625 Millionen Euro Fundraisingverband bejubelt Spendenrekord

Spendenrekord in Österreich 2015
Sie sagen Danke: v.l.n.r.: Bernd Wachter (Caritas Österreich), Günther Lutschinger (Fundraising Verband Austria), Gabriela Gebhart (Stiftung Kindertraum)

Darum geht‘s: Spenden, Österreich, 2015, Spendenabsetzbarkeit

Pünktlich zum internationalen Tag des Gebens „Giving Tuesday“ präsentierte der Fundraising Verband Austria (FVA) in Wien den Spendenbericht 2016. Im Vorjahr stieg das Spendenvolumen in Österreich auf das Rekordniveau von 625 Millionen Euro. Unsicherheit verbreitet aber die geplante Änderung bei der Spendenabsetzbarkeit, die am 1. Januar 2017 in Kraft tritt.

Österreichs gemeinnützige Organisationen freuen sich über einen neuen Spendenrekord: „Die Menschen in diesem Land schreiben Solidarität groß: Das zeigt der von uns errechnete Spitzenwert von 625 Millionen Euro für das vergangene Jahr“, ist Günther Lutschinger beeindruckt. Auch dieses Jahr erwartet der Geschäftsführer des Fundraising Verbands, ein ähnliches Ergebnis. Abzuwarten bleibe freilich, wie sich die Spenden in der Weihnachtszeit entwickeln. Diese machen in der Regel 25 bis 30 Prozent des Gesamtvolumens in Österreich aus.

Mehr Spenden für die Kultur

Den aktuellen Spitzenwert erklärt Lutschinger so: „Erstens haben sich die Spenderinnen und Spender von der Situation der Flüchtlinge im Inland und humanitären Katastrophen wie dem Erdbeben in Ecuador berühren lassen. Zweitens ist trotz anhaltender Wirtschaftsflaute die durchschnittliche Spende gestiegen. Und nicht zuletzt spenden immer mehr Menschen für gemeinnützige Organisationen im Kunst‐ und Kulturbereich.“ Das ursprünglich für das Jahr 2015 erwartete Spendenaufkommen von 600 Millionen Euro haben die Österreicherinnen und Österreicher mit den jedenfalls klar übertroffen. 2014 hatte das Spendenvolumen noch 570 Millionen Euro betragen.

Jeder Spendeneuro zählt

Caritas Generalsekretär Bernd Wachter sieht in dem steigenden Spendenvolumen auch ein zeichen an die Politik: „Der Spendenbericht 2016 macht Mut, denn die Zahlen zeigen ganz klar eines: Die Österreicherinnen und Österreicher sind bei weitem solidarischer als uns die Politik derzeit zu vermitteln versucht. Helfende und spendende Menschen sagen ganz klar: Ja, gemeinsam können wir die großen Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen, meistern. Auch Gabriela Gebhart, Geschäftsführerin der Stiftung Kindertraum, betont: „Jeder Spendeneuro zählt. Ein herzliches Dankeschön im Namen der von uns unterstützten Kinder.“ Die Stiftung Kindertraum erfüllt die Herzenswünsche schwer kranker und behinderter Kinder in Österreich.

Steiermark und Kärnten am spendabelsten

Die Menschen aus der Steiermark und Kärnten sind im Bundesvergleich dieses Jahr am großzügigsten. Mit 178 Euro ist die durchschnittliche Spende hier besonders hoch und liegt klar über dem bundesweiten Schnitt von 122 Euro. Bei der Spendenbeteiligung hingegen sind NiederösterreicherInnen und BurgenländerInnen klar vorne. Hier spenden mit rund drei von vier Personen (74 Prozent) so viele Menschen wie nirgends anders in Österreich. Schlusslicht bei der Spendenbeteiligung und ‐höhe ist derzeit Oberösterreich.

Unsicherheit über „Spendenabsetzbarkeit NEU“

Mit insgesamt 187 Millionen Euro wird in Österreich nur jeder dritte Spenden‐Euro steuerlich geltend gemacht. Etwa 900.000 Menschen nutzen die Absetzbarkeit. Ab 1. Januar 2017 ändern sich die Regeln für die Steuerabsetzbarkeit allerdings grundlegend: Dann können nicht mehr die Menschen selbst ihre Spenden als Sonderausgaben geltend machen, sondern die jeweils begünstigten Organisationen müssen die erforderlichen Daten sammeln und an die Finanzbehörden weiterleiten. Für die Spenderinnen und Spender bedeutet dies, dass sie künftig den Empfängerorganisationen Name und Geburtsdatum bekannt geben müssen, wenn sie ihre Spenden absetzen wollen.

Organisationen befürchten hohe Kosten

Für die Organisationen bedeutet dies einen enormen Mehraufwand. Vor allem kleinere Organisationen sind deshalb alarmiert: „Wir befürchten, dass das für uns massive Investitionen in technische Infrastruktur und einen immensen Kommunikationsaufwand bedeutet. Wir möchten nicht, dass das auf Kosten der von uns unterstützten Kinder geht“, sagt etwa Gabriela Gebhart von der Stiftung Kindertraum.
Die Menschen in Österreich sind nach Meinung des Fachverbandes über die kommenden Änderungen schlicht uninformiert, wie eine aktuelle Studie von Public Opinion ergeben hat. Lutschinger wünscht sich deshalb vom Finanzministerium eine Kostenbeteiligung für die nötigen Umstellungen und eine rasche und breit angelegte öffentliche Informationskampagne für die Bevölkerung.

Hauptmotive für das Spenden

„Die Beweggründe für das Spenden sind so vielfältig wie die Menschen selbst und nicht auf einzelne Motive reduzierbar“, erklärt Bernhard Hofer, Geschäftsführer des Umfrageinstituts Public Opinion: „Die Sicherheit, dass die Spenden zweckgemäß ankommen, Sympathie mit der Organisation und Solidarität mit Armen und Schwachen sind aber die drei Hauptmotive geblieben“. Beim Spenden werden weiterhin am liebsten Kinder, Tiere und die Katastrophenhilfe im Inland unterstützt. Im internationalen Vergleich befindet sich Österreich im Mittelfeld. Hierzulande spenden zwar vergleichsweise viele Menschen (rund 64 Prozent), die Spendenhöhe ist aber mit 72 Euro geringer als in vielen anderen europäischen Ländern.

Mehr Ergebnisse sind im aktuellen Spendenbericht 2016  nachzulesen.

Text: PR

Foto: BFVA/Thomas Meyer

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