„Fünf Sterne! Wirkungs­transparenz braucht keine Olympiade.“

Ein Kommentar von Matthias Daberstiel

Vor Weihnachten erschien der „Große Spenden-Check“ von Spiegel Online. Hinter der knalligen Überschrift versteckte sich ein Test des Beratungs- und Analysehauses Phineo zur Wirkungstransparenz von NGOs. Es stellte sich heraus, dass 49 der 50 getesteten Organisationen und damit 98 Prozent drei Sterne, also die Note „gut“, erhielten. Alles paletti.
Doch in der Pressemitteilung analysierte Phineo: „54 Prozent der Organisationen informieren insgesamt sehr gut oder herausragend über ihre Arbeit.“ „Wo waren da meine 98 Prozent geblieben, fragte ich mich. Phineo antwortete über Twitter: „Wer mit Spendengeldern hantiert, sollte maximale Transparenz gewährleisten, schon aus Eigennutz“, wurde meine Interpretation da pulverisiert. Nach Phineo ist also gut nicht gut genug. Aber „akzeptabel“ war doch sogar der Einzige im Test mit nur zwei Sternen?
Die Krux mit einem Ranking ist immer, dass es versucht, komplexe Sachverhalte zu verkürzen. Das liebt der Leser. Ein Blick und schon ist klar: Wer keine fünf Sterne hat, bekommt keine Spenden. Ups, nein, so will man das natürlich nicht interpretiert wissen! Selbst Spiegel Online attestierte den letzten Plätzen deshalb sogar „nicht pauschal wirkungslos“ zu sein. Wie nett. Doch der Effekt beim Leser ist ein anderer. Die Spenderin und der Spender sehen das Ergebnis olympisch und nur der Sieger zählt. Da helfen meine 98 Prozent auch nicht. Schade eigentlich – bei so einem guten Ergebnis.

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