Großspenden aus aller Welt: Fundraising in Israel

Fundraising und Philanthropie in Israel kennenlernen
Auf einer Tafel im Biblischen Zoo in Jerusalem wird Spendern gedankt.

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Wie funktioniert die Kultur des Gebens in Israel? Wie arbeiten Fundraiser und welche Fundraising-Konzepte dominieren? Das Land hat zwar eine Fundraising-Tradition, es unterscheidet sich aber von dem, wie wir es kennen. Vor allem Großspenden von Stiftungen und Privatpersonen machen einen großen Teil der Einnahmen aus. Aber wer spendet sonst noch und wofür? Das erfuhren Fundraiser aus Deutschland auf einer spannenden Reise.

Ob an Schulen, im Theater oder im Biblischen Zoo in Jerusalem: Fast überall im Land findet man Zeichen für die unterschiedlichsten Fundraising-Aktionen. Danke-Plaketten an Gebäuden, Baumpatenschaften oder Sammeldosen. „Über das Thema Fundraising werden Sie sehr viel über die israelische Gesellschaft lernen“, so Doron Kiesel, Professor für Soziale Arbeit a. D.

Fundraising – eine noch junge Disziplin

Zwölf Tage unterwegs, zwölf Tage mit vielen Beispielen und Menschen, die für Menschen arbeiten und die damit etwas tun, was man als einen fundamentalen Beitrag zum Erhalt und Ausbau der israelischen Demokratie und Zivilgesellschaft bezeichnen kann.

Wenngleich Israel über eine lange Fundraising-Tradition verfügt, wurde den Reiseteilnehmern doch Tag für Tag immer deutlicher: Fundraising, so wie wir es in Deutschland seit Jahren verstehen, ist trotz allem im Land eine recht junge Disziplin.

Viele Großspenden von Stiftungen und Privatpersonen

Von Anfang an sind die Gründung und der Aufbau des Staates Israel eng verbunden mit der finanziellen Unterstützung von Juden aus der ganzen Welt. Und diese Struktur der Spende aus dem Ausland findet sich in nahezu allen der besuchten Organisationen, von der Umweltorganisation „Heschel Center“ in Tel Aviv bis zur internationalen Holocaust Gedenkstätte „Yad Vashem“.

Großspenden von Stiftungen und Privatpersonen aus dem Ausland sind das prägende Moment. Sie machen oftmals einen großen Teil des Fundraising-Budgets aus. Es gibt zwar einige Erfahrungen mit Crowdfunding-Kampagnen, aber immer wieder konnten die mitreisenden Fundraiser die Beobachtung machen, dass beispielsweise die klassischen Spenden-Mailings und damit einhergehendes Datenbank-Fundraising eher Ausnahmen sind.

Nachholbedarf bei CSR-Quote

Und auch wenn innerhalb des Landes die Kultur der Philanthropie, nicht zuletzt durch die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, stetig wächst, so stellte der Vermögensverwalter Philippe J. Weil in einem Vortrag doch fest: „Das Vermögen ist jung, das innerisraelische Fundraising ebenso.“

Und noch viel jünger ist die Kultur des CSR. Momo Mahadav, Leiter von Maala, einer Organisation, die sich für soziale Verantwortung einsetzt, sieht noch erheblichen Nachholbedarf bei der Quote des Corporate Givings. Und doch, es bewegt sich etwas. So beobachtet Jonathan Ben-Dor, Online-Fundraiser und Betreiber von IsraelGives.org, ein stetiges Wachstum im Online-Fundraising.

Jede Menge magische Momente

Und es gibt sie, die magischen Momente, die die Herzen öffnen. So beispielsweise bei einer gemeinsamen Baumpflanzaktion mit dem „Keren Kayemeth LeIsrael“, dem jüdischen Nationalfonds. Gerade als ein Zedern-Setzling in den steinigen Boden eingegraben worden war und sich die Teilnehmer zum Gruppenbild aufgestellt hatten, erschien am Horizont ein Regenbogen.

Oder bei Mendy Cahan von „Yung Yiddish“, einer NGO für den Erhalt der jiddischen Kultur, als er von seinen vielen jiddischen Büchern und der reichen Kultur des Jiddischen erzählt und singt. Oder bei Pater Nikodemus in der Dormitio-Abtei auf dem Zion in Jerusalem, als dieser von der großen Spenden-Solidarität spricht, die zum Wiederaufbau des Klosters Tabgha am See Genezareth führte.

Jerusalemer Zoo als Ort der Begegnung

Im biblischen Jerusalemer Zoo schließt sich dann der Kreis, von dem Doron Kiesel in Frankfurt gesprochen hat. Hier kann man einen persischen Damhirsch adoptieren. Das Aquarium trägt zum Beispiel den Namen der amerikanischen Großspender, die es wesentlich finanziert haben („The Gottesman Family Israel Aquarium“), und der Elefant ist eine Spende von Jack Rudin, New York, USA.

Aber der Jerusalemer Zoo ist zugleich ein Ort der Begegnung in diesem von Trennlinien durchzogenen Land. Hier kommen sie alle zusammen, die verschiedenen Kulturen, Religionen und Bevölkerungsgruppen dieser heterogenen Gesellschaft. All jene, die wir auf unseren Stationen auf dem Golan, in dem drusischen Ort Madjar Shams, im Kibbuz Magan am See Genezareth, im ultra­orthodoxen Jerusalemer Viertel Mea Shearim oder direkt an der Green Line im arabischen Dorf Bartaá kennengelernt haben.

Und kennengelernt haben wir eben auch die Geschichte Israels und des Zionismus, den israelisch-palästinensischen Konflikt und was Israel bis heute zusammenhält. Das Thema Fundraising war der Schlüssel, um etwas über die Gesellschaft zu erfahren. Und der Schlüssel passte und öffnete die Türen für ein tieferes Verständnis der israelischen Politik und Zivilgesellschaft.

Text und Fotos: Daniel Kraft

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