Der vorweihnachtliche Fabian F. Fröhlich übt sich in Selbstzensur

Vor kurzem war Weltnettigkeitstag unter dem Motto „Es ist nett, wichtig zu sein. Aber es ist wichtiger, nett zu sein“. Okay, nett ist die kleine Schwester von scheiße. Aber trotzdem: Lasst uns nett sein, das Leben ist hart genug. Und wenn wir schon die Dinge nicht ändern können, so sorgen wir halt dafür, dass sich Probleme nicht wie Probleme anfühlen. Einverstanden?

Konsens ist in – Klartext ist out. Also nicht richtig out, nur eben jetzt zurzeit ein No-Go, sag ich mal so. Man muss nicht immer provozieren, finde ich. Das hat der Dresdner Kreuzchor schon ganz vorrausschauend gemacht, für die China-Tournee das Lied „Die Gedanken sind frei“ aus dem Programm zu nehmen. Bald ist wieder Weihnachten, die Zeit der Liebe, Harmonie und Seligkeit.

Was das betrifft, kann man sich ein Beispiel an der Kanzlerin nehmen. Statt zu fordern, man möge endlich mal die Klappe halten, sagt sie beispielsweise sowas: „Man bekommt beim Schweigen ganz gut ein Maß für die Zeit.“ Das nenne ich mal eine Ansage! Ich als ehemaliger DDR-Bürger war es ja gewöhnt, die Zeitung nicht nur von hinten nach vorn, sondern auch zwischen den Zeilen zu lesen. So kann ich nur lachen über meine Kollegin, die sich immer über die jungen Leute aufregt, welche den Mund nicht mehr aufmachen würden. Das stimmt doch gar nicht, man muss nur richtig hinhören.

Ich möchte zum Beweis mal einen zwanzigjährigen Naturschützer zitieren. Der sagte im Interview mit einer lokalen Studentenzeitung folgende aufrüttelnden Worte: „Hauptziel ist es, die Landschaft zu erhalten und eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Das bedarf natürlich Kompromissbereitschaft. Eine Teilbebauung soll nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Politik und Stadtverwaltung können erst mal nicht mehr machen, als den Flächennutzungsplan zu gestalten. Aber die Politik sollte es natürlich begrüßen, wenn sich Bürger aktiv an der Gestaltung ihrer Umwelt beteiligen“. Hammerspruch! Der Junge wird’s noch weit bringen!

Ich persönlich übe das noch. Als meine Freundin gestern meine alten Jeans in die Kleiderspende geben wollte, bat ich sie: „Lass uns das bitte vorerst gern direkt abstimmen, Schatz“. Ha! Ihr Gesicht hätten Sie sehen sollen! Derartige Diplomatie im Alltag war sie bisher noch nicht gewöhnt von mir.

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