Herz und Hand – So tickt der Spendernachwuchs ab Generation Y

So tickt der Spendernachwuchs der Generation Y
Der Spendernachwuchs ab Generation Y sucht flexible Unterstützungsmöglichkeiten.

Darum geht's: Fundraising, Generation Y, Spenden, Ehrenamt, Studenteninitiative Weitblick, Viva con Agua

Spendendose und IBAN reichen ihnen nicht mehr, sie leben bio, lieben ihre Handys und suchen den Sinn in allem, was sie tun: Der Spendernachwuchs von 1980 und jünger denkt Unterstützung neu  – und fordert Non-Profits dazu auf, es ihnen gleichzutun. Wie schafft man es also, diese Zielgruppe als Unterstützer zu gewinnen? Einige Beispiele aus der Praxis.

Wer dieser Tage Facebook öffnet, findet in der Timeline früher oder später ein Posting darüber, dass ein Kontakt Geld an eine gemeinnützige Organisation gespendet hat. Der Grund: Facebook animiert seine Nutzer aktuell dazu, eine Spendenaktion zu starten. „Rufe Deine Freunde dazu auf, an Deinem Geburtstag eine Organisation deiner Wahl zu unterstützen.“

Etwas vom eigenen Wohlstand abgeben

Informieren, unterstützen, den gemeinsamen Erfolg direkt feiern. Drei Schritte, die online mittlerweile denkbar einfach umzusetzen sind. Sie überreizen die eingedampfte Aufmerksamkeitsspanne nicht und vermitteln innerhalb kürzester Zeit das positive Gefühl, sich gemeinsam für einen guten Zweck eingesetzt zu haben.

Spenden statt schenken ist kein völlig bahnbrechender Gedanke. Beachtenswert an der Aktion ist jedoch, dass eine der weltweit meistbesuchten Websites dazu aufruft. Wir sprechen hier demnach nicht von der Filterblase „Ach, ich brauche keine Geschenke – wenn ich etwas haben möchte, kaufe ich es mir einfach“. Wir sprechen hier von der breiten Masse junger Spender, die einen Teil des eigenen Wohlstands abzugeben bereit ist.

Was genau animiert also eine Generation, der Freiheit und Selbstbestimmung in die Wiege gelegt wurden, zu finanzieller oder ehrenamtlicher Unterstützung? Fest steht: Ein Stück vom eigenen Vermögen abzugeben, ist ihnen durch die Bank ein Bedürfnis. Sei es noch so klein. Wer selbst nicht die finanziellen Mittel hat, spendet gerne seine Arbeitsleistung – oder einen kleinen Obolus.

Spenden neu denken

So auch die Mitglieder der deutschlandweit tätigen Studenteninitiative Weitblick. Von Beginn an ausschließlich geführt von Studenten, generierte der mitgliederstärkste Ortsverein in der Studentenstadt Münster 2017 Spendeneinnahmen in Höhe von rund 120 000 Euro.

Gefördert werden Bildungsprojekte weltweit. Ermöglicht durch Partys, Theateraufführungen, Kooperationen mit Eisdielen, die „Bildungseis“ und Bäckereien, die „Bildungsbrot“ verkaufen. Teile der Erlöse werden gespendet, so der Deal. Ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement von Studenten, die zusätzlich Klausuren und Nebenjob unter einen Hut bringen müssen, wird so jährlich weltweit mehreren hundert Kindern der Zugang zu einer grundlegenden Schulbildung ermöglicht.

Jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten

Wer keine Zeit opfern kann, hat zumindest kein Problem damit, während der Festivalsaison an einer der rund 950 Sammelstellen von Viva con Agua seinen Pfandbecher abzugeben, statt sich für einen Euro retour am Getränkestand anzustellen. Rund 184 000 Euro generierte der gemeinnützige Verein aus Hamburg in der Festivalsaison 2017 durch Pfandbecherspenden. Nach eigenen Angaben entstehen dabei knapp 500 000 Kontaktpunkte zu Festivalbesuchern – also potenziellen Unterstützern. Die Betreiber der Stände arbeiten ausschließlich ehrenamtlich – erhalten im Gegenzug aber auch eine Eintrittskarte zu den heißesten Festivals der Republik.

Gutes Gefühl statt Tränendrüse

Deutlich wird: Die jungen Unterstützer wollen nicht leicht widerwillig ein paar Euro in eine Blechdose werfen, weil ihnen das Kind auf dem Werbeplakat leidtut, das symbolisch für „die Hungersnot in Afrika“ steht. Weil sie sich aus Überzeugung engagieren, nicht aus schlechtem Gewissen. Außerdem setzen sie sich ohnehin dafür ein, Afrika nicht als Synonym für Hilflosigkeit und Bedürftigkeit zu verwenden, sondern als den diversen Kontinent zu sehen, der er ist. Sie wollen mitwirken. Wissen, welchen Unterschied ihre Unterstützung macht. Und ja, sie wollen durchaus auch feiern, dass sie in der Lage sind, diesen Unterschied zu machen.

Die Bereitschaft, ein individuelles Stück vom Glück abzugeben, ist also vorhanden. Was der Spendernachwuchs sucht, sind eine zeitgemäße und authentische Ansprache, flexible Unterstützungsmöglichkeiten und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu werden, die die Welt zum Positiven verändert. Hand und Herz reichen statt nur die IBAN. Wer das versteht, erweitert mit der Generation Y nicht nur seine Spenderbasis, sondern auch den eigenen Ideenfundus.

Text: Juliane Wernhard
Foto: Fxquadro/fotolia.com

Der Artikel ist in der Ausgabe 6/2018 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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