Vom individuellen Werdegang eines Fundraisers

Fundraising-Spezialisten gesucht

Personalentwicklung – das hört sich an, als ob Personal entwickelt werden könnte. Doch Menschen können sich nur selbst verändern. Anstöße von außen regen vielleicht Veränderungen an. In der Personalentwicklung kann es aber höchstens um das Ent-wickeln gehen – oder um das Begünstigen bester Bedingungen.

Babys zu wickeln bedeutet, sie einzupacken, um bösen Überraschungen auf dem Teppich vorzubeugen. Sie zu ent-wickeln bedeutet für die Kleinen Freiheit, Selbstständigkeit, Lernen, Weiterentwicklung. In der Personalentwicklung müssen wir also überlegen, was Führungskräfte dazu beitragen können, um Personal zu ent-wickeln, Menschen in der Weiterentwicklung oder im Lernen zu unterstützen. Dazu einige Gedanken aus meiner eigenen Entwicklung, meiner Fundraising-Laufbahn: vom Azubi über die Abteilungsleitung zum Teilzeit-Unternehmer und Freischaffenden.
Es war eine dieser günstigen Bedingungen: Von meinem Auslandseinsatz kam ich begeistert von der Arbeit der Organisation zurück und das Angebot lag auf dem Tisch: Ich könnte eine Ausbildung zum Fundraiser machen. Meine Stärken wurden erkannt – und gefördert. So startete ich an der Fundraising Akademie und im Ausbildungsbetrieb, dem Kinderhilfswerk nph deutschland e. V.

Die Spendenprojekte sehr gut kennen

Von guten Menschen wurde erkannt: Der kann schreiben, berichten, begeistern, organisieren. Als ehemaliger Freiwilliger kennt er die Arbeit der Organisation bestens und kann sehr authentisch berichten. Seine intrinsische Motivation ist hoch – Grundvoraussetzung, um für eine Organisation zu arbeiten, die Geldbedarf hat wie ein Fass ohne Boden.

Herausforderungen und Förderung

So wurde ich herausgefordert: Mailings konzipieren, Zusammenarbeit mit Dienstleistern, Aufbau neuer Fundraising-Bereiche, Personalführung, Abteilungsleitung, Umstrukturierungen, TV-Auftritte vor Millionen-Publikum, Zusammenarbeit mit den wichtigsten Förderern. Daran bin ich gewachsen, das stärkte mein Selbstbewusstsein, das half mir, eigene Interessenfelder zu finden. Die Bandbreite der Aufgaben im Fundraising ist heute vielfältiger denn je. Das reicht von Organisationsentwicklung, Personalführung, Kommunikation bis hin zu den verschiedensten Instrumenten wie Mailings, Online, Face-to-Face, Großspenden-Fundraising und Unternehmenskooperationen. Und alle bedürfen Spezialwissen und -fähigkeiten. Menschen mit unterschiedlichsten Ausbildungen und Abschlüssen, Vorkenntnissen und Berufserfahrungen werden gesucht – und müssen gefördert werden.

Menschen die an mich glaubten

Ich wurde gefördert: Gerade mal drei Monate im Job, durfte ich zum International Fundraising Congress nach Noordwijkerhout in den Niederlanden. Ein Riesenerlebnis und der Anfang einer Förderung durch Menschen, die an mich glaubten. Ich bewarb mich um das erste Stipendium des Alumni-Vereins der Fundraising Akademie und erhielt den Zuschlag. Auf einmal saß ich Großspenden-Fundraising-Expertinnen in den USA und Deutschland gegenüber, die mich schulten und förderten. Viele angesehene Fundraising-Kollegen erwarteten Berichte, Vorträge und Impulse. Ich wollte mein Wissen mit ihnen teilen und das auf motivierende und inspirierende Art und Weise.

Ziele setzen und sich weiterbilden

Ich habe mir Ziele gesetzt: Als Großspenden-Fundraiser wollte ich die größte private Einzelspende für „meine“ Organisation raisen – als sich ein Ehepaar begeistern ließ, eine Million zu spenden, ging ein Traum in Erfüllung. Schon in Jugendjahren dachte ich daran, mal ein Buch zu schreiben. Der Verlag des Fundraiser-Magazins glaubte an mich und brachte es heraus. Ein eigenes Unternehmen gründen – auch das war immer im Kopf und ist durch die Zusammenarbeit mit Dr. Marita Haibach und unserem Major Giving Institute in Erfüllung gegangen. Speziell hier darf ich jetzt auch Menschen dafür begeistern, inspirieren und ermutigen, sich selbst zu entwickeln. Menschen können sich nur selbst verändern. Führungskräfte können nur gute Bedingungen begünstigen, Potenziale erkennen und ermutigen. Die Veränderungen muss jeder selbst in die Hand nehmen.

Neue Sichtweisen durch Weiterbildung

Das gilt auch für die Wahl einer Weiterbildung. Neben Fundraising-Veranstaltungen nutze ich Angebote, die ganz bewusst auf den ersten Blick nichts mit meiner Arbeit zu tun haben. Das eröffnet neue Sichtweisen. Durch die Ausbildung zum systemischen Berater wurde unter anderem meine Vogelperspektive geschult. Dadurch fällt es mir leicht, die Saat in mir zu erkennen, für die ich Erde und Wasser suche. Neben dem eigenen Entdecken des Saatguts sowie dem Hegen und Pflegen der kleinen Pflänzchen sind Wegbegleiter wichtig, auf die wir wiederum Einfluss haben: Mit welchen Menschen umgeben wir uns? Wagen wir den Blick über den Tellerrand? Mit Mut und Experimentierfreudigkeit tragen wir dazu bei, uns selbst und auch das Fundraising weiter zu entwickeln. Wenn wir dann noch stets versuchen, das Erhaltene an andere weiterzugeben, trägt das wieder dazu bei, dass sich Menschen und das Fundraising weiterentwickeln können.

Der Autor dieses Textes, Jan Uekermann, ist seit 2002 im Fundraising aktiv, zunächst zehn Jahre beim Kin­der­hilfs­werk nph deutsch­land e. V. in der Leitung Fundraising und Aufbau Großspenden-Fund­rai­sing. 2012 gründete er mit Dr. Marita Hai­bach das Major Giving Institute, seit 2013 ist er in Zürich zuhause, wo er bis Ende August bei Swissfundraising als Projektleiter arbeitete. Nebenher ist der 33-jährige Autor, Dozent und (Video-)Blogger. www.uekfactory.com

Foto: FRM-Archiv

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