Events im kleinen Rahmen: Spielerisch Geld einsammeln

Spenden sammeln und Anhänger mobilisieren

Darum geht‘s: Fundraising, Benefizveranstaltung, Spenden, wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Eine Veranstaltung organisieren und dabei Spenden sammeln – das kann auch, wer kein Fundraising-Profi ist. Für ein gelungenes Event sind kreative Ideen gefordert – und eine gesunde Portion Realismus. Doch Vorsicht: Die Grenze zum Geschäftsbetrieb ist schnell überschritten.

Einmal im Jahr ein großes Fundraising-Event organisieren, zu dem alle kommen und spenden, und die Vereinskasse ist wieder voll? So einfach funktioniert es leider nicht: „Eine Benefizveranstaltung ist ein gutes Mittel, um richtig viel Geld zu verbrennen“, warnt Fundraiserin Beate Haverkamp. Die Geschäftsführerin des Conversio Instituts weiß: Hinter einer Gala, einem Drachenboot-Rennen oder dem Oxfam-Trailwalker steht ein immenser Aufwand, den eigentlich nur große und erfahrene Non-Profit-Organisationen bewältigen. „Viele kleine Initiativen sagen: Sobald Leute kommen und etwas Geld hängen bleibt, hat sich das schon gelohnt“, berichtet auch Maik Meid, der mit seiner Firma Content Fundraising gemeinnützige Organisationen berät. Doch wenn der finanzielle und zeitliche Aufwand eingerechnet wird, fällt die Bilanz oftmals gemischt aus. Bei einer Kita, die einen Kinderflohmarkt organisiere, sei das vielleicht nicht so wichtig. Aber: „Wer im größeren Maßstab Spenden einsammeln möchte, sollte auch auf den Aufwand achten.“

Welches Event passt?

Meid hat auch ein Beispiel aus seiner Berufspraxis parat: Eine Laientheatergruppe hatte angeboten, die Einnahmen aus einem Auftritt einer freien Schule zu spenden. Einzige Bedingung: Die Schule hätte die Benefizveranstaltung organisieren müssen. „Wir haben dann kurz nachgerechnet und festgestellt, dass abzüglich Raummiete und Werbung kaum etwas übrig geblieben wäre.“ Schließlich musste die Schule das Angebot ablehnen. Am Anfang müssen daher ein paar grundlegende Überlegungen stehen: Welches Event passt zu uns? Wen können wir damit erreichen? „Der Auftritt eines Gospelchors in der Kirche ist einfach umzusetzen, weil die ihre eigene Fanbase schon mitbringen“, sagt Meid. Je weniger Arbeit ein Event macht, desto besser: „Manche Sachen funktionieren immer wieder: Die freiwillige Feuerwehr kocht einmal im Jahr Erbsensuppe, und das hat Tradition.“ Aber auch exotische Events wären oft leicht machbar, etwa ein Bürogolfturnier in den neuen Räumlichkeiten.

„Die Größe des Events muss zur Größe der Organisation passen“, bestätigt Haverkamp. So ist etwa für die Organisation von Konzerten auch entsprechende Erfahrung nötig. „Wenn der Verein nur 800 Leute im Verteiler hat, kann er damit keine Konzerthalle füllen.“ Bevor sich Ehrenamtliche in eine Fundraising-Veranstaltung stürzen, sollten sie sich daher fragen: „Haben wir die Zeit, das Know-how und das Geld, das richtig zu machen?“

Mit Events die Öffentlichkeit erreichen

Die Fundraiserin warnt davor, einfach ein Event zu kopieren: „Bloß weil etwas bei anderen funktioniert hat, lässt sich das nicht 1:1 übertragen.“ Stattdessen sollte sich eine Initiative fragen: Was können unsere Mitglieder und was lässt sich daraus machen? „In unserer Kirchengemeinde gab es eine Männer-Kochgruppe, die hat sich mit der Theatergruppe zusammengetan und einen Dinnerabend organisiert.“ Mit Erfolg: Das Fundraising-Event ist mittlerweile eine feste Institution im Gemeindeleben.

An ein bereits bestehendes Event anzudocken, ist oft sinnvoller, als etwas ganz Neues aus dem Boden zu stampfen. „Wenn ohnehin viele Menschen kommen, etwa zum jährlichen Sommerfest, lässt sich da auch noch ein Fundraising-Event dranhängen“, rät die Expertin. „Am Anfang können das einfache, kleine Sachen sein, die Spaß machen – etwa Dosenwerfen.“ Haverkamp und ihre Mitstreiter haben einmal auf einem Gemeindefest Rikschafahrten gegen eine Spende angeboten. Auch das funktionierte gut. Ein Event zu organisieren, kann sich also lohnen, wenn es richtig gemacht wird. „Auch wenn sie nie der ganz große Geldbringer sind, Veranstaltungen sind eine gute Möglichkeit, die Öffentlichkeit zu erreichen“, sagt Haverkamp. Auch der Presse bieten sie einen Anlass zu berichten. „Diesen Marketingeffekt muss man natürlich auch einkalkulieren.“ Und es gibt noch weitere Gründe für diese Form des Fundraisings: „Events sind hoch emotional, und sie dienen der Mobilisierung von Unterstützern“, erklärt Meid.

Kuchenbasar und Tombola: Was ist zu beachten?

Fundraising-Events stellen den Veranstalter noch vor eine weitere Herausforderung: „Bei jedem Event gibt es immer die Falle: wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb“, weiß Meid. Wird Eintritt verlangt oder geht der Spendenhut rum? Steuerlich macht das einen großen Unterschied. Sobald es eine Gegenleistung gibt, zählen die Einnahmen zum Geschäftsbetrieb. So lassen sich die Erlöse vom Kuchenbasar nur mit einem Trick als Spende verbuchen: „Sie können den Kuchen verschenken und dann um eine freiwillige Spende bitten.“

Bei einer Tombola kommen die Veranstalter dagegen nicht um den Geschäftsbetrieb herum: „Wenn Preise verlost werden, können die Spender, etwa lokale Unternehmen, ihre Sachspenden nicht einfach absetzen“, erklärt Meid. Eine Tombola ist außerdem immer genehmigungspflichtig, denn sie unterliegt den Glücksspielgesetzen der Bundesländer. Aber auch beim Geschäftsbetrieb haben gemeinnützige Vereine einen steuerlichen Spielraum. Haverkamp rät daher: „Immer vorher einen Steuerexperten fragen, der sich das Modell genau ansieht.“           

Weitere Tipps und Ideen rund ums Fundraising.

Text: Peter Neitzsch
Foto: AdobeStock/thomasknospe

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