Möchtegern-Innovationspreisträger Fabian F. Fröhlich gibt sich visionär

Die aktuelle Leserbefragung brachte es an den Tag: Die Hälfte der Leute, die meine Artikel niemals lesen, können gut und gern darauf verzichten. Das sitzt!

Die Kollegen grinsen schon hämisch, wenn sie mich auf dem Weg zur Kaffeemaschine treffen. Euch werd ich’s zeigen! Ich werde jetzt innovativer sein als alles, was ihr euch denken könnt! Bloß wie ... Ein Weg wäre, etwas ganz anderes zu tun, als die breite Masse. Etwas, das sich keiner traut, eine gesellschaftliche Umwälzung quasi. Oder zumindest der erste Schritt dahin.

Meine Idee wird nicht jeder verstehen – sie ist groß und visionär, nichts für Kleingeister – aber Ihnen verrate ich es.
Im Zeitalter der political correctness werde ich von nun an auf alles verzichten, was irgendwie p.c. ist. Ich fange gleich morgen früh damit an. Mag der „Stern“, das Tittenmagazin, sich gegen Sexualisierung der Gesellschaft positionieren – ohne die eine oder andere Zweideutigkeit würden wir doch alle den Tag nicht überstehen. Auch wenn es die engstirnigen Binnen-I-FanatikerInnen für frauen­feind­lich halten, halte ich der Chefin die Tür auf.
Unsere hübsche blonde Putze – also die Reinigungsfachkraft – lade ich auf eine Zigarette ein. Ich sage ihr etwas nettes über ihre neue Frisur, dann wird sie ein bisschen rot (Gender-Tussis denken, weil sie sich ärgert, aber ich weiß es besser). Und während wir da so sexualisiert vor der Tür stehen und vor uns hin rauchen, kommt die Praktikantin. „Guten Morgen, die Sonne geht auf“, höre ich mich sagen (unangebrachter, chauvinistischer Altherrenwitz!). Ich hab ihr schon was zum Kopieren rausgelegt. Doch bevor sie damit loslegt, wird sie feststellen, dass sie ein neues Login am Computer hat. Passwort: Kaffeekochen. Klare Ansage, so gehört das.
„Meine allerliebste Frau Schmidt“, flöte ich beim Postholen der Sekretärin zu, „was für ein tolles Kleid! Betont Ihre wunderbaren Kurven, schade dass wir hier keine Videotelefonie haben, dann könnten wir uns vor neuen Aufträgen nicht retten!“ Sie wird mich nicht bei der Gewerkschaft verpetzen, das spüre ich!

Zur Pressekonferenz nehme ich als Fotograf den kleenen Fidschi mit – den Volontär mit Migrationshintergrund – dessen Namen ich mir nicht merken kann. Der regt sich die ganze Fahrt über auf, dass in Kinderbüchern jetzt keine Negerlein mehr mitspielen dürfen (ein möglicher Verbündeter meiner Anti-p.c.-Bewegung!). Die PK beim Industrieverband schleicht so dahin, aber die Schnittchen sind ganz nach meinem Geschmack. Die zum Essen auch: Hackepeter mit Zwiebeln und Thüringer Leberwurst, kein Vegetarierzeug weit und breit. Die Kolleg*in vom Stadtanzeiger – das Binnensternchen muss an dieser Stelle sein, denn ich weiß wirklich nicht, ob die nicht eher ein Kerl ist – mokiert sich natürlich darüber und droht an, das in ihre Berichterstattung einfließen zu lassen. Sowas Intolerantes!

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