Ex-Praktikant Fabian F. Fröhlich plaudert aus dem Nähkästchen

Wer wissen will, was so in der Welt passiert, ist beim Friseur gut aufgehoben. Mein Friseur zum Beispiel gibt mir zehn Prozent Rabatt, wenn ich auf Facebook poste, dass ich gerade bei ihm einen neuen Haarschnitt bekomme. Und wenn mein Friseur denkt, dass auf Facebook was los ist, dann kann ich guten Gewissens darauf vertrauen, dass das stimmt und das sehr bald der Rest der Welt Wind davon bekommt.

Für mich als Journalisten sind solche geheimen Nachrichten aber eigentlich nur beim Friseur wirklich spannend. Sobald nämlich Normalsterbliche und Journalisten die Elefanten trampeln hören, ist es mit der Sensation gelaufen. Dann stehen nämlich alle selbsternannten Medien-Fachmänner mit der Neuigkeit ihres Lebens im Foyer des Verlages und haben dasselbe gefährliche Leuchten in den Augen wie die Hasenzüchter.

Was das bedeutet, ist leicht erklärt. Mit Hasenzüchtern haben wir Jour­nalisten nämlich eine ganz besondere Beziehung. Der durchschnittliche Hasenzüchter schafft es höchstens einmal im Leben – allen Widrigkeiten der Vereinsarbeit zum Trotz – in den Vorstand seines Kleintierzuchtvereins gewählt zu werden, ohne an den psychischen Belastungen zu zerbrechen. Das weiß er auch. Wenn dann aber zur Ausstellung der neuen Zuchterzeugnisse ein Praktikant der Zeitung antanzt, der nicht genau weiß, wie übel ihm da die Chefredaktion mitgespielt hat, ist das Kriegsbeil schon geschliffen.

Im Normalfall wird dieser Praktikant nämlich nicht aufgrund seiner herausragenden Qualifikationen zum Kleintierfreunde e. V. geschickt und strahlt auch nicht die Begeisterung aus, die der tapfere Präsident des Vereins für den größten Auftritt seines Lebens erwarten darf. Er wartet nicht gerne, bis die VIPs am Weißwurststand das Geschäftliche erklärt haben, zeigt sich widerwillig bei der künstlerischen Gestaltung des Bildmaterials und schreibt trotz der Aufopferungsbereitschaft der Veranstalter alles falsch. Da wird der Präsident im Artikel als „Vorstand“ bezeichnet, der Ältestenrat wird gar nicht erwähnt und das preisgekrönte Angorakaninchen wird als schwergewichtig verunglimpft. Der eine, große Auftritt des (für eine Wiederwahl dann natürlich nicht mehr in Frage kommenden) Präsidenten ist dann nämlich ruiniert und die anfangs harmlose Berichterstattung endet mit Fackeln und Mistgabeln in der Rechtsabteilung des Verlages.

An solchen Tagen nehme ich mir dann lieber frei, gehe zum Strategie-Gespräch beim Friseur und warte bis der laut weinende Praktikant den wütenden Mob vom Verlagsgebäude zum Ortsrand lockt.

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