Nachlass-Fundraising: In Österreich stark auf Wachstumskurs

Nachlassfundraising Österreich Initiative Vergissmeinnicht
Die Initiative Vergissmeinnicht berät zu Nachlass-Fundraising und Testamentsspenden.

Darum geht's: Fundraising, Nachlass-Fundraising, Testamentsspenden, Fundraising Verband Austria, Vergissmeinnicht

Ob Hilfe für Kinder und Jugendliche, Pflege bedürftiger Menschen oder Tier- und Umweltschutz: Gemeinnützige Organisationen im Testament zu bedenken, liegt in Österreich im Trend. Rund 60 Millionen Euro – beinahe zehn Prozent des gesamten Spendenaufkommens in Österreich – wurden 2017 für den guten Zweck hinterlassen. Die Initiative „Vergissmeinnicht“ informiert zum Thema Nachlassfundraising.

Größere gemeinnützige Projekte wie etwa ein Waisenhaus werden oft erst durch den maßgeblichen Beitrag einer Erbschaft oder eines Legats möglich gemacht. Für Günther Lutschinger vom Fundraising Verband Austria repräsentieren Testamentsspenden daher den „Samen für Neues und Außergewöhnliches“. Aktuelle Umfragen und Studien bestätigen, dass Nachlass-Fundraising in Österreich einen stark wachsenden Spendensektor darstellt.

Nachlass-Fundraising hat Wachstumspotenzial

Die Österreichische Initiative Vergissmeinnicht wurde 2012 gemeinsam mit 28 Organisationen gegründet, um dem Bedürfnis der Österreicher nach neutralen Informationen zu den Möglichkeiten beim Vererben nachzukommen. Seit nunmehr sechs Jahren informiert die heute 78 Mitglieder zählende Initiative in Kooperation mit der Österreichischen Notariatskammer über die Optionen, gemeinnützige Organisationen im Nachlass zu bedenken.

In dieser Zeit ist das Interesse der Menschen kontinuierlich angestiegen. 76 Prozent der Österreicher über 40 wissen bereits, dass man auch gemeinnützige Organisationen im Testament berücksichtigen kann, 13 Prozent können sich vorstellen, dies auch selbst zu tun. Dass Nachlass-Fundraising in Österreich großes Wachstumspotenzial aufweist, verdeutlicht auch eine Studie des WU-Ökonomen Stefan Humer. Einerseits werden immer mehr Vermögenswerte vererbt, und andererseits steigt die Zahl der Menschen ohne Erben. Laut Humer wird die Zahl der unentgeltlichen Vermögensübertragungen insgesamt bis 2030 auf 18,2 Milliarden Euro steigen.

Regelmäßige Kampagnenarbeit

Hier setzt die Fundraising-Initiative Vergissmeinnicht mit ihren vielfältigen Informations- und Serviceangeboten an. Die Palette reicht vom kostenlosen Erbrechtsratgeber über österreich­weite Informationsveranstaltungen bis hin zur Google-Adwords-Kampagne. Mehrere Tausend Menschen werden jährlich allein bei Seniorenmessen erreicht. Eine österreich­weite Plakatkampagne, Radiowerbung, Kino-Spots, Pressearbeit sowie Medienkooperationen mit „Die Presse“, „Kurier“ oder „Die ganze Woche“ tragen wesentlich dazu bei, mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu richten. Im Rahmen der sogenannten „Woche des guten Testaments“ informiert Vergissmeinnicht zudem jeweils im Mai und im September in Form einer großen Info-Tour durch ganz Österreich.

Fundraising-Verband bietet spezielle Angebote

Für die Mitglieder-Organisationen von Vergissmeinnicht bietet der Fundraising Verband Austria – Initiator und Träger der Initiative – ganz spezifische Fachbereichs-Angebote. Nachlass-Fundraiser erhalten in diesem Rahmen Zugang zu speziellen Aus- und Weiterbildungsangeboten in ihrem Tätigkeitsfeld ebenso wie zu Marktdaten und internationaler Expertise. Auch der regelmäßige Vergissmeinnicht-Brunch zum Netzwerken und zum informellen Austausch hat sich bewährt. Darüber hinaus fungiert Vergissmeinnicht mit seiner Recherchearbeit und regelmäßigen Meinungsumfragen als Informationsdrehscheibe im österreichischen Nachlass-Fundraising.

Text: Markus Aichelburg-Rumerskirch
Foto: office@ludwigschedl.com

Der Artikel ist in der Ausgabe 4/2018 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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