Philippinen: Fundraising nach dem Sturm

Alexandra Eduque Habitat for Humanity Philippinen

Alexandra Amanda Madrigal Eduque engagiert sich seit 2005 bei Habitat for Humanity auf den Philippinen. Ende Oktober 2013 wurde sie von der Resource Alliance zum "Outstanding Volunteer" des Jahres 2013 gekürt. Kurz nach ihrer Heimkehr wurden die Philippinen vom Sturm heimgesucht. Eduques erster Gedanke: Die Freiwilligen der Organisation aktivieren und helfen! Im Interview erzählt sie vom Fundraising nach dem Sturm.

Wie haben Sie den Sturm wahrgenommen und was war Ihr erster Plan nach dem Ereignis?

Glücklicherweise wurde ich selbst von der ernsten Verwüstung des Taifun Haiyan verschont. Ich lebe in Manila, was in Luzon liegt, und der Taifun traf vor allem die östlichen Regionen Visayas, Leyte, Samar Ilo Ilo, Capiz und Nord Cebu. Neben leichtem Regen und Wind, die wir als Überreste erfahren haben, haben wir den Taifun also physisch kaum wahrgenommen. Das ist ein großer Segen. Trotzdem spürten wir seine Härte und das Unglück, das er über die Philippinen gebracht hat. Das Erste, was ich mir vorgenommen habe, war es Gruppen von Freiwilligen zum Spenden von Hilfsgütern zu bewegen, ob in Bar oder mit Sachleistungen, damit wir diese in die betroffenen Regionen senden könnten. Außerdem habe ich auch bei Habitat for Humanity auf den Philippinen dabei geholfen, Aufmerksamkeit und Mittel für die "Heim-Repair-Kits" zu generieren, die während der Nachwehen des Sturms verteilt wurden.

Warum ist es wichtig in einer Katastrophen-Situation auch ausländische Hilfe zu empfangen?

Angesichts der Tatsache, dass der Taifun Haiyan der stärkste Taifun war, der je das Festland erreichte, wäre es für die Philippinen unmöglich gewesen alle Zerstörung und den Wiederaufbau der ausgelöschten Gegenden alleine zu bewältigen. Wir hatten also sehr viel Glück ausländische Hilfe erhalten zu haben. Für mich ist das nicht nur eine Geste, um diplomatische Beziehungen zu stärken, sondern auch eine Geste des Mitgefühls und der Sympathie von anderen Nationen.

Sie arbeiten bei Habitat for Humanity auch mit sehr vielen Freiwilligen. Konnten Sie diese auch direkt nach dem Sturm reaktivieren?

Auf jeden Fall! Viele haben dabei geholfen Netzwerke zu schaffen und bestehende Beziehungen zu stärken, um Mittel für die Wiederaufbau-Projekte der Institution zu sammeln, während andere ihre Zeit und Mühen spendeten, um "Heim-Repair-Kits" zu verteilen.

Darüber hinaus waren Sie in den vergangenen Wochen auch an etlichen Fundraising-Aktionen beteiligt. Welche waren das?

Ich war natürlich an sehr vielen beteiligt und das ist auch etwas, dass ich jeden Tag tue. Was einzelne Events angeht: Das Youth Council von Habitat for Humanity auf den Philippinen kooperierte mit dem weltberühmten Designer Kenneth Cobonque, der eine limitierte Edition an Tee-Lichtern gestaltete, welche dann verkauft wurden, um Habitat for Humanity Philippines beim Wiederaufbau zerstörter Areale zu unterstützen. Ich bin außerdem auch ein Mitglied im "Manila Hub" der "World Economic Forum's Global Shapers Community" und gemeinsam konnten wir nicht nur Hilfsgüter sammeln, sondern auch Mittel generieren, um eine Schule in Malapascua, in Cebu, wieder aufzubauen.

Können Sie sagen wie viel Geld Sie insgesamt gesammelt haben?

Ich kann keine genauen Zahlen herausgeben aber ich würde gerne sagen, dass die Unterstützung enorm überwältigend war. Wenn es etwas Gutes gibt, das aus dieser Naturkatastrophe entstanden ist, ist es dass sie die besten Eigenschaften und die Großzügigkeit der Menschen zu Tage gebracht hat.

Welche Fundraising-Instrumente haben sich den direkt nach dem Ereignis als besonders erfolgreich herausgestellt und welche scheinen nun, nach einigen Wochen, empfehlenswert?

In den Nachwehen des Ereignisses war natürlich die Verteilung von Hilfsgütern am entscheidensten, "Heim-Repair-Kits" und "Aufräum-Kits". Trotzdem ist es jetzt, einige Wochen danach, an der Zeit, dass wir unsere Bemühungen umdrehen in Richtung eher langfristiger und nachhaltiger Lösungen, wie den Wiederaufbau von Behausungen.

Kurz-Vita

Alexandra Amanda Madrigal Eduque hat von 2009 bis 2013 an der Columbia University in den USA "Urban Studies & Political Science" studiert. Sie ist Gründerin und Vorsitzende von der Move.org Foundation. Außerdem ist Eduque seit 2005 bei Habitat for Humanity Philippines engagiert. Dort hat sie unter anderem die "Generation Movers" gegründet und das Youth Council ins Leben gerufen, dessen Vorsitzende sie auch heute noch ist. Darüber hinaus ist sie "Institutionelle Botschafterin" der Organisation und hat 2011 auch das “1K For 1Day Youth Build"-Projekt umgesetzt. Seit 2011 ist Eduque Mitglied im "Philippine Hub" der "World Economic Forum Global Shapers Community".

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