betterplace labtogether: Digitale Philanthropie und Vernunft

Panel beim Labtogether 2016

Darum geht’s: Effektiver Altruismus, Maschinenethik, labtogether

Das betterplace labtogether ist die große Leitkonferenz zu digitalen Innovationen an der Schnittstelle zum Gemeinwohl. 2016 fand die Konferenz unter dem Thema „Effektiv Gutes tun – Wie Computer unsere Moral berechnen“ am 17. November in den Spreewerkstätten in Berlin statt.

Von Katja Jäger

In der Philanthropie geht es um das Gute. Aber ist das, was Gut scheint, auch immer wirksam? Diese Frage stellen sich Effektive Altruisten und fordern die Wirksamkeit sozialer Aktivitäten als Voraussetzung für eine Spendenentscheidung heraus. Für einen solchen Nachweis kann Künstliche Intelligenz helfen. Doch bleibt dahinter die Menschlichkeit im Gutsein zurück? Diese Frage wird kontrovers auf dem betterplace labtogether diskutiert.

Die Spendenentscheidung – Berechnung oder Bauchgefühl?

In einer Zeit, in der eine moralische Katastrophe die nächste jagt, ist eine Entscheidungshilfe zum richtigen Einsatz von Spendengeldern sinnvoll. Der Effektive Altruismus will eine solche Entscheidungshilfe geben. Die Forderung nach Wirksamkeitsnachweisen sozialer Aktivitäten soll mehr Rationalität in philanthropisches Handeln bringen. Künstliche Intelligenz (KI) kann diese mittels Daten und Algorithmen liefern. Doch lassen sich wirklich alle hilfreichen Maßnahmen quantifizieren? Wie viel Vertrauen schenkt man beim Einsatz von KI den Maschinen? Kontroverse Diskussionen sind bei diesem heiklen Thema vorprogrammiert.

Das betterplace labtogether 2016 bietet in den Spreewerkstätten Berlin 180 Teilnehmern aus Entwicklungsorganisationen, Stiftungen, CSR-Abteilungen von Unternehmen und Social Start-Ups eine Plattform, über solch ethische Fragen zu sinnieren. Denn die große Leitkonferenz zu digitalen Innovationen an der Schnittstelle zum Gemeinwohl diskutiert unter der Leitfrage „Wie sieht Gutsein in der Zukunft aus?“ den Effektiven Altruismus und Maschinenethik. „In der Themenkombination sehen wir großes Potenzial, weshalb wir sie zum ersten Mal gemeinsam diskutieren“, betont Gesa Lüdecke, Projektleiterin des betterplace labtogether.

Ausprobieren, analysieren, anpassen

Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes deutscher Stiftungen, verweist bereits in seiner Keynote auf die Notwendigkeit des gemeinnützigen Sektors, über die Wirksamkeit sozialer Aktivitäten neu nachzudenken. Der Effektive Altruismus – Philosophie und soziale Bewegung zugleich – könne dabei helfen. Gesellschaftlicher Wandel funktioniere wie die Start-Up-Logik auch: Ausprobieren, analysieren, anpassen.

Das Beste von Mensch und Maschine

Dass die Effektiven Altruisten eine ordentliche Diskursqualität mitbringen, zeigt das anschließende Panel. Hauke Hillebrandt, Forschungsdirektor bei Giving What We Can, bestärkt als Befürworter der Bewegung die Forderungen nach belastbaren Aussagen über die Wirksamkeit sozialer Aktivitäten. Um Effektivität zu steigern, seien Algorithmen und Daten durchaus hilfreich, so Daniel Kirsch, Gründer von Data Science for Social Good Berlin.

Harsche Kritik formuliert Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin: Sie vermisse den Faktor Emotionalität in der Bewegung, das Menschliche komme zu kurz. An der Stelle darf man sich fragen, ob der Effektive Altruismus mit diesen Defiziten auf breiter Ebene – und damit im Spendenmarkt allgemein – Anklang findet. Lorenz Matzat mäßigt nach dem Panel: „Software ist ein Werkzeug, das vom Menschen gemacht ist, sein Weltbild wie auch seine Sichtweisen sind darin enthalten.“ Algorithmen können deshalb niemals neutral sein. Der Effektive Altruismus versucht also, Daten in den Dienst des Guten zu stellen und somit das Beste von beiden Seiten – Mensch und Maschine – zu erhalten.

Teilnehmer spenden für The Life You Can Save

Am Nachmittag darf man sich für einen Workshop entscheiden: Vom sinnvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz für das Gute, der Nutzbarmachung von Smart Data für den sozialen Sektor bis zur richtigen Berufswahl entlang des Effektiven Altruismus werden einige Möglichkeiten aufgezeigt, wirksam Gutes zu tun. Die vor Ort effektivste ist wohl das Giving Game: Hier wird entscheiden, an wen 10 Euro pro Teilnehmer gespendet werden, das Geld dafür kommt von der Organisation The Life You Can Save. Der Großteil des Geldes wird während des Workshops an die Organisation „Raising for Effective Giving“ gespendet, um das Wachstum der Bewegung zu fördern. Das freut sicher auch überzeugte Effektive Altruisten.

Die Diskussion dreht sich um Ethik

Joana Breidenbach, Mitgründern von betterplace.org und Gründerin des betterplace lab, resümiert: „Im Vergleich zu den Vorjahren war die Konferenz dieses Jahr inhaltlich sehr fokussiert. Zudem war mit unseren Panellisten und Workshop-Leitern ein breites Spektrum zugegen, wodurch eine kontroverse Debatte zum Effektiven Altruismus stattfand. Die angeregte Diskussion um das Thema tat uns glaube ich allen gut.“ Ob am Ende Algorithmen über eine Spendenentscheidung maßregeln, dürfte unproblematisch sein, solange der Mensch noch den Einfluss darüber behält, was die Maschine da eigentlich berechnet. Dann ist und bleibt die Diskussion am Ende eine ethische, die nur vom Menschen entschieden werden kann.

Foto: Sera Cakal

Portrait von Katja Jäger

Katja Jäger arbeitet als Forscherin im betterplace lab. Studiert hat sie zuvor Nonprofit Management & Public Governance und Kommunikationswissenschaft. Das Thema Wirksamkeit sozialer Handlungen beschäftigt sie vor allem im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit.

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