Teilzeit-Whistleblower Fabian F. Fröhlich ist frühjahrsmüde

„Kann es sein, dass der Kaffee neuerdings koffeinreduziert ist?“, frage ich gähnend die Sekretärin. Ich meine es heute ernst, aber sie guckt gleich völlig irritiert. „Schon möglich“, flüstert sie hektisch hinter vorgehaltener Hand, „ganz oben wurden nämlich Sparmaßnahmen beschlossen“. Dabei verzieht sie das Gesicht, als stünde Orwells Gedankenpolizei vor der Tür. „In der Chefredaktion?“, frage ich vorsichtshalber. „Nein, gaaanz oben!“

„Wisst ihr was von Sparmaßnahmen?“, erkundige ich mich in der Marketingabteilung. Natürlich wissen die von nichts. Bestimmt haben die Sales-Fritzen wieder Sonderrechte. Wie mich das nervt! Nur weil die das Geld ranholen, das wir alle angeblich kosten, stehen sie in der büro-internen Nahrungskette weiter oben. Aber wie pflegte meine Oma immer zu sagen: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt. „Ich weiß nicht, ob ich es euch verraten sollte …“, fange ich mal vorsichtig an. „Ich hab gerade aus todsicherer Quelle erfahren, dass die gaaanz oben was planen …“ Der Teaser funktioniert! „Was heißt hier todsichere Quelle?“, zickt die langhaarige ,Junior Marketing Consulting Assistent‘-Brillenschlange mit dem IQ eines Einhorn-Emojis. Als Nachrichtenredakteur und zivilisierter Büromensch weiß ich natürlich, dass Kaffeeküchengespräche zwar die besten Quellen sind, jedoch nicht als zuverlässig gelten. Deshalb improvisiere ich ein bisschen: „Pickeldie und Frederick – so nennen wir die neuen Werkstudenten aus der IT – haben da so ein Dokument gefunden … ich sage nur Kostenminimierung.“ Bäm! Die hundertprozentige Aufmerksamkeit der Extrovertiertenrunde ist jetzt voll auf mich gerichtet: Fabian, der Whistleblower. „Das habt ihr aber nicht von mir“, füge ich sicherheitshalber hinzu. Die Marketingler nicken eifrig und legen sogar kurz die Smartphones aus der Hand. „Zur nächsten Quartalssitzung soll jede Abteilung präsentieren, wie sparsam sie in den letzen Wochen war. Die am meisten eingespart haben, kriegen …“ „Was kriegen die?“, hechelt die Langhaarige. Ich zucke mit den Schultern. „Irgendwas Großes bestimmt“, raune ich im Gehen und lege verschwörerisch den Zeigefinger auf die Lippen.

Zurück in der Redaktion poppt eine E-Mail aus der Chefetage auf: Wir sollen was für den Nachhaltigkeitsbericht zuarbeiten. Ich formuliere haarscharf: „Durch Halbierung der Kommunikationskosten im Bereich Akquise und durch den plötzlichen Nichtbedarf an unfair gehandeltem Kaffee reduzierte sich der ökologische Fußabdruck unseres Unternehmens im letzten Quartal …“

Faaa-biii-aaan! Herr Frööööh-liiich! Verdammt, ich bin tatsächlich eingepennt. War spät gestern, und dann das Frühjahr, die Heuschnupfenmittel machen immer so müde. Meine Kollegin grinst: „Hoffe, du hattest süße Träume?“ Und ob! Ich brauch erst mal frische Luft – und ’nen extra-starken Kaffee.

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