Nachwuchs Daten-Sammler Fabian F. Fröhlich genießt die Transparenz

Guten Morgen, liebe täglich Mitreisende im siebenuhrfünfunddreißiger Bus! Besonders die nette Frau mit dem roten Schal und der farblich passenden Handyhülle. Alles gut zuhause? Hat Ihr Sohn mal nicht verpennt? Dann läuft’s auch am Nachmittag beim Gespräch mit dem Schuldirektor. Es ist ja schon der dritte Termin und wir sind alle gespannt, ob klein Max die Klasse wiederholen muss.

Schlechte Konzentration kann am Essen liegen. Das wird Ihnen die Linguistik-Studentin mit der Häkeltasche gern bestätigen, die immer am Rathausplatz einsteigt. Sie hat nämlich ihre Ernährung komplett umgestellt. Hätten Sie (wie ich!) mal besser zugehört, wüssten Sie, dass bei Stress Mineralstoffe wichtig sind. Die sind zum Beispiel in solchen Müsliriegeln enthalten, welche Anne (die Mitbewohnerin des Hipsters da am Fenster, der die taz auf dem Tablet liest) ihm immer vor dem Losgehen aus der Tasche klaut. Da hilft sein allmorgendlicher Protestanruf gar nicht, die Bitch is(s)t immer schneller als er.

Mr. Cowboyhut braucht, wie es sich anhört, noch kein Frühstück. Er war gestern wieder etwas länger feiern, um seine Ex zu vergessen. Wie wir inzwischen alle kapiert haben, kommt er von ihr nicht los. Allerdings sind seine Kneipentour-Berichte legendär – allein dafür lohnt sich das zeitige Aufstehen, um den Bus nicht zu verpassen. Die beiden Möchtegern-H&M-Models, die meistens gleich vorn an der Tür stehenbleiben, schreiben heute ’nen großen Mathe-Test bei Krüger, dem Arsch. Er wird sie natürlich durchfallen lassen, dann kriegt die mit dem Swarovski-iPhone eine Woche Handyverbot, weil ihr Alter bekanntermaßen so ein Spießer ist. Mädels, ich drücke euch die Daumen. Unter Handyverbot würden alle hier im Bus schwer leiden.

Unvorstellbar auch für den großen Blonden mit der Jack-Wolfskin-Jacke, der schon wochenlang auf Wohnungssuche ist und gerade seinen Makler rund macht. Ja, 750 Euro kalt sind unangemessen für diese Bruchbude. Er hat es dem Makler doch ganz klar gesagt: Ohne! Balkon! Geht! Gar! Nicht! Hoffentlich regt Blondie sich nicht zu sehr auf, das ist schlecht für seinen hohen Blutdruck. Nach den endlosen Telefonaten mit Muddi sollte nun wirklich jeder mitbekommen haben, dass er als Diabetiker Typ zwei in ambulanter Behandlung bei Doktor Scholtz mit Tezett ist.

Dem Anzugträger ganz vorn hinterm Fahrer wünsche ich heute viel Erfolg bei der Präsentation. Seit Tagen hat er seine Assistentin drauf eingeschworen. Das wird seinen Chef überzeugen. Hoffentlich, sonst verliert der Gute die Wette gegen den Kollegen und muss sich eine Glatze rasieren. Fräulein Blümchenkleid säuselt inzwischen ihrem Schatzi ein süßes „Guten Morgen“ auf die Mailbox und dass sie ihn jetzt schon vermisst, weil die Nacht sooo hmmm war und überhaupt kann sie es kaum erwarten, ihn heute Abend wieder … Schade Leute, ich muss aussteigen. Tschüss, liebe gläserne Mitreisende, wir sehen und hören uns morgen wieder ab sieben Uhr fünfunddreißig.

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