Humor-Freelancer Fabian F. Fröhlich ist heute depressiv

Auf Befehl witzig sein – das ist wirklich manchmal eine Qual. Seit es Websites wie „Der Postillon“ und Menschen wie Jan Böhmermann gibt, ist es für den Humor-Freelancer im Nebenerwerb nicht gerade einfacher geworden. Selbst bei den Großen der Zunft glänzt zuweilen nur noch das Zahngold, das das Publikum beim Gähnen offenbart. Traurig ist das!

Dabei will der Mensch doch was zu lachen haben in diesen schweren Zeiten. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Schon Lenin wusste das, oder war es Matthäus? Beide hätten – würden sie heute leben – bestimmt einen YouTub-Channel und ’nen Instagram-Account. Millionen von Abonnenten, tonnenweise Likes, Fame ohne Ende. Also eigentlich alles wie damals. Nur spaßiger, mit Pranks und Challenges und Titten.

Wo man geht und steht, wird man belustigt. Schon morgens halb acht im Radio: „Wenn der Bademeister in Rente geht – blickt er dann auf seine chlorreiche Zeit zurück?“ Oder: „Was macht ein arbeitsloser Schauspieler? Spielt keine Rolle!“ Solche Sachen sind voll mein Humor.

Allerdings reicht den Radiotypen das nicht. Zu leise. Die laufen jetzt erst richtig zur Hochform auf: „Ne Assi-Mutter sitzt auf dem Spielplatz, raucht und schreit ,Steven ich mein’s ernst, ich zähle bis drei!‘ und Steven ruft vom Klettergerüst zurück ,Das kannst du gar nicht!‘ Hehehe“.

Morgens auf nüchternen Magen macht mich das depressiv.

Wie soll ich denn bei so allumfassender grenzenloser 24/7 Heiterkeit überhaupt noch was Lustiges schreiben! Was, das nicht schon irgendwer vorher über Twitter raushaut. Was, das nicht irgendeiner schon mal gesagt hat und – ätsch! -Tante Google weiß es. Was, das p.c. ist und genderneutral, barrierefrei und vegan. Wie soll das gehen, hm?

Auf Facebook finde ich „Demotivationstrainerin Birgit“. Ja! Das ist der neue Trend. Hier wird nicht rumgealbert, hier geht’s ernsthaft zu. Ich lese tiefsinnige Dinge, zum Beispiel: „Das Leben ist so kurz, dass das Aufstehen gar nicht lohnt.“ Oder das hier: „Was dich umbringt, das macht dich tot.“ Auch nicht schlecht: „Schwitzen ist, wenn der Körper weint.“ Einen noch? „In 100 Jahren wird keiner mehr wissen, dass es euch einmal gab.“

Ein großartiger Schlusssatz, den meine Chefin für diesen Text aber nicht akzeptieren wird. Dann eben: „Mehr Mut zum Missmut!“

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