Der (des)informierte Bürger im Netz

Der (des)informierte Bürger im Netz

Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den sozialen Medien und Veränderungen im Demokratieverhalten? Wolfgang Schweiger tendiert dazu, diese Frage zu bejahen. Er sieht eine Ursache dafür in der zunehmenden Vermischung von Medien, die früher getrennt voneinander existierten. Die Folge: Verunsicherung. Das erklärt aber noch lange nicht den aktuellen europaweiten Erfolg von Rechtspopulisten. Der Autor weiß aber auch, dass es dafür keine einfach Erklärung gibt. Deshalb differenziert er auch ausgewogen und stellt eine These von verblüffender Schlichtheit auf: „Wenn Bürger irrational agieren und gegen ihre eigenen Interessen wählen, müssen sie schlicht unzureichend oder falsch informiert sein.“ Er erkennt, dass eine Fülle von Informationen nicht automatisch Informiertheit des Bürgers bedingen. Sind die Inhalte sozialer Medien Symptom oder Ursache von Veränderungen? So oder so sieht der Autor die Diskursfähigkeit der Bevölkerung in Gefahr. An dieser Stelle nimmt er, nicht überraschend, die Kommunikationswissenschaft in die Pflicht, aber nur, um gleichzeitig mit Verständnis für die Sache zu erklären, warum gerade diese in der Debatte eben nicht am stärksten hörbar ist.

Schweiger hat hier ein beunruhigendes Buch vorgelegt. Und das ist wirklich gut so. Es wäre wünschenswert, Differenzierung fände in der allgemeinen Meinungsbildung genau so statt, wie der Autor hier vorgeht. Umsichtig, aber bestimmt.

Rico Stehfest


Wolfgang Schweiger. Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern
Springer Verlag. 2017. 214 Seiten
ISBN: 978-3-65816-057-9.
[D] 19,99 €, [A] 20,55 €, CHF 27,95.

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