Resteuropäer Fabian F. Fröhlich zieht Konsequenzen

24. Juni. Ein Tag zum im Kalender anstreichen. England ist raus! Nee, nicht bei der Fußball-EM – das können wir heute, kurz vor dem Achtelfinale, noch nicht wissen – ich meine raus aus der EU. Nun, eigentlich reibe ich mir ja heimlich die Hände, denn ich habe gestern noch schnell alle Aktien verkauft und alles in Gold angelegt. Das ist stabil, man kann zum Beispiel Zahngold daraus machen. Kennen Sie den Beißer aus James Bond? Im Namen seiner Majestät hat 007 den Typen x-mal versucht, plattzumachen. Zu 48,1 Prozent ist es ihm gelungen. Man kann halt nicht alles haben im Königreich …

Die Hälfte der Briten wollen also nicht mehr, ein Viertel ist sowieso nicht wählen gegangen. Die Europäische Union ist offenbar nicht mehr angesagt. Die Briten haben mit uns Resteuropäern einfach Schluss gemacht. Kein Match mehr! Okay … bitte … dann geht doch! Baut euch am besten ’nen Zaun aus Nato-Draht um die Insel! Da stört euch dann auch keiner mehr beim Teetrinken! Und esst doch euren Frühstücksspeck alleine! Führt doch Selbstgespräche über euer beschissenes Wetter! Bye, bye!

Nein, ich bin nicht eingeschnappt. Ich doch nicht! Als die Griechen letztes Jahr den Abgang machen wollten, hat ja auch keiner geweint. Aber – ich werde konsequent sein: Wenn die uns nicht mehr wollen, dann will ich auch nicht mehr. Ab sofort streiche ich alle englischen Wörter aus meinem Sprachgebrauch. Das wird nicht ganz einfach, wenn es um Fundrais… Mittelbeschaffung geht. Dank Textübersetzungsanwendungen für unterwegs verwendbare schmale Telefone und das weltweite Informationsnetz werden wir uns die Wörter Stufe für Stufe  zurückerobern. Das hört sich jetzt nach einer Belastungsuntersuchung für gemeinnütziges Absatzwesen an, ist aber – am Ende – machbar.

Wissen Sie, wie hoch der Rückschlag des Einsatzes bei Ihrer letzten Post­aus­sen­dung war? Die Regulationsabteilung Ihrer Nichtregierungsorganisation hat dies be­stimmt ermittelt. Mit Stimulationsgaben und gleichzeitiger Ge­schich­ten­er­zäh­le­rei über die geselligen Verbreitungs-Kanäle können Sie noch eins obendrauf setzen. Appellieren Sie auch an die Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung und ködern Sie Betriebsleiter mit augenscheinlich sinnstiftenden Wettkampf-Ereignissen.

Klingt alles nicht gerade sexy … also brünstig, muss aber – Entschuldigung dafür – sein. „Nur die Harten kommen in den Garten“, sagte schon meine Oma. Und damit war bestimmt kein englischer Garten gemeint!

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