Joana Breidenbach horcht auch nach innen

Dr. Joana Breidenbach, Fundraiser-Magazin 1/2015

Dr. Joana Breidenbach

Dr. Joana Breidenbach ist bekannt als die Gründerin der Internetplattform betterplace.org. 1965 wurde sie in eine reiselustige Hamburger Familie gebo­ren und so kannte sie bald nicht nur Stierkämpfe in Sevilla und die Berge von Arosa, sondern auch sämtliche Tilmann-Rie­men­schneider-Altäre entlang der Romantischen Straße. So war es we­nig verwunderlich, dass es ihr am Hamburger Wilhelm-Gym­na­sium schnell zu langweilig wurde und sie ins Kelly College im eng­lischen Dartmoor wechselte, Doc Martens anzog, ihre Haare schwarz färbte und das dortige Abitur machte.

Nach einem Jahr Feinschliff in Genf studierte sie in München Völkerkunde, Kunstgeschichte und osteuropäische Geschichte und bearbeitete für ihre Magisterarbeit eine Sammlung ostafrikanischer Amulette im Budapester Völkerkundemuseum. An der University of California in der „People’s Republic of Berkeley“ entdeckte sie unter den Fittichen von Laura Nader, dass Anthropologie weit mehr bietet als Verwandtschaftsbeziehungen auf Tonga und Rituale sibirischer Schamanen. Indem sie höchst konkrete, und oft scheinbar banale, Praktiken und Alltagsobjekte mit größeren sozio-politischen und philosophischen Fragestellungen verband, bot Kul­tur­anthropologie ein faszinierendes Werkzeug zum Verständnis ak­tueller Entwicklungen weltweit. Ihre Dissertation über deutsche Kul­tur­muster führte sie in der Folgezeit ans University College London, wo Daniel Millers Seminare über modernen Mas­sen­konsum auf Trinidad ihr eine ganz neue Betrachtung der Glo­ba­li­sierung eröffneten.

Anfang der 1990er, in einer Welt, in der Menschen von Bratislava bis Bangkok Big Mac aßen, auf raubkopierten Windows-Versionen ar­bei­teten und MTV sahen, erschien kulturelle Vielfalt akut bedroht. So untersuchte Breidenbach die folgenden zehn Jahre den „Tanz der Kulturen“ und veröffentlichte in verschiedensten For­men. Unter anderem beschäftigte sie sich auch in Sydney mit Inter­kul­tu­ra­li­tät in der internationalen Politik. 2006 gründete sie dann mit ihrem Mann eine Internet-Plattform für soziale Initia­tiven, die mittlerweile zu einer der größten Plattformen im deutsch­sprachigen Raum wurde: www.betterplace.org.

  1. Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Ein guter Tag beginnt …
    … im Arm meines Mannes.
  2. Was wollten Sie als Kind werden?
    erst Rechtsanwältin, dann Punksängerin
  3. Was würden Sie als Unwort des Jahres vorschlagen?
    Internet-Neuland
  4. Welches politische Projekt würden Sie gern beschleunigen?
    Leistungsbezogene Beauftragung von gemeinnützigen Organisationen
  5. Sie machen eine Zeitreise in das Jahr 1990. Was würden Sie dort tun?
    eine Reise durch Osteuropa antreten
  6. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
    Edward Snowden für seine Zivilcourage
  7. Sie treffen den reichsten Menschen der Welt im Aufzug. Was sagen Sie ihm?
    Ich habe da ein paar tolle Projekte, die wir gemeinsam umsetzen sollten.
  8. Wer ist für Sie ein Held?
    Menschen, die gegen den Strom schwimmen und dabei ihre Freiheit riskieren
  9. Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz?
    Torres del Paine, Patagonien
  10. Was tun Sie, wenn Sie nichts zu tun haben?
    nach innen horchen
  11. Worüber können Sie lachen?
    über den Wortwitz meiner Kinder
  12. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
    die aus Schnelligkeit resultieren
  13. Was war früher besser?
    Das Internet war weniger von Monopolisten beherrscht.
  14. Was sollte über Sie im Lexikon stehen?
    Leben und Arbeiten sind aus einem Guss und folgen der Intuition.
  15. Zum Abschluss vervollständigen Sie bitte diese Aussage: Eine Spende ist für mich …
    … der Versuch, die Welt für mehr Menschen lebenswerter zu machen.

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