Sei unbequem!

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt hat gemeinsam mit Stefan Hanitzsch, seines Zeichens Journalist und PR-Berater, mit stoersender.tv einen digitalen Kanal gegründet, um sich einzumischen. Mit gewohnter Bissigkeit und Blick für politische und soziale Mißstände wollen sie nicht nur unterhalten, sondern rufen vielmehr zu sozialem Engagement auf. Anlässlich der Audiovisual Media Days Ende April in München hat Dieter Hildebrandt das Projekt vorgestellt. Im Gespräch mit unserem Autor Rico Stehfest erläutert er, wie das Crowdfunding für den Sender zustande kam und warum er schon mal in einem Gorillakostüm unterwegs war.

 Von wem kam die Idee, den Sender über Crowdfunding zu finanzieren? Hatten Sie persönlich vor dem Projekt bereits Erfahrungen damit?

Die Idee für den Störsender selbst und auch fürs Crowdfunding stammt von Stefan Hanitzsch. Ich habe mein Leben lang mit Crowdfunding gute Erfahrungen gemacht, da ja eine Menge Leute meine Auftritte besucht und oft auch bezahlt haben, jedoch bisher nicht im Internet.

  Nach nur sechs Wochen war das Ziel erreicht. Wie haben Sie das geschafft? Wie haben Sie außerhalb von startnext die Werbetrommel für das Projekt gerührt?

Zum Glück haben viele Medien das aufgegriffen. Außerdem hat Frank-Markus Barwasser in seiner Sendung „Pelzig hält sich“ im ZDF über den Störsender gesprochen, das war hilfreich. Und auch der Schwarm hat uns sehr stark geholfen. Die Unterstützer haben sehr engagiert für uns geworben und zum Beispiel über 100 000 Flugblätter verteilt, die Stefan auf Störsender-Kosten verschickt hat.

  Was, wenn das Crowdfunding nicht geklappt hätte? Wäre das Projekt dann bereits im Keim erstickt?

Darüber haben wir uns vorher keine Gedanken gemacht, und brauchen es jetzt erst recht nicht zu tun!

  Ein Jahres-Abo für stoersender.tv kostet 66 Euro. Da die Produktionskosten gesichert sind: Wofür werden diese Gelder verwendet?

Da wären einmal die ganzen Störaktionen, die erweiterte Redaktion, Sondersendungen, Reportagen, die wir hinzukaufen möchten, und das Jahr 2014 will ja auch finanziert werden. Dazu kommt die gesamte Verwaltung, das Unternehmerische, Anwaltshonorare, und, und, und. Auf Startnext wurde ja rein das Projekt finanziert, nicht die ganze Gründung. Wir müssen auch bald mehr Leute beschäftigen, auf Dauer geht es nicht, dass Stefan rund um die Uhr arbeitet. Wann soll er da noch was Kreatives machen?

 Wie sind Sie auf die Ideen der einzelnen Gegenleistungen gekommen?

Das hat auch Stefan entwickelt, gemeinsam mit Anna Theil und Maike Nastoll von Startnext, die haben da jede Menge Erfahrung in jungen Jahren. Überhaupt sollte man die Projektbetreuung mal loben! Stefan schwärmt immer sehr, ich habe mit denen ja direkt noch nicht zu tun gehabt. Auch mein Kollege Lothar Bruns hatte eine tolle Idee, nämlich Karikaturen von Dieter Hanitzsch anzubieten. Da hätten wir zwar auch selbst draufkommen können, sind wir aber nicht!

  Sie haben sich mit stoersender.tv auch den Aufruf zum sozialen Engagement auf die Fahne geschrieben und auch eigene Aktivitäten offline angekündigt. Wie werden die aussehen? Sind Sie ein Aufwiegler?

Ein Beispiel ist die Aktion von „Goldgrund Immobilien“, initiiert von Till Hofmann, was aber nur indirekt mit dem Störsender zu tun hatte. Ich habe mich da im Gorilla-Kostüm an einer Wohnungsrenovierung in München beteiligt, um auf leerstehende bewohnbare Häuser in dieser Stadt, in der das Wohnen bereits uner­träg­lich teuer geworden ist, hinzuweisen.

  Verlockt die gelungene Finanzierung zu weiteren 20 Folgen?

Wir wollen ganz sicher weitermachen, wenn die Menschen uns lassen und den Störsender abonnieren, obwohl – oder weil – man stoersender.tv auch kostenlos anschauen kann.

Dieter Hildebrandt, Jahrgang 1927, ist einer der bedeutendsten deutschen Kabarettisten. Zu seinen größten Erfolgen zählt die Fernsehsendung „Scheibenwischer“. Der mehrfache Grimme-Preisträger gilt als politisch nicht unumstritten. Seit März erscheinen auf dem Kanal stoersender.tv im Internet vier­zehn­tätig kabarettistisch-kritische Beiträge zum aktuellen Zeitgeschehen mit jeweiligem The­men­schwerpunkt. Abonnenten des Kanals können die jeweils aktuelle Folge bereits drei Tage vor Veröffentlichung sehen. Über ein Diskussionsforum gibt es zusätzlich die Möglichkeit, sich zu fried­lichen Störaktionen zu verabreden.

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