„Das Internet ist noch so jung und es gibt unglaublich viele Möglichkeiten“

Tim Wellmanns und Ben Spiekermann haben ihren Preis beim Deutschen Fundraising Kongress in Berlin von Kerstin Linnartz erhalten.

Als „beste Fundraising Innovation 2013“ haben die elefunds in Berlin den Deutschen Fundraising Preis gewonnen. Im Interview mit unserem Autor Paul Stadelhofer erklären Tim Wellmanns und Ben Spiekermann, zwei der Gründer der elefunds GmbH, was hinter ihrem Online-Spenden-Tool steckt, warum sie in diesem Jahr erfolgreich waren und wie es weiter gehen soll.

Online-Spenden-Tools gibt es schon seit einiger Zeit Was unterscheidet das elefunds Tool von anderen Angeboten und was ist das Innovative daran?

Wellmanns: Vielleicht ist das gerade ein passender Zeitpunkt, um elefunds neu zu erklären. Wir sind mit dem Thema Aufrundungs-Spende in den Fundraising-Markt eingestiegen. Nun bildet elefunds aber nicht nur das Thema Aufrundungs-Spende ab. Was wir geschaffen haben ist eine Infrastruktur, um jegliche Arten von Aufrundungs-Logiken in digitalen Bezahlprozessen abzubilden. Wir wollen nämlich eine Plattform zur Verfügung stellen, auf der junge Programmierer, Charities oder Unternehmen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, um das Thema Fundraising noch ein mal ganz neu zu begreifen. Das kann mit Check-In-Services funktionieren, das kann über Automaten der Bahn funktionieren, bei Online-Überweisungsträgern der Sparkassen und an vielen anderen Stellen. Nur das erste Produkt, mit dem wir an den Markt gegangen sind, war für Aufrundungsspenden im E-Commerce-Bereich gedacht. Wir schauen aber jetzt schon viel weiter über den Tellerrand hinaus.

Spiekermann: Eine Ergänzung: Das sagt schon unser Slogan „einfach einfach spenden“. Wir haben das Tool nämlich nicht nur für die Organisationen gebaut. Tim und ich waren lange im Fundraising tätig und wissen ganz gut, was der Spender eigentlich will. Wir haben das Tool für den Otto-Normal-Verbraucher entwickelt, der einfach nur mal einen Euro spenden will. Hilfsorganisationen haben natürlich Spendenformulare oder Fundraising-Kampagnen, wir wollten diese Struktur ein wenig ändern, damit der Spender sagen kann: „Okay, hier möchte ich und das ist total unkompliziert.“

Sie hatten sich auch im vergangenen Jahr um den Deutschen Fundraising Preis beworben, wurden aber damals noch nicht als beste Innovation gewählt. Was war diesmal anders?

Wellmanns: Wir konnten den Mitgliedern des Verbandes und der Jury auf unserer Webseite viel mehr Informationen zu Verfügung stellen. Damals hatten wir nur eine „One-Page“ zum scrollen, ohne viele Informationen darüber wie elefunds funktioniert. Wir haben uns auch die Präsentation vom vergangenen Jahr noch ein mal angesehen und mussten uns wirklich schmunzelnd zurücklehnen und den Kopf schütteln. Es hat sich viel getan und so haben wir vermutlich in der Außenwirkung mehr Spuren hinterlassen, als im Vorjahr.

Spiekermann: Wir konnten auch im Jahr 2012 erste Erfolge erzielen, was die Generierung von Spenden anbetrifft. Wir haben auch innerhalb des Verbands schon mehr Bekanntheit gewonnen. Das heißt die ein oder andere Organisation kannte uns schon und das machte es uns sicher ein bisschen einfacher.

Wie viele Spenden wurden schon über elefunds gesammelt? Gibt es auch zur Nutzung des Tools schon Daten?

Wellmanns: Die Shops fragen immer wieder, wie es mit den Warenkorbabbrüchen aussieht. Wir haben mittlerweile rund 80 000 Check-Outs mit unserem Modul begleitet und sehen keine Einbrüche. Es sieht also nicht so aus, als ob die Leute wegen des Tools eine Irritation verspüren und vielleicht deswegen ihren Kauf abbrechen.

Man muss dazu sagen, dass wir uns eher langsam entwickeln. Dass wir also nicht gleich an die ganz großen Shops ran gehen wollten. Dafür müssten wir nämlich auch viel mehr Wartungs-Angebote zur Verfügung stellen. Uns ist es wichtig, dass die Prozesse hier gesund wachsen. Derzeit haben wir rund 8000 Euro über diesen Aufrundungsmechanismus gesammelt und erwarten, dass die Kurve nach oben ausschlägt.

Auch haben Sie schon mit größeren NROs (Anm. d. Red.: Nicht-Regierungs-Organisationen) wie dem WWF, Reporter ohne Grenzen oder den SOS-Kinderdörfern als Partner. Wie kommt man an diese Partner, wenn man solch ein Tool entwickelt?

Spiekermann: Man kommt erstens mit einer langjährigen Fundraising-Erfahrung und mit einer intensiven Zusammenarbeit an diese Partner. Auch der Einfachheit halber gelingt uns das. Wir müssen nämlich nicht mit einem riesen Vertragswert beauftragt werden und bestimmte Ziele erreichen. Sie nehmen uns ins Portfolio auf und wir fangen dann an Spenden zu sammeln. Außerdem geben wir den E-Commerce Plattformen die Möglichkeit, die im Tool wählbaren NROs mit uns auszuwählen. Das einfach zu machen, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wellmanns: Es gibt auch NROs für die Innovation eine grundlegende Notwendigkeit ist. Gerade im Fundraising. Wir erfahren, dass sich die großen Charities da auch offen positionieren und nicht nur beim Offline-Fundraising stehen bleiben wollen. Sie zeigen eine große Bereitschaft neue Wege zu gehen, Neues auszuprobieren und Innovationen zu etablieren.

Bei unserem letzten Gespräch (Vgl. FRM Ausgabe 3/2012, S. 24) waren Sie gerade in Verhandelungen mit einigen Berliner Labels, um das Tool zum Einsatz zu bringen. Was wurde aus diesem Vorhaben im vergangenen Jahr?

Wellmanns: Wir sind schon bei über 30 Shops online und decken dabei eine große Bandbreite ab. Von Büromöbeln über Streetfashion bis hin zu Postkarten, Tiernahrung und Reitsport. Das sind sehr weit gefächerte Angebote. Desto länger wir aktiv sind und desto besser wir uns platzieren, desto spannendere Partner kommen auch auf uns zu, um unsere technische Peripherie zu nutzen. Das sind für uns natürlich auch äußerst spannende Kunden.

Vergangenes Mal haben Sie auch die komplette Arbeit an dem Tool aus eigener Tasche finanziert. Ist das immer noch so?

Wellmanns: Es verdient immer noch keiner von uns auch nur einen Cent an der Idee. Wir haben alle irgendeine Beschäftigung und müssen sehen wie wir einen Tag am Wochenende frei bekommen. Es ist uns aber wichtig, dass wir uns nicht fremdsteuern lassen von irgendwelchen Investoren auch wenn es dadurch ein langsamer Prozess ist.

Spiekermann: Mit den kleinen Rechnungen, die wir bislang aufgrund unseres Services schreiben können oder wollen, arbeiten wir aber zumindest fixkostendeckend, auch wenn keine Gehälter drin sind.

Wie soll also die nähere Zukunft aussehen?

Spiekermann: 2013 ist für uns das Rollout-Jahr. Wir wollen eine große Bandbreite an Shops und wir wollen zumindest ein oder zwei der extrem Großen begeistern. Dafür müssen wir natürlich beweisen können, dass Mehrwerte geschaffen werden. Gerade große Unternehmen achten sehr genau darauf. Deswegen arbeiten wir daran diese Zahlen zu akkumulieren, auszuwerten und bereit zu stellen. Das sieht im Moment sehr positiv aus und das Ziel für 2013 ist es eine „Marktdeckung“ hinzukriegen.

Wellmanns: Ich hätte noch den Wunsch, dass das Thema Innovation einen besonderen Wert bei Charities erhält. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die NROs sehen warum es nötig ist in neue Fundraising-Methoden zu investieren. Das Internet ist noch so jung und es gibt noch unglaublich viele Möglichkeiten. Wir wollen die ein oder andere Angst vor Veränderungen und Innovationen nehmen. Deswegen bauen wir weitere Produkte und kümmern uns nicht nur um das Thema Aufrundungs-Spende. Ein Produkt behandelt zum Beispiel das Social Media Fundraising und wir sind sehr gespannt, wie das am Markt platziert werden kann.

Foto: Paul Stadelhofer

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