Die neuen Bürgerproteste in Deutschland

Die neuen Bürgerproteste in Deutschland

Zu behaupten, die Welt wäre aus den Fugen, käme einer Übertreibung gleich. Leugnen lassen sich die Stimmen der „Wutbürger“ aber genauso wenig. Es sind nicht zuletzt Unsicherheiten gegenüber den Mechanismen der Demokratie, die darin zum Ausdruck kommen. Felix Butzlaff sieht in allen Ausprägungen von Bürgerprotesten „die Frage nach der Beziehung zwischen Politik und Gesellschaft und nach der Stellung des Bürgers in ihr“. Das Stichwort der Verschiebung, seien es Perspektiven oder Positionen, erscheint hier zentral. Die etablierten Großorganisationen wie Gewerkschaften, Kirchen oder Parteien fungieren nicht mehr als Sammelbecken und Vertreter des Einzelnen.
Um aber verstehen zu können, wer wann wo wie und vor allem warum protestiert betrachtet der Autor Protestler unter vier Gesichtspunkten: Generation, Biografie, Alter und Prägung. Auf der Basis von Gesprächen mit 73 Personen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands untersucht er deren Sozialstrukturen, ohne zwingend nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Den Protestler als solchen gibt es ja ohnehin nicht. Genau so wenig können die Betrachtungen dieses Bandes automatisch harte Fakten herausarbeiten. Krisen sind immer empfunden, also (auch) subjektiv. Erwartungen und Hoffnungen können sich stets verändern und tun es auch. Die Sozialforschung sieht darin Emanzipationsprozesse. Anders gesagt: „Dagegen“ zu sein, ist nicht automatisch etwas Schlechtes. Hier wägt das Buch bewusst ab und verweist auf die inhärenten Ambivalenzen von Vielfalt.

Rico Stehfest

Felix Butzlaff. Die neuen Bürgerproteste in Deutschland. Organisatoren – Erwartungen – Demokratiebilder
transcript Verlag. 2016. 304 Seiten
ISBN: 978-3-83763-341-2. [D] 32,99 €, [A] 34,00 €, CHF 46,10

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