Wichtig ist, diese Unterstützer nicht nur als Helfer, sondern vor allem als Kunden zu betrachten. Genau wie Konsumenten müssen Spender für eine Sache begeistert und gepflegt werden. Kein Mensch spendet Geld und Zeit, weil er zu viel davon hat. Er erwartet immer auch einen Gegenwert. Auch und gerade wenn es darum geht, die Welt zu verbessern, sollte jede NGO wie ein Unternehmen betrachtet werden, das sich in einem hart umkämpften Markt behaupten muss.

Diese kapitalistische Denke klingt erst einmal befremdlich, schließlich geht es doch um selbstlose Hilfsbereitschaft. Man sollte aber bedenken, dass Hilfsbereitschaft in den seltensten Fällen vollkommen selbstlos ist. Gute Taten wollen wertgeschätzt werden. Ein Spender spendet immer auch, um sich persönlich gut zu fühlen. Und das gelingt nur, wenn er weiß, wofür sein Geld auch tatsächlich eingesetzt wird. Transparenz und Authentizität sind die wichtigsten Säulen jeder NGO. Wir von der IndienHilfe Deutschland e.V. sind beispielsweise Mitglied im Deutschen Spendenrat, bei Transparency International und dem DIGEV. Darüber hinaus fahren unsere Mitglieder regelmäßig nach Indien, um sich persönlich vom Erfolg der Projekte zu überzeugen.

Vom Facebook-Auftritt bis zum Mitgliedermagazin

Vor diesem Hintergrund sollte jede NGO von Anfang an eine möglichst professionelle Presse- und Marketingarbeit aufbauen. Die Spanne reicht hier von der eigenen Facebook-Seite bis zum kompletten Mitgliedermagazin. Ganz wichtig: Gute Öffentlichkeitsarbeit erhöht nicht nur die Bekanntheit, sondern fungiert auch als Wertschätzung gegenüber Mitgliedern und Spendern. Wer Gutes tut, freut sich, wenn seine Tat auch öffentlich wahrgenommen wird. Entscheidend ist nicht zuletzt auch die Konkurrenz. Jeder potenzielle Spender hat heutzutage 1000 Möglichkeiten zu spenden. Wer erfolgreich sein will, sollte sehr genau bedenken, in welchen Punkten er sich von vergleichbaren Organisationen unterscheidet und warum die Spende bei ihm besser aufgehoben ist als woanders. Mit diesen Alleinstellungsmerkmalen steht einem langfristigen Wachstum nichts mehr im Wege.

Text: Jürgen Fluhr
Foto: PR

Der Artikel ist in der Ausgabe 5/2017 des Fundraiser-Magazins erschienen.

Jürgen Fluhr ist studierter Dipl.-Ing. Executive MBA. Als ehemaliger Geschäftsführer eines Dax- und SDax-Unternehmens ist er heute Vorstandsvorsitzender der IndienHilfe Deutschland e. V. und Indienexperte. Mit seinem Konzept „Bildung gegen Armut“ hilft der Verein jedes Jahr mehreren hundert Straßen- und Waisenkindern.

Zurück

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Crowdlending-Kredite: Gut investieren gemäß Stiftungszweck

Crowdlending für kleine und mittlere Unternehmen

Die Digitalisierung der Finanzbranche macht es möglich: Crowdlending-Plattformen bündeln das Geld von Investoren zu Krediten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Firmen können ihre Finanzierung diversifizieren, Stiftungen dem Tiefzinsumfeld entkommen – passend zu ihrem Stiftungszweck. In der Schweiz erfreut sich diese Form der Finanzierung immer größerer Beliebtheit.

[...]

Schöner scheitern: Mailingversand während die Post streikt

Fundraising schöner scheitern

Aus Fehlern kann man lernen, dafür muss man sie nicht alle selber machen! Das Fundraiser-Magazin stellt in der Serie „Schöner scheitern“ kleine und große Fehler von Fundraising-Aktionen vor. Was war passiert, dass ein Ostermailing erst im Sommer versandfertig war? Und wie geht man damit um, wenn zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet die Post in einen Streik tritt?

[...]

Regionale Investments: So können sich Sportvereine finanzieren

Finanzierung Sportverein Xavin

Schlechte Plätze, kaputte Duschen – Sportvereine können sich nicht mehr nur auf die klassische Form des Sponsorings verlassen. Trotzdem brauchen auch sie eine moderne Form der Finanzierung. Tobias Ungerer ist selbst begeisterter Fußballer. Sein Start-up Xavin ermöglicht es regionalen Vereinen, Darlehen von Unterstützern und Mitgliedern aufzunehmen.

[...]

Nachtschicht Hamburg: Profis helfen Non-Profits pro bono

Nachtschicht Hamburg Projekt für KinderLeben

Einen Teil seiner Zeit spenden, das geht nicht nur im Ehrenamt beim Tierschutzverein oder der freiwilligen Feuerwehr. Auch Profis stellen bereitwillig ihr Know-how und ihre Zeit für den guten Zweck zur Verfügung, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die „Nachtschicht Hamburg“ ist da ein beispielhaftes Format.

[...]

Jahresbericht: Schickes Aushängeschild statt dröger Bilanz

Jahresbericht Social Reporting Standard

Einen Jahresbericht zu verfassen, macht Arbeit. Doch die kann sich lohnen. Jedenfalls wenn darin mehr zu finden ist als Zahlenkolonnen und Projektlisten. Im besten Fall ist der Bericht sogar ein Instrument zur Organisationsentwicklung, der wertvolle Chancen eröffnet. Warum der Bericht viel mehr sein sollte als nackte Zahlen, Infografiken und Fachsprache.

[...]

Transparenz und Augenmaß: erfolgreich Online-Spenden sammeln

Online Spenden sammeln

In die Kampagne selbst wird oft viel Zeit investiert, die Abwicklung der Spenden wird hingegen meist einfach nebenbei erledigt. Doch gerade das Prozedere für Online-Spenden kann entscheidend sein, wie viel und ob ein Spender überhaupt Geld gibt. Dabei geht es um einiges mehr als einen gut sichtbaren Spenden-Button auf der eigenen Website.

[...]

Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Matomo“ (ehemals Piwik). Unsere Website verwendet auch „Cookies von Drittanbietern“, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können. Mehr dazu ...