RestCent-Aktionen: Sie können auch schiefgehen

Auch Mitarbeiter wollen freiwillig spenden
Auch Mitarbeiter wollen freiwillig spenden

Darum geht‘s: Fundraising, Spender, RestCent-Aktion, Unternehmen

Immer öfter liest man von RestCent-Aktionen, bei denen Mitarbeiter von Unternehmen oder Kommunen den Betrag hinter dem Komma ihrer Lohnabrechnung spenden. Für viele Unternehmen ist es ein fester Bestandteil ihrer CSR-Strategie. Doch das kann auch richtig nach hinten losgehen, wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihnen die Spende auf’s Auge gedrückt wird.

Für die Angestellten der Gemeinde Gummersbach ist das Thema RestCent nicht neu. Seit 1979 unterstützt die Aktionsgruppe Gummersbach die Arbeit der Welthungerhilfe. Klaus Bech, langjähriger Personalamtsleiter im Gummersbacher Rathaus, hatte mit dem damaligen Bürgermeister Hubert Sülzer und anderen Mitarbeitern der Stadtverwaltung diese Gruppe ins Leben gerufen. Die Idee: Einfach den Rest hinter dem Komma der Lohnabrechnung abziehen und das Geld Projekten der Welthungerhilfe spenden. Heute ist diese Form der Mitarbeiterbeteiligung am guten Zweck auch bei Unternehmen nicht mehr wegzudenken.

Regionale Organisationen fördern

Das Pharmaunternehmen Merck begann 1989 mit dieser Aktion und warb unter seinen Mitarbeitern um Unterstützung. Inzwischen sind aus den Pfennigen Cent geworden – der gute Gedanke ist bis heute geblieben: In 28 Jahren wurden 1,12 Millionen Euro an 254 Organisationen und Vereine in der Region vergeben. „Wir übernehmen seit jeher Verantwortung in unserem Umfeld. Daran orientiert sich auch die Merck-Rest-Cent-Initiative. Es ist uns wichtig, dass das Geld in der Region bleibt, sodass wir alle, die hier leben, davon profitieren können“, sagt Dirk Sulzmann, Leiter Standortkommunikation und Umfeldbeziehungen bei Merck.

Aber auch kleinere Unternehmen beteiligen sich und fördern regionale Initiativen. Denn das Projekt ist relativ einfach in die Lohnbuchhaltung zu integrieren. SAP hat beispielsweise für seine Abrechnungssoftware, die in vielen Unternehmen läuft, ein entsprechendes „Spendentool“ entwickelt.

Bosch blamiert sich

Doch wenn man zu viel will, kann das böse enden. Diese Erfahrung machte Bosch. Das Unternehmen führte diese Aktion einfach ein und bot seinen Mitarbeitern nur die Option, die Spende abzuwählen. Dieser Zwang führte zu Kommentaren in sozialen Medien und Eingaben beim Betriebsrat. Das wiederum sorgte dann für eine ungewollte Aufmerksamkeit bei der Presse, welche die Mitarbeiter als Nörgler und das Unternehmen als wenig sozial darstellte. Ausgerechnet Bosch, ein Unternehmen, das so viel Wert auf Fairness und Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern legt. Ein Eigentor erster Güte. Dabei ist doch mit einer Spende immer Freiwilligkeit verbunden. Auch VW hat mittlerweile auf Freiwilligkeit umgestellt, worauf die Spendeneinnahmen zurückgingen. Doch wie man am Beispiel Bosch sieht, ist ein Zwang eher kontraproduktiv.

Werbung und Transparenz nötig

Wie bei allen Spendenaktionen gilt es, immer wieder für das Thema zu werben, obwohl es nur um maximal 11,88 Euro pro Jahr geht. Eine Spendenverdopplung durch das Unternehmen kann da hilfreich sein. Eine Beteiligung der Mitarbeiter, etwa durch die Entscheidungshoheit, in welche Projekte die RestCents gehen, ist auch deutlich motivierender. Es gibt sogar Mitarbeiter, die dann mehr spenden.

Children for a better World e. V. erhielt von seinem Unternehmenspartner sogar Listen mit Name, Betrag und Adresse der Spender und konnte so individuelle Spendenbescheinigungen ausstellen, berichtet Anna-Kirstin Whaley, Leitung Spenden und Kooperationen. Eigentlich korrekt, denn es ist ja keine Unternehmensspende, sondern bleibt eine individuelle Entscheidung. 

Text: Matthias Daberstiel
Foto: Adobe Stock/Syda Productions

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