Warum die NGOs Warschau verließen

Voorhaar vom Climate Action Network bei der Klima Konferenz in Warschau

In diesem Jahr haben erstmals Organisationen aus aller Welt die UN Klimakonferenz verlassen, um gegen den Verlauf der Verhandlungen zu protestieren. Ria Voorhaar vom Climate Action Network (CAN) unterstützte die NGOs vor und während der 19. UN Klimakonferenz in Warschau. Im Interview mit unserem Autor Paul Stadelhofer erklärt sie, wie CAN die Aktionen während dem Klimagipfel vorbereitet hat und warum die NGOs Warschau verließen.

Wie haben Sie im Climate Action Network die diesjährige Klimakonferenz in Warschau vorbereitet und wie haben Sie die Aktionen Ihrer Mitglieder strukturiert?

CAN ist ein Netzwerk auf 850 NGOs aus der ganzen Welt, die gemeinsam am Thema Klimawandel arbeiten. Wir haben uns in Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich auf spezifische Bereiche wie Finanzen oder Kommunikation konzentrieren. Jede dieser Gruppen hat überlegt was die richtige Strategie für die Konferenz wäre und das wurde von der Arbeitsgruppe für politische Kommunikation und strategische Koordination in einer Gesamtstrategie zusammengeführt. Ich arbeitete dabei auf der Kommunikations-Seite.

Ich denke wir haben als CAN einen Vorteil. Der Grund dafür, dass unsere Mitglieder zusammenarbeiten ist, dass wir sie dazu befähigen alle Bereiche abzudecken, die in diesen Verhandlungen debatiert werden. Wir schließen uns zusammen, um mehr zu sein als die Summe unserer Teile. Wir hatten an dem Tag bevor die Konferenz begann auch ein Strategietreffen. Dabei wurde viel Wissen ausgetauscht und es wurden auch Ziele festgelegt. Danach hatten wir täglich Treffen, jeweils am Morgen und am Nachmittag, in denen wir das Wissen unserer Mitglieder teilten und koordinierten.

Bei der COP 15files/aktuelles/aktuelle_nachrichten/2013/12_Dezember/CAN Aktion 1.jpg Konferenz vor 4 Jahren waren Sie auch beim Aufbau der Plattform tcktcktck.org beteiligt. Gab es vor der diesjährigen Konferenz eine vergleichbare Kampagne?

Es gibt viele Aktivitäten unserer Mitglieder, die ein Handeln für das Klima fordern und es gibt auch viele Gedanken auf regionaler und nationaler Ebene. Zum Beispiel war da die „Seize your Power“-Kampagne des WWF und es gab die Arbeit von Greenpeace, um die Arktis zu schützen. Seit der Kampagne in Kopenhagen haben wir keine große Kampagne für die Öffentlichkeit unter einem „Brand“ gehabt und ich weiß auch nicht ob es eine solche wieder geben wird.

Es wird immer stärker anerkannt, dass unsere Arbeit innenpolitisch Sinn machen muss und dass wir die Politik auf innenpolitischer Ebene befördern müssen. Es gibt auch Beispiele dafür, dass das sehr gut klappt. Seien es Investment-Kampagnen in den USA oder auch Kampagne gegen einzelne Kohleminen in Australien. Es geht darum auszuarbeiten was auf heimischer Ebene Sinn macht. Unsere Rolle, als ein internationale Netzwerk, ist es diese Ansätze zu vereinen und zu zeigen dass es eine große Gruppe an Menschen auf der ganzen Welt gibt, die gegen Kohle, Fossile Brennstoffe und den Klimawandel kämpfen.

files/aktuelles/aktuelle_nachrichten/2013/12_Dezember/CAN Aktion 2.jpgHalten Sie diese Aktionen auch angesichts der Resultate der diesjährigen Konferenz für erfolgreich?

Ich glaube wir haben in verschiedenen inländischen Kampagnen große Fortschritte gesehen, besonders in Sachen Enthüllung. Es gibt auch ein wachsendes Bewusstsein für das Thema. Die Chefsekretärin, Christiana Figueres, hat sogar zu einem Gipfeltreffen der Kohleindustrie während der Konferenz gesagt, dass die meisten bekannten Kohle-Reserven im Boden bleiben müssen, wenn wir ein sicheres Klima haben wollen. Sie bündelte die Kräfte, von Price Waterhous Coopers, über die „Organisation for Economic Co-operation and Development“, bis hin zur internationalen Energie Agentur, um zu fordern, dass die Kohle im Boden bleibt. Es gibt also tatsächlich ein wachsendes Bewusstsein auf Seiten der Wirtschaft und der Investoren, dass wir hier ein Problem haben. Es gibt da draußen auch Unternehmen mit Anlageplänen, die schon auf verschiedenen Vorhaben sitzen. Wir können deren Pläne aber nicht realisieren, wenn wir ein sicheres Klima haben wollen.

Auf diese Angelegenheiten konzentriert sich die Enthüllungs-Gemeinschaft und sie war sehr erfolgreich dabei Universitäten sowie ähnliche Institutionen dazu zu bewegen, dass sie sich dazu bekennen, nicht mehr in fossile Brennstoffe zu investieren.

Auch die Regierung aus Großbritannien verlautbarte während der Konferenz, dass sie nicht länger in Energie aus Kohle investiert. Das ist ein Teil von deren inernationalem Hilfs- und Investitionsprogramm und das funktionierte außerordentlich gut.

Ich denke also auch dass die Arbeit von CAN sehr erfolgreich darin war, die Organisationen während der Konferenz zu koordinieren. Wir helfen auch beim „Capacity Building“ und wir helfen den Leuten, die bisher nicht in involviert waren, dabie Fahrt aufzunehmen. Ich bin sogar richtig beeindruckt von der Arbeit, die wir geleistet haben und davon wie uns in diesem Jahr die Koordinierung gelungen ist.

files/aktuelles/aktuelle_nachrichten/2013/12_Dezember/Walkout der NGOs in Warschau.jpgWarum haben sich dann einige Organisationen entschieden die Konferenz aus Protest zu verlassen?

Es gab in diesem Jahr eine große zivilgesellschaftliche Diskussion während des UN Klimagipfels. Manche Gruppen dachten, dass das Verlassen der Konferenz die richtige Entscheidung war und wir unterstützen sie dabei auch. Der langsame Fortschritt in den Verhandlungen und Japans Rücknahme seiner Klima-Versprechen verärgerten viele. Die Frustrationen in der Zivilgesellschaft erreichten einen noch nie gesehenen Höhepunkt. Deswegen haben sich auch einige NGOs dazu entschieden die Klima-Konferenz zu verlassen. Damit haben sie ihren Ärger und Frust zum Ausdruck gebracht. Viele Mitglieder von CAN entschieden sich aber dazu den „Walkout“ nicht mit zu machen, weil sie das Gefühl hatten, dass sie immer noch etwas auf der Konferenz erreichen könnten.

Ich denke auch dass unsere Mühen, um die Diskussion über „Verluste und Schäden“ in die Öffentlichkeit zu bringen, ein Erfolg war und es war auch sinnvoll einen straffen Zeitplan bis 2015 zu fordern. Wir brauchen sicher beide Seiten des Engagements: Menschen die die Konferenz aus Protest verlassen, Menschen die weiter mitarbeiten und Menschen, die in den Hauptsädten der Welt auf die Straße gehen und ein Handeln für das Klima fordern.

Um noch ein mal auf den „Walkout“ zurück zu kommen: Warum haben die Organisationen gerade in diesem Jahr kollektiv die Konferenz verlassen?

Es werden immer eine Reihe an Taktiken diskutiert. CAN hat auch eine Kommunikationsgruppe, in der unsere Mitglieder auf lange Zeit hin ihre Nachrichten und Taktiken diskutieren. Als es dann zum „Walkout“ kam, war ich in engem Kontakt mit den Kommunikationsbeauftragten jener Gruppen, die ein Verlassen der Konferenz erwägten. Wir stellten dabei nur sicher, dass die Kommunikationskanäle offen sind und dass alle CAN-Mitglieder auf die gewünschte Art und Weise beteiligt sind. Danach stellten wir auch sicher, dass es eine Kommunikation gibt zwischen den Teilnehmern innerhalb und außerhalb Konferenz.

In der Nacht am Donnerstag sangen beispielsweise alle die geblieben sind in die Plenartagung. Das war ein kraftvoller Weg, um die Regierungsvertreter wissen zu lassen, dass wir immer noch da sind und sie beobachten. 

Denken Sie denn, dass Sie mit anderen Aktionen mehr erreicht hätten?

Es gibt immer Raum für Verbesserungen. Wir hatten zwar einige gute Momente aber es bleibt immer noch Raum. 

Wie werden Sie die Kampagnen im Vorfeld der Konferenz im nächsten Jahr vorbereiten? Bedeutet der „Walkout“, dass die NGOs dann nicht mehr teilnehmen?

Nein. Ich denke die Nachricht des „Walkouts“ war, dass diese Gruppen 2014 zurück sein werden. Die Mitglieder von CAN müssen nun auf die Ergebnisse der Konferenz schauen und darüber nachdenken, wie der gesamte Prozess voran gebracht werden kann. Darauf werden wir uns nun konzentrieren. 2014 wird das Thema Klimawandel auch wirklich wieder auf die Spitze der Agenda gesetzt, da das Ban Ki Moon Summit abgehalten wird und weil erwartet wird, dass die einzelnen Länder ihre Versprechen bis 2015 einlösen. Jede Organisation ist eingeladen sich CAN anzuschließen und jeder weitere kann deren Kampagnen unterstützen.

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