Tätigkeit mit Sinn – Warum Menschen Fundraiser werden

Die Absicht, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, ist der wichtigste Beweggrund für den Einstieg ins Fundraising, gefolgt vom Wunsch, in einer NPO zu arbeiten. Ihren Beruf üben viele Fundraiser mit Freude und Stolz aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zu Berufswegen und Motiven von Fundraisern in der deutschsprachigen Schweiz.

 

Von Roger Tinner

Die Motive von Spendern sind immer wieder Thema von Fachbeiträgen, Studien oder Referaten an Tagungen im Bereich Fundraising. Welche Motive aber dazu führen, Fundraiser zu werden, und wo Fundraiser die Motivation hernehmen, in diesem Beruf tätig zu bleiben, das interessiert offensichtlich weniger. Weder im deutschsprachigen noch im angelsächsischen Raum haben wir bei unserer Recherche eine Studie oder eine Befragung zu exakt diesem Thema gefunden.

 

Befragung mit Online-Fragebogen

Wer wissen will, was Fundraiser in ihrem Beruf motiviert, der muss sie selbst fragen. Deshalb ist diese Arbeit den Fragen mit einer direkten Befragung nachgegangen. Ziel war es, den ganzen deutschsprachigen Raum einzubeziehen. Die Anzahl an Antworten aus Deutschland und Österreich war aber leider zu klein für eine aussagekräftige Auswertung.

Als Erhebungsmethode für die quantitative Umfrage wurde ein standardisierter Online-Fragebogen entwickelt, der an die Mitglieder der Fundraising-Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschickt wurde. Die Anzahl der Antwortenden belief sich in der Deutschschweiz auf 152, davon 131 Mitglieder von Swissfundraising. In Bezug gesetzt zum Total von 510 deutschsprachigen Swissfundraising-Mitgliedern entspricht dies einem Rücklauf von 26 Prozent. Einige der wichtigsten und interessantesten Ergebnisse werden hier beschrieben.

 

Wie und in welchem Alter?

Die Resultate zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der Antwortenden eine akademische Ausbildung mitbringt (Total 64 %) und dass weitere 18 Prozent eine höhere Fachschule abgeschlossen haben. Bei den Antwortenden handelt es sich allerdings zu 51 Prozent um Geschäftsführende, GL-Mitglieder und Personen mit Leitungsfunktion. Genau die Hälfte der Antwortenden hat auch einen eigentlichen Weiterbildungs-Lehrgang im Fundraising absolviert. Der Zugang zum Beruf ist von den Voraussetzungen her also sehr offen, de facto führt er aber mehrheitlich über ein Studium an Universität oder Fachhochschule.

Über 80 Prozent kamen im Alter von über 30 Jahren ins Fundraising. Das lässt vermuten, dass die Fundraising-Stelle bei der Mehrheit nicht die erste Station im Berufsleben ist. Dies wird bei der Frage nach der Tätigkeit vor dem Fundraising bestätigt, wonach nur 7 Prozent direkt vom Studium ins Fundraising kommen. Eher überraschend ist in Bezug auf das Alter beim Einstieg ins Fundraising die Tatsache, dass fast ein Drittel erst zwischen 40 und 49 Jahren und weitere 10 Prozent erst im Alter von 50 und mehr zum Fundraising stösst.

Hier zeigt sich auf einen Blick, dass die Absicht, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, tatsächlich der wichtigste Beweggrund für den Einstieg war, gefolgt vom (wohl verwandten) Wunsch, in einer NPO zu arbeiten. Die attraktiven Anstellungsbedingungen sind nicht das unwichtigste Kriterium. Noch weniger wichtig für den Einstieg ins Fundraising erweisen sich in der Umfrage das Vorbild anderer Personen und das Fehlen eines alternativen Stellenangebots.

 

Beweggründe & Image

Das Image des Fundraisings in der Bevölkerung beurteilt nur 1 Prozent als „sehr positiv“. Die Beurteilungen „eher positiv“ (45 %) und „eher negativ“ (37 %) liegen anteilsmässig nahe beieinander. Und ebenfalls 1 Prozent sieht das Image als „sehr negativ“. Zudem sagen weitere 16 Prozent, dass sie das Image in der Bevölkerung nicht beurteilen können. Immerhin ist zu vermuten, dass mit entsprechenden Maßnahmen – insbesondere bei der öffentlichen Positionierung des Berufsbildes – in absehbarer Zeit eine Mehrheit von Fundraisern das Image in der Öffentlichkeit anders beurteilt.   

 

Alle Auswertungen sind verfügbar unter www.swissfundraising.org/fundraiserin

 

Roger Tinner war zunächst Journalist und leitete dann zehn Jahre die Kommunikation der Universität St.Gallen, wo er auch einen Master of Business Administration erwarb. 2001 wechselte er in die Kommunikationsberatung. Seit 2007 ist er (im Mandat) Geschäftsführer von Swissfundraising und ist Absolvent des Diploma of Advanced Studies in Fundraising Management an der ZHAW Winterthur.

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