Kunstguss Lauchhammer: Mitarbeiter-Euro und Glockenguss live

Seit Jahrhunderten wird in Lauchhammer Kunstguss betrieben, doch in den turbulenten Jahren kurz nach der Wende droht plötzlich alles unterzugehen. Die Rettung kam in Form einer Stiftung. Eine Erfolgsgeschichte, die vor allem durch gute Ideen und viel Herzblut geschrieben wird.

Von Ute Nitzsche

„Wir wussten damals nicht recht, was da eigentlich auf uns zukommt.“ Wenn Gerhard Nies an die Gründungsjahre der Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer zurückdenkt, erinnert er sich an eher unruhige Zeiten. Anfang der 90er Jahre wurde ein Kunstgussmuseum eingerichtet, 1993 tat sich der „Freundeskreis Kunstguss“ e. V. zusammen, kurz darauf reifte bei der Geschäftsführung der TAKRAF Lauchhammer GmbH, einem Unternehmen für Maschinen und Anlagen jeglicher Art, und deren Partnern die Idee, eine Stiftung als Trägerin des Museums ins Leben zu rufen – als eine der ersten Stiftungen Brandenburgs. 500 000 D-Mark und eine Immobilie, in der das Museum untergebracht war, bildeten damals das Stiftungskapital. „Kurz nach der Wende durfte nicht alles den Bach runtergehen. Mit der Stiftung wurde ein Fundament zur Wahrung der Kunstgusstradition in Lauchhammer geschaffen“, sagt Nies, der in den 90er Jahren Geschäftsführer der TAKRAF war und jetzt im Ruhestand ist. Seine Aufgaben als Beiratsvorsitzender der Stiftung und Erster Vorsitzender im Freundeskreis nimmt er mittlerweile zum großen Teil von Berlin aus wahr.

Auf Partnersuche in der Region

Wenn er „alles“ sagt, dann meint Gerhard Nies damit fast 300 Jahre handwerkliche Tradition. 1725 wurde der erste Hochofen im „Hammerwerk an den Lauchteichen“ in Betrieb genommen. Man spezialisierte sich auf größere Stücke wie Statuen, Büsten und Gebrauchsguss. Damit ist Lauchhammer die erste Produktionsstätte gusseiserner Großplastik und Wiege des Eisenkunstgusses. Später verlagerte sich der Schwerpunkt in Richtung Kunst; es kamen unter anderem Antikenkopien und im 19. Jahrhundert der Bauguss hinzu; Brücken, Geländer, Portale und 320 Wasserpumpen für Berlins Straßen entstanden. Zu DDR-Zeiten schließlich wurde aus dem Unternehmen eine Abteilung des VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk, 1990 folgte die Privatisierung.

Das Kunstgussmuseum, dessen Sammlung unter Denkmalschutz steht, entstand mithilfe von ABM-Kräften parallel zur Stiftung und entwickelte sich schnell zu einem Highlight für die brandenburgische Kleinstadt. Obwohl anfangs wenig Unterstützung aus der Bevölkerung kam: „Die Leute hatten lange Zeit andere Sorgen und einfach kein Ohr dafür“, erinnert er sich. Bald kam der Vorschlag auf, Unternehmen mit einzubeziehen. Interessierte Firmen sollten pro Mitarbeiter und Monat einen Euro an das Museum spenden. Mit diesem Einfall ging der Freundeskreis auf Partnersuche, sprach ausgesuchte Unternehmen in der Region an, lud sie ins Museum ein. Mit Erfolg – bis heute gehören ein Hersteller für Windkraftanlagen mit über 500 Mitarbeitern und eine Berliner Behörde, die 25 Mitarbeiter zählt, zu den Unterstützern. Für die Stiftung sind sie nicht bloß Geldgeber. „Ein bis zweimal im Jahr treffen wir uns zu einem Gespräch. Zudem sind Unternehmensvertreter häufig bei Beratungen dabei und informieren sich über Neuigkeiten aus der Stiftung und dem Museum“, sagt Gerhard Nies.

Sonderschmelze für Wirtschaftsunternehmen

An fruchtbaren Ideen, um Mittel zu beschaffen, mangelt es nicht. Als 2008 ein neues Gebäude bezogen wurde, traten finanzielle Engpässe auf, das Stiftungskapital wurde angetastet, Lösungen mussten her. „Wir entschlossen uns, aktiver auf die Wirtschaft zuzugehen und der Industrie etwas zu bieten“, so Nies. Es wurde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Unterstützung kam auch vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium, und im September 2014 hieß es zum ersten Mal „Wirtschaft trifft Kultur“. Das Konzept ging auf, sodass 2015 die zweite Auflage der Veranstaltung stattfand. „Von 32 Personen folgten über 80 Prozent unserer Einladung“, freut sich Gerhard Nies. Die Gäste sahen unter anderem einen historischen Film über die Kunstgießerei, erfuhren bei einer Führung mit dem Gießereileiter Wissenswertes rund um dieses Handwerk und waren Zeugen einer Sonderschmelze. Im Endeffekt gewann der Freundeskreis mit der Aktion nicht nur neue Mitglieder, sondern freute sich auch über weitere Sachspenden und Finanzspritzen. Die Vorbereitungen für die dritte Auflage im Sommer 2016 laufen bereits. Geplant ist ein Gießereifest, das überregional präsentiert wird und bei dem die Gäste auch live bei einem Glockenguss dabei sein können. Ein solcher findet übrigens etwa einmal pro Monat statt und trägt ebenfalls zur Finanzierung bei, denn der höhere Eintrittspreis für das Kombipaket aus Besichtigung des Museums und eines Glockengusses steigert die Einnahmen. Auch ein Teil der Verkaufserlöse aus dem Museumsshop fließen mit ein.

Zudem können Kunden Großplastiken erwerben, die schon mal über 5000 Euro kosten können. Beliebt sind auch Tierplastiken in limitierter Auflage. Wer besondere Wünsche hat, kann diese ebenfalls gern äußern. „Man muss sich immer wieder informieren und neue Gedanken entwickeln“, ist sich Nies sicher, denn gerade in Ostdeutschland sei es sehr schwierig, Mäzene zu finden und Zustiftungen zu erhalten. Und so werden hoffentlich auch in Zukunft die Ideen nicht ausgehen, um die Lauchhammer Kunstguss-Tradition am Leben zu halten.

www.kunstgussmuseum-lauchhammer.de

Foto: Tatjana Marintschuk

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