(Nicht) Trumps Amerika: Non-Profit-Arbeit in den USA

Hamtramck in Michigan ist die erste US-Stadt mit muslimischer Mehrheit.
Hamtramck in Michigan ist die erste US-Stadt mit muslimischer Mehrheit.

Darum geht's: USA, Zivilgesellschaft, NGOs, Donald Trump

Selten hat ein US-Präsident die Welt so gespalten wie Donald Trump. Aber auch sein eigenes Land ist zerrissen: Vor allem in der Zivilgesellschaft wächst der Widerstand. Ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl blickt das Fundraiser Magazin deshalb über den Atlantik– mit einem Themenschwerpunkt über Non-Profit-Arbeit in Amerika.

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat Amerika gespalten: Im Wahlkampf nannte er Einwanderer aus Mexiko Vergewaltiger, und Muslime Terroristen. Seine ersten Amtshandlungen? Ein Einreisebann, der vor allem Muslime trifft. Der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Und ein Aufnahmeverbot von Transsexuellen in die Armee. Wie geht es den Betroffenen damit? Was denken die Amerikaner ein Jahr nach der Wahl über ihren Präsidenten? Und wie steht die US-Zivilgesellschaft zu Trump?
    
Der Schwerpunkt des aktuellen Fundraiser Magazins widmet sich der Non-Profit-Arbeit in den USA – und zeichnet ein ganz anderes Bild von Trumps Amerika. Da sind zum Beispiel die Aktivisten in Miami, die illegalen Einwanderern helfen: Von dem Credo des US-Präsidenten – wer keine Papiere hat, soll abgeschoben werden – halten sie bei der "Florida Immigrant Coalition" (FLIC) wenig. Denn tatsächlich zahlen Illegale Steuern und arbeiten oder studieren – Seite an Seite mit amerikanischen Kollegen oder Kommilitonen.

"Unter Trump hat sich vieles verschlechtert", erklärt die FLIC-Sprecherin Melissa Taveras. "Menschen ohne Papiere haben nun Angst ihrer Arbeit nachzugehen und ihre Geschäfte zu öffnen." Das sei letztlich schlecht für alle, schließlich hingen an den Betrieben auch die Jobs von Amerikanern. Die Aktivisten klären deshalb die Betroffenen über ihre Rechte auf, verhelfen jungen Leuten ohne Papiere zum College-Zugang und unterstützen Eingebürgerte dabei, sich als Wähler zu registrieren.

Wiederaufbau in Detroits Trümmerzone

In Amerikas "Rostgürtel" haben besonders viele Menschen Trump gewählt. Hier, im ehemals prosperierenden industriellen Norden, verloren viele erst ihre Jobs und dann ihre Häuser. Schuld ist die Wirtschafts- und Finanzkrise vor bald zehn Jahren. Die Folgen dieser Katastrophe sind in Detroits Stadtteil Osborn noch immer zu besichtigen: Verlassene Häuser säumen ganze Straßenzüge. Nun kümmern sich Anwohner um den Wiederaufbau ihres Viertels. Weil von Detroits Stadtverwaltung kaum Hilfe kommt, hat es sich die "Osborn Neighborhood Alliance" zur Aufgabe gemacht, den Verfall zu stoppen.

Nicht weit von Osborn entfernt, sorgt die Gemeinde Hamtramck für Schlagzeilen. Sie ist der erste Ort in den USA mit muslimischer Mehrheit – in der Bevölkerung und im Stadtrat. Khalid Iqbal von der Non-Profit-Organisation "Muslim Family Service" kümmert sich um die Probleme der Menschen vor Ort. Im Interview spricht er über Armut, Integration und Fremdenhass. "Amerikaner sind sehr großherzige Menschen, die gerne spenden und uns zum Beispiel alte Möbel überlassen", berichtet er. Aber auch Hassverbrechen habe es gegeben, so sei kürzlich eine Moschee in Michigan ausgebrannt. Vermutlich Brandstiftung.

Stiftungen fördern Energiewende von unten

#WeAreStillIn – wir sind noch dabei. Das ist derzeit das Motto amerikanischer Klimaschützer. Auch wenn die Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt, verpflichten sich US-Bürger, Firmen, Städte und sogar ganze Bundesstaaten zu CO2-Einsparungen. Sie wollen die Klimaziele weiter erreichen. Trotz Trump. Das vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohte Miami Beach hat die Erklärung ebenso unterzeichnet, wie die US-Hauptstadt Washington. Auch Facebook, Google und Yahoo haben sich verpflichtet.

Vorangetrieben wird die Energiewende in den USA aber auch von etlichen Stiftungen und Non-Profit-Organisationen. In Washington D.C. vernetzt das "Community Power Network" Hausbesitzer, die in Eigenregie Solaranlagen installieren. Dass Präsident Trump wenig von erneuerbaren Energien hält, ficht die Aktivisten nicht an. Viele Gesetze wurden bereits vor seiner Amtszeit erlassen – etwa ein Steuerrabatt für den Kauf einer Solaranlage. Dass sich daran etwas ändert, glaubt Ben Delman nicht: "Unser Präsident ist zwar kein Freund grüner Energie, aber er liebt Steuersenkungen!"

Wahl Trumps brachte vieles an die Oberfläche

Ruby Jade Corado kam als junger Mann in die USA. Dort ließ sie ihr Geschlecht umwandeln und musste ohne Wohnsitz überleben. Eine Zeit lang verdiente sie ihr Geld als Prostituierte und infizierte sich mit HIV. Heute kämpft die Aktivistin für die Rechte sexueller Minderheiten. Mit der "Casa Ruby", einem Obdachlosenasyl speziell für Schwule, Lesben und Transgender, holt sie Menschen von der Straße und gibt ihnen Hoffnung. Aus der Notunterkunft wurde mittlerweile eine spendenfinanzierte Organisation. "Wo sonst in der Welt wäre so eine Geschichte möglich, wenn nicht in den USA?", fragt sie.

Auch der obdachlose Grafiker Andrew Killinger profitiert von der Casa Ruby, hier hat er eine Ausbildung zum Kunsttherapeuten gemacht. Über die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten sagt er: "Ich finde es wunderbar, dass Trump gewählt wurde." Dadurch seien Dinge an die Oberfläche gekommen, die sonst versteckt geblieben wären. "Plötzlich stehen die Menschen auf und reden über Neonazis und Homophobie." Das habe es so vorher nicht gegeben. Und das sei immerhin ein Anfang. Auch das ist eine spannende Sichtweise.

Den ganzen Schwerpunkt lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Fundraiser Magazins. Hier können Sie das Heft bestellen.

Text und Fotos: Peter Neitzsch

Ruby Corado gründete ein Obdachlosenasyl speziell für Schwule, Lesben und Transgender.
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