Fragebogen: Ken Burnett bewundert Menschen, die gegen den Strom schwimmen

Es wäre wohl nicht übertrieben, Ken Burnett als ein Urgestein der Fundraising-Branche, speziell des Bereichs der Spender-Kommunikation zu bezeichnen. Die Leser des britischen Magazins „Fundraising“ wählten ihn 2011 zur einflussreichsten Person im Fundraising auf der Insel. Gemeinsam mit dem Fundraising-Berater Giles Pegram hat er 2015 die „Commission on the Donor Experience“ gegründet, um in der Welt des Fundraisings die spenderzentrierte Perspektive fest zu installieren.
Seine ersten Schritte im Fundraising liegen für Ken Burnett allerdings bereits weit zurück. Nach einem Anfang im Bankenwesen leitete er von 1977 bis 1979 ActionAid, eine in Johannesburg ansässige NGO für Entwicklungszusammenarbeit. Anfang der 80er Jahre verantwortete er dort die Leitung für Fundraising und Kommunikation. Der nächste entscheidende Schritt war die Gründung der Agentur Burnett Associates, die über einen Zeitraum von zwanzig Jahren hinweg einige der originellsten und effektivsten spenderzentrierten Kommunikationskampagnen überhaupt entwickelte.
Im Lauf der Jahre arbeitete Ken Burnett mit Marketing-Agenturen in Großbritannien, Australien, den USA und Indien zusammen. Wenn er gerade mal nicht ein neues Fundraising-Buch schreibt, engagiert er sich weltweit für die Entwicklung und den Aufbau von SOFII, „Showcase of Fundraising Innovation and Inspiration“, einer Plattform, die Ideen, Informationen und Initiativen zu allen Aspekten des Fundraisings vereint.
www.sofii.org
www.donor-experience.com

 

  1. Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Ein guter Tag beginnt …
    … zeitig und endet spät. (Ich liebe das Leben! Ich wünschte, ich wäre nicht so faul und würde eher aufstehen und später zu Bett gehen, um mehr vom Leben zu haben.).

  2. Was wollten Sie als Kind werden?
    Ich wollte Autor werden, Bücher schreiben und mein eigenes Unternehmen führen. Und ich wollte etwas Nützliches tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Oh, und ich wollte reich sein. An Letzterem bin ich gescheitert. Aber ich habe genug, also bin ich vielleicht doch nicht gescheitert.

  3. Was würden Sie als Unwort des Jahres vorschlagen?
    „Trump“, dicht gefolgt von „Brexit“.

  4. Welches politische Projekt würden Sie gern beschleunigen?
    Die Umverteilung von Reichtum, um die Dinge mehr als nur ein bisschen gerechter zu gestalten. Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich in unseren Gesellschaften ist unser größtes politisches und soziales Versagen.

  5. Sie machen eine Zeitreise in das Jahr 1990. Was würden Sie dort tun?
    1990 habe ich das Buch „Relationship Fundraising“ geschrieben, in Frankreich. Zu dem Zeitpunkt würde ich gern zurückkehren, um einige Veränderungen darin einzuarbeiten. Ich denke, ich habe in den letzten 27 Jahren ein paar Dinge gelernt, die mir mehr helfen, als das damals der Fall war.

  6. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
    Der 92-jährigen Olive Cooke, deren Selbstmord 2015 fälschlicherweise auf aufdringliches Verhalten von Charity-Fundraisern zurückgeführt worden war. Ihr Tod hat geradezu eine Flut kritischer Attacken gegenüber Fundraising-Praktiken verursacht, wodurch es letztendlich zu vielen Veränderungen zum Besseren hin kommen wird. Ich würde ihr nicht nur einen Orden verleihen, ich würde sie zur Schutzpatronin der Fundraiser machen.

  7. Sie treffen den reichsten Menschen der Welt im Aufzug. Was sagen Sie ihm?
    „Als reicher Mensch haben Sie eine moralische Verantwortung, Exempel zu statuieren. Das Beste daran, Geld zu haben, ist, etwas davon abgeben zu können, gepaart mit der Befriedigung und Erfüllung, die dadurch entsteht.“

  8. Wer ist für Sie ein Held?
    Ich bewundere Menschen, vor allem die kleinen Leute, die gegen den Strom schwimmen, die moralisch gegen Ungerechtigkeiten aufbegehren, selbst wenn es auf ihre eigenen Kosten geht. Ich hoffe, abweichende, wahrheitsliebende Stimmen werden in dieser postfaktischen Welt nicht verschwinden.

  9. Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz?
    Da habe ich ziemliches Glück. Ich habe ein schönes Zuhause im ländlichen Suffolk, East Anglia, und ein zweites Zuhause in London, gleich neben dem Arsenal-Football-Areal. (Nicht, dass ich ein großer Football-Fan wäre, aber die Gegend ist schön.)

  10. Was tun Sie, wenn Sie nichts zu tun haben?
    Es ist noch nie vorgekommen, dass ich nichts zu tun gehabt hätte. „Busy doing nothing“ trifft auf mich nicht zu.

  11. Worüber können Sie lachen?
    Ich entdecke Humor praktisch überall, obwohl ich hoffe, zu wissen, wann ich lachen sollte und wann nicht.

  12. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
    Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung und vergebe die meisten Dinge, nur nicht Gleichgültigkeit. Jede Position, die man selbst mit Integrität vertritt, ist für mich in Ordnung, das rechtfertigt aber weder Unvernunft noch Unehrlichkeit oder Falschheit.

  13. Was war früher besser?
    Ja, die Jugend. Denn für mich liegt diese Zeit in der Vergangenheit, und ich habe sie geliebt. Ach, und früher waren Schokoladenriegel größer und besser. Und ich musste nicht auf die Linie achten.

  14. Was sollte über Sie im Lexikon stehen?
    Er hat’s versucht.

  15. Zum Abschluss vervollständigen Sie bitte diese Aussage: Eine Spende ist für mich …
    … eine Möglichkeit, einen Unterschied zu machen mit etwas, das ich nicht vermissen werde, das aber für jemanden anderes von großer Bedeutung sein kann. Damit handelt es sich um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (sofern die Spende sorgsam gewählt und nachverfolgt wird).

Zurück

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Fragebogen: Karina Hövener ist fasziniert von Kapstadt

Eigentlich verlief Karina Höveners Berufsweg in festen Bahnen. Eine Ausbildung bei der Bank – das sollte für die gebürtige Westfälin eine solide Grundlage sein. Doch das Bankwesen war nicht ihre Herzensangelegenheit. Während der Ausbildung engagierte sie sich ehrenamtlich in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Ihre Karriere im Fundraising begann dann eher per Zufall mit einem Praktikum bei der Agentur AMM GmbH in Hamburg – mit nachhaltigen Folgen.

[...]

Fragebogen: Danielle Böhle setzt auf pure Psychologie

Danielle Böhle liebt es Menschen zu unterstützen, die sich einer guten Sache verschrieben haben. Daher hat die Dipl.-Psychologin mit Schwerpunkt Kommunikationspsychologie umgesattelt: Nach ersten Berufsjahren in der Marktforschung und Mediaplanung nutzt sie seit 2010 ihr Wissen und ihre Leidenschaft für zwischenmenschliche Kommunikation, um gemeinnützige Organisationen voranzubringen. 

[...]

Fragebogen: Sophia Athié wäre gern öfter in New York

Sophia Athié ist eine international erfahrene Fundraiserin, die von der groß angelegten Kapitalkampagne bis hin zur Akquise für den allgemeinen Museumsbetrieb schon vieles erlebt und organisiert hat. Aktuell arbeitet sie für das Kunstmuseum Frankfurter Städel. Beim Ausfüllen unseres Fragebogens verrät sie auch, welche Rolle Rugby beim Spagat zwischen Beruf und Privatem einnimmt.

[...]

Fragebogen: Joachim Dettmann sehnt sich nach Karon

Joachim Dettmann

… ist seit vielen Jahren als Berater und Trainer für Fundraising, Stiftungsgründung und Organisationsentwicklung bekannt. Beim Ausfüllen unseres Fragebogens verrät er Persönliches und auch seinen „geheimen“ Lieblingsort.

[...]

Fragebogen: Birgit Rubbert hat Träume, Ideen und Ziele

Birgit Rubbert

Sie ist eine der ersten Abonnentinnen des Fundraiser-Magazins und seit 2006 treue Leserin. Birgit Rubbert hat den Chamäleon Stralsund e.V. mit erdacht, einen psychosozialen Verein zur Beratung und Betreuung von HIV-positiven und drogen­abhängigen Menschen. Beim Ausfüllen unseres Fragebogens verrät sie mehr über sich, ihre Träume und ihre Ziele.

[...]

Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Piwik“. Unsere Website verwendet auch „Cookies von Drittanbietern“, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können. Mehr dazu ...