Jobsharing: Geteilter Druck – doppelter Erfolg

Jobsharing bietet viele Vorteile
Jobsharing bietet viele Vorteile

Darum geht‘s: Jobsharing, BUND, Elternzeit, Personalwechsel

Immer wieder ist von Jobsharing zu lesen– zwei Menschen teilen sich eine Arbeitsstelle. In der Realität findet diese Form der Teilzeitarbeit allerdings noch selten statt. Kann dieses Modell für Non-Profit-Organisationen sinnvoll sein? Und bringt es tatsächlich Vorteile oder nur viel Abstimmungsaufwand?

Schon seit zehn Jahren teilen sich Stephanie Neumann und Debby Tamchina beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) den Job. Beide sind in der Bundesgeschäftsstelle verantwortlich für das Direktmarketing. Da geht es um straffe Terminketten, große Summen und weitreichende Entscheidungen. So ein echtes Vier-Augen-Prinzip mindert das Risiko und führt zu gut reflektierter, fachlich abgestimmter Arbeit. Ergebnis und Qualität gewinnen.

Ein Erfolgsmodell, sollte man denken. Doch der Anteil der Unternehmen, die Jobsharing-Stellen anbieten, ist bisher nicht sehr hoch. Während in Großbritannien beinahe jede zweite Stelle für Jobsharing geeignet ist, schreiben im deutschsprachigen Raum nicht einmal 20 Prozent der Unternehmen solche Stellen aus, geschweige denn besetzen sie.

Jobpairing oder Jobsplitting?

Zwei Arten von Jobsharing werden unterschieden: Beim Jobpairing sind beide Partner für alles gemeinsam zuständig, teilen Schreibtisch, Arbeitszeit und Aufgaben eigenverantwortlich untereinander auf. Beim Jobsplitting wird der Vollzeitarbeitsplatz komplett zwischen den zwei Stellen aufgeteilt, es gibt zwei unabhängige Arbeitsverträge. So auch bei Debby Tamchina und Stephanie Neumann.

Der Auslöser für die aufgeteilte Stelle war – wie bei vielen Arbeitnehmerinnen – die Elternzeit. „Es war für mich sehr viel wert, dass ich nach der Geburt meines Sohnes meine Stelle beim BUND in Teilzeit weiterführen konnte. Diese Perspektive als junge Mutter zu haben, deren Leben sich gerade einmal komplett auf den Kopf gestellt hatte, hat mir eine große Ruhe und Zuversicht gegeben. Das ist nicht zu unterschätzen!“, erzählt Debby Tamchina. Auch Stephanie Neumann hatte zwei kleine Kinder. „Aus meiner Sicht ist es nicht selbstverständlich, in einer solchen Situation einen Job zu bekommen. Der BUND hat mir eine Chance gegeben, als ich eine gebraucht habe. Ich konnte immer zugleich Mutter sein und einen Beruf ausüben. Es war immer jemand da, der mich vertreten konnte. Ich war nur selten in einer Zerreißprobe zwischen Kindern und Arbeit“, sagt sie. Und man merkt, wie dankbar beide dafür sind und wie groß ihre Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist.

Entscheidungen auch allein treffen können

Jobsharing eignet sich nicht nur für junge Eltern. Auch Menschen, die einen Angehörigen pflegen, ältere Arbeitnehmer, die „etwas kürzer treten wollen“, oder junge Men­schen, die nebenbei ein Studium absolvieren oder mehr Zeit für Ehrenämter brauchen, sind geeignete Kandidaten für geteilte Stellen. Auch Führungskräfte können ihre Stelle teile – dieses Topsharing ist allerdings nichts für Macht- und Hierarchie-Besessene.

Im Arbeitsalltag heißt Jobsharing, gut zu organisieren und sich gegenseitig aufeinander verlassen zu können. „Wir haben die Arbeit nach Themengebieten aufgeteilt. Im Büro sitzen wir in einem Zimmer an zwei Schreibtischen nebeneinander. Wir haben Zu­gang zu den E-Mail-Konten der jeweils anderen, und wir haben ein gemeinsames Ordnersystem“, beschreibt es Stephanie Neumann. Debby Tamchina ergänzt: „Jede für sich muss in der Lage sein, alle Entscheidungen allein zu treffen und die Verantwortung allein zu übernehmen. Dafür müssen beide den Job komplett kennen und auch die Arbeitsbereiche der jeweils anderen machen können und wollen.“

Geteilter Erfolg ist doppelter Erfolg – aber wer steht denn für Fehler gerade? Debby Tamchina empfindet das so: „Wir sehen unseren Arbeitsbereich immer als Gemeinschaftswerk an. Schlussendlich ist es auch so, dass alle Aufgaben ineinandergreifen. Im Entstehungsprozess eines Mailings spielen so viele Aspekte eine Rolle, da kann so viel schiefgehen, dass wir immer beide unsere Anteile daran haben – egal wie es läuft. Und wenn einer von uns mal ein Fehler passiert, hat es die andere noch nie krummgenommen. Wir schauen dann schnell wieder nach vorne und lernen draus. Auch wenn wir sehr unterschiedliche Persönlichkeiten sind – hier ticken wir beide sehr ähnlich – das ist sicher ein Vorteil. Und ein tolles Gefühl!“

Kritikfähig, tolerant und flexibel

Für NGOs, die Jobsharing-Stellen anbieten, liegen die Vorteile klar auf der Hand: ein gut funktionierendes Team, das sich fachlich und inhaltlich ergänzt, im Krankheitsfall gegenseitig vertritt und eine hohe Motivation mitbringt. Die Fluktuation geht zurück und das Know-how der NGO bleibt auch bei einem Personalwechsel erhalten. Der zusätzliche Aufwand ist gering, wenn klare Absprachen getroffen werden. Dennoch eignet sich Jobsharing nicht für alle Persönlichkeiten. Kritikfähigkeit, Toleranz und Flexibilität sind gefragt. „Offenheit und gegenseitiges Vertrauen bilden die Basis für unsere Zusammenarbeit. Ich habe gelernt, dass auch andere Wege zum Ziel führen, als der, den ich gewählt hätte. Das ist eine durchaus hilfreiche Erfahrung“, gibt Debby Tamchina zu.

Und noch ein Aspekt spricht für ein Jobsharing: Spezialisten in NGOs sind oft Einzelkämpfer. Das trifft auf die Fundraiserin genauso zu wie auf den PR-Menschen oder den IT-ler. Wenn man die Dinge mit jemandem Gleichrangigen besprechen kann, verbessert das die Arbeitsergebnisse und nimmt den Druck raus. So sieht es auch Debby Tamchina: „Es ist wahnsinnig viel wert, immer eine kompetente Mitstreiterin zu haben, mit der ich mich fachlich austauschen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie einsam ich mit meinem Arbeitsgebiet vorher oft war.“

Jobsharing-Plattformen und weiterführende Infos

Die Plattform go-for-jobsharing.ch bietet eine nützliche Ratgeber-Broschüre zum kostenlosen Download an.

Text: Daniela Münster
Foto: AdobeStock/22_stokkete

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