„Klischees und Kulleraugen sollten ausgedient haben“

Ein Kommentar von Ute Nitzsche

Kinder mit großen trau­ri­gen Augen, die uns von Plakatwänden anblicken und um Mit­leid und den In­halt un­se­res Porte­mon­naies bitten, sind die Klassiker, wenn es um Spen­den­auf­rufe zugunsten benachtei­lig­ter Kinder geht. Ganz ehrlich: Wie sehr füh­len Sie sich davon noch in die Pflicht ge­nom­men? Eben!
Die Schweizer Stiftung Wunderlampe, die schwerkranken oder behinderten Kindern Wünsche erfüllt, geht jetzt einen anderen Weg. Statt sentimentalen Kitsches setzt die Stiftung auf Plakaten und in einem kurzen Werbefilm auf die Darstellung überspitzter Situationen. Das sieht dann so aus: Im TV-Spot erfüllt sich der kleine Tim seinen Traum vom Fliegen. Als das Flugzeug nach mehreren Loopings wieder gelandet ist, bilden die Kondensstreifen am Himmel zwar seinen Namen, aber Tim hat schwer mit einem Brechreiz zu kämpfen. Motto der Kampagne: „Vorsicht, was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.“ Der Spot und die Plakate sollen zeigen, dass die Stiftung stets versucht, tatsächlich alle Wünsche wahr werden zu lassen. Das ist sympathisch und aufmerksamkeitswirksam. Denn dass es einmal mehr um den guten Zweck geht, ist bei einer Kampagne kein Garant dafür, dass Spender ihre Herzen und erst recht ihre Brieftasche öffnen.
Gefragt sind stattdessen gute Ideen und vor allem echte Menschen. Klischees und Kulleraugen sollten langsam ausgedient haben. Sie nehmen weder die Menschen, die Hilfe benötigen, noch potenzielle Spender ernst.

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