Fragebogen: Ursula Becker-Peloso will viel bewirken

Ursula Becker-Peloso

In ihrer langen Berufszeit in mehreren Ländern und in unterschiedlichsten Führungspositionen, meist im Bereich Sales und Marketing, hat die studierte Betriebswirtin Ursula Becker-Peloso schon früh gelernt, mit Menschen verschiedener Nationalitäten und Mentalitäten umzugehen, besonders zuletzt in der Luxus-Hotellerie. Als sie vor acht Jahren in die Gemeinnützigkeit wechselte, stellte sie fest, dass es noch eine ganz andere Welt gibt: die der Bedürftigkeit, der sozialen Ungerechtigkeit.
Deshalb brachte sie ihre vertrieblichen Erfahrungen und das Marketing-Know-how im Fundraising ein und nutzte sie für den Erfolg ihrer Organisationen. Aber ihr fiel auch auf, dass vieles in sozialen Organisationen nicht passte. „Es waren und sind immer noch zwei Welten, die Gemeinnützigkeit und die Welt der Wirtschaft, der Geldgeber. Als Fundraiserin sitze ich immer genau mittendrin und diene als Übersetzerin.“ Ihre Spezialgebiete sind vertriebliche Haltung im Fundraising und Impact Investing. Vor zwei Jahren gründete sie Fundraising&More, ihre eigene Agentur in München, ist zudem noch Gesellschafterin der neu gegründeten Munich Fundraising School und stellvertretende Leiterin der Gruppe Frauen im Deutschen Fundraising Verband.

www.fundraisingandmore.de

 

  1. Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Ein guter Tag beginnt …
    … mit einem guten Kaffee, einem Blick auf meine Kastanienbäume, mit den Weltnachrichten und mit einem guten Gedanken, den ich mit in den Tag nehme.

  2. Was wollten Sie als Kind werden?
    Als Kind wollte ich immer Bibliothekarin werden, da ich Bücher über alles liebe. Aber es kam alles anders.

  3. Was würden Sie als Unwort des Jahres vorschlagen?
    Humankapital – manche sagen es immer noch. Es ist ein altes Wort aus dem Personalwesen, das Human Capital. Da hat es mich früher schon geschüttelt. Ein Mensch ist kein Kapital.

  4. Welches politische Projekt würden Sie gern beschleunigen?
    Die Bewältigung der Wohnungslosigkeit/Obdachlosigkeit. Es sind viel zu viele, in ganz Deutschland, Tendenz stark steigend. Wir müssen neue Denkansätze kreieren und Lösungen finden, an der Ursache ansetzen und den Wohnungslosen wirklich helfen.

  5. Sie machen eine Zeitreise in das Jahr 1990. Was würden Sie dort tun?
    Das war die Zeit des Neuen Marktes, der Beginn des Kapitalismus, der uns schließlich 2008 in die Krise stürzte. Ich hätte gerne damals angefangen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die soziale Ungleichheit von Anfang an so nicht hätten wachsen lassen.

  6. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
    Dieter Puhl von der Bahnhofsmission in Berlin. Kämpferischer, aber sehr sensibler Betreuer dieser ständig wachsenden Anlage. Ein wunderbarer Mensch. Aber er hat schon das Bundesverdienstkreuz. Als Alternative Markus Hipp von der BMW Foundation, intelligenter und sozial engagierter Mensch mit Weitblick.

  7. Sie treffen den reichsten Menschen der Welt im Aufzug. Was sagen Sie ihm?
    Hi Bill, my name is Ursula, I really appreciate what you and your wife are doing with your foundation and I would like to cooperate with you. Do you have a business card? Den Rest der Zeit würde ich ihm zusehen, wie er seine Visitenkarte sucht …

  8. Wer ist für Sie ein Held?
    Jemand, der kompromisslos für (soziale) Gerechtigkeit eintritt und Menschen ihre Würde zurückgibt. Helden gibt es mehr als genug, viele in den kirchlichen Orden, die auf der ganzen Welt Gutes leisten.

  9. Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz?
    In Oberammergau – ich liebe das bayerische Oberland, die Berge und Oberammergau haben eine ganz besondere spirituelle Kraft.

  10. Was tun Sie, wenn Sie nichts zu tun haben?
    Kommt zwar selten vor, aber ich schaue gerne in die Social-Media-Networks und connecte mich dort mit interessanten Menschen auf der ganzen Welt.

  11. Worüber können Sie lachen?
    Über mich selbst – I am really funny.

  12. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
    Eigentlich fast alle, weil Fehler dafür da sind, gemacht zu werden und daraus zu lernen. Fehler, die die Würde des Menschen angreifen, entschuldige ich nicht.

  13. Was war früher besser?
    Früher war vieles einfacher und relaxter. Heute sind Menschen einem zu großen Druck unterworfen, auch im Fundraising. Es geht nicht mehr nur um Beziehungen, sondern vielfach um Zahlen, Daten, Fakten und Schnelligkeit. Es bleibt vielen wenig Zeit, wirklich wertvolle Arbeit zu leisten.

  14. Was sollte über Sie im Lexikon stehen?
    Ursula Becker-Peloso, ungewöhnliche, innovative und kreative Stifterin – sie schenkte vielen Hoffnung. (Die Stiftung werde ich noch gründen.)

  15. Zum Abschluss vervollständigen Sie bitte diese Aussage: Eine Spende ist für mich …
    … etwas, das von ganzem Herzen kommt, nicht nur ein Geldschein, der achtlos gegeben wird. Spenden ist etwas Emotionales. Es muss das Leben des Bedürftigen und mein Leben verbessern.

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