Crowdfunding ist wie Urlaub

Fünf Fehler, die eine Kampagne platzen lassen

Mitunter wirkt Crowdfunding wie eine schnelle und unkonplizierte Finanzierungsidee. Dennoch scheitern auch 40 bis 50 Prozent der Projekte. Grund dafür sind meist Missverständnisse zur Wirksamkeit der Plattformen und fehlende Personality.

Von Matthias Daberstiel

Eine schöne Vorstellung: Crowdfunding ist wie Urlaub. Man stellt sein Projekt auf einer Plattform ein – es gibt ja genug – und dann werden es die User dort schon richten. Leider ist genau das Gegenteil der Fall: Crowdfunding braucht einen guten Plan und eine kontinuierliche Kommunikation mit der eigenen Fanbase. Werben, bloggen, Pressearbeit, E-Mails, Unterstützungsbitten, all das sollte vorab geplant und dem Kampagnenverlauf angepasst eingesetzt werden. Wie im Fundraising sollten zuerst Menschen angesprochen werden, die man bereits kennt, denn sie sind leichter zu überzeugen. Deutet sich hier bereits an, dass das Projekt viele Fragen aufwirft, sollte man es überarbeiten oder bleiben lassen. Deshalb ist eine stille Phase vor der eigentlichen Kampagne sinnvoll, um dann umso kraftvoller zu starten.

Ein weiteres Missverständnis im Crowdfunding ist die Vorstellung, dass es ja nur ums Geld geht und nicht um die Macher. Aber auch hier gilt das Motto „People give to People“! Es geht natürlich um Geld. Damit aber auch um Vertrauen, wie bei Finanzprodukten üblich. Wenn man dem Macher das Projekt nicht zutraut, gibt es auch keine Kohle. Deshalb ist im Vorstellungsvideo und bei der Kommunikation eine möglichst persönliche Story hilfreich. Gerade die Geschichte hinter dem Projekt macht es sympathisch oder die User neugierig.

So funktioniert’s!

  • intensive Vorbereitung
  • echter Dialog
  • eigene Fanbase
  • sich selbst öffnen (Story)
  • Mut, Ausdauer, Inspiration

So geht’s schief:

  • Urlaub im Kampagnenzeitraum
  • unrealistische Ziele
  • keine Personality
  • Social-Media-Aversion
  • Selbstüberschätzung

Die romantische Vorstellung, dass die Plattform ja alles für einen macht, ist eine krasse Fehleinschätzung. Hier muss schon ein eigenes Marketing her. Die bereits angesprochene stille Phase der Kampagne kann zum Beispiel dazu dienen, bereits finanzielle Zusagen von Unterstützern einzuholen. Diese können dann zu strategisch günstigen Zeitpunkten einzahlen. Zum Beispiel in der zeitlichen Mitte der Crowdfundingkampagne, wo normalerweise gar nichts geht oder eine Woche vor Schluss, um einen Run auszulösen. Sinnvoll ist es auch, im Vorfeld zu klären, für wen diese Kampagne eigentlich interessant ist. Ein Perspektivwechsel ist hilfreich, um seine Crowd besser zu verstehen und sie danach gezielter anzusprechen.

Das Kampagnenziel so hoch wie möglich zu stecken, ist ebenfalls keine gute Idee. Crowdfunding ist in den wenigsten Fällen eine Vollfinanzierung. Viele Themen von Projekten sind auch nicht spannend genug und unrealistische Ziele schrecken User eher ab. Eine realistische und transparente Beschreibung des Projekts und ehrliche Kommunikation sind deshalb enorm wichtig.

Und schließlich das Thema Social Media. Nirgends funktioniert das Verbreiten einer Projektidee besser als über die sozialen Medien, weil die meisten Plattformen der Crowd anbieten, ihr Engagement auch gleich zu posten. Wer allerdings erst Face­book beitritt, wenn er sein Projekt startet, hat schlechte Karten. Eine Community baut sich nicht in 30 Tagen Finan­zierungs­phase auf, denn auch hier geht es um Ver­trauen zu der Person und nicht zum Kom­mu­ni­ka­tions­kanal.

Crowdfunding braucht also etwas mehr als Urlaubsfeeling. Dann klappt’s!

Matthias Daberstiel berät mit seiner Spen­den­agentur ge­mein­nüt­zige Or­ga­ni­sa­tio­nen in Mit­tel­deutsch­land zu allen Fragen des Fund­rai­sings. Au­ßer­dem ist er einer der Her­aus­ge­ber des Fundraiser-Magazins.

www.spendenagentur.de

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