Schweizer Stiftungstag: proFonds kämpft für alle Gemeinnützigen

Schweizer Stiftungstag im Schweizer Hof in Zürich

Darum geht's: Der Schweizer Stiftungstag 2016 und die Arbeit von proFonds

Der Schweizer Stiftungstag ist eine Tagung des Verbands proFonds jeweils Anfang November, fand dieses Jahr in Luzern statt und lohnt sich als Weiterbildung vor allem für auf Institutionen spezialisierte Fundraising-Fachpersonen. Der Fundraising-Experte Andreas Cueni berichtet für das Fundraiser-Magazin über den Event und die Arbeit von proFonds.

proFonds nennt sich «Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz» und wirkt seit über 25 Jahren. Unterdessen besteht aber seit über 10 Jahren Swissfoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen. Dass zwei Branchenverbände neben- und miteinander existieren, weist auf den Umstand hin, dass sie unterschiedliche Funktionen haben.

Was unterscheidet proFonds und Swissfoundations?

Swissfoundations sammelt ausschliesslich Förderstiftungen, bevorzugt überregional wirkende, während proFonds jede Art von gemeinnütziger Organisation als Mitglied aufnimmt, egal ob Verein oder Stiftung, fördernd oder operativ. Denn proFonds funktioniert praktisch als juristische Lobby für den Sektor. Bedauerlicherweise nehmen das nur ein paar 100 Verantwortliche von Vereinen und Stiftungen wahr; proFonds fährt auch keine gewaltigen Werbekampagnen unter den vielen tausenden von NPO.

Das passiert beim Schweizer Stiftungstag

Seinen traditionsreichen, immer in einer anderen Stadt angesetzten Schweizer Stiftungstag besuchen Verantwortliche von Förderstiftungen und Vertretungen von Beratungsunternehmen: Anwaltskanzleien, Vermögensverwaltungen, Revisionsgesellschaften. Dann sind da Leute, die ein junges Interesse an der Mittelbeschaffung entwickelten und viele Fundraiserinnen und Fundraiser, die sich darauf spezialisiert haben, für ihre Organisationen die Kontakte zu institutionellen Partnern wie Unternehmen, Gemeinden und Stiftungen zu pflegen. Sie lassen sich da darüber informieren, was es an politischen und rechtlichen Entwicklungen in den vergangenen 12 Monaten gab.

Die spezialisierten Juristen der proFonds-Geschäftsstelle, Dr. Christoph Degen und Dr. Roman Baumann Lorant sowie Vorstandsmitglied Dr. Harold Grüninger fassen die Nachrichten zusammen, bevor es Mittagessen gibt: sie geben einerseits Einblicke ins Leben einzelner Stiftungen, in Neugründungen, Fusionen und Löschungen und Gerichtsverfahren. Letztere ereignen sich zwar selten, kommen aber vor zum Beispiel bei der Regelung von Übergängen der Verantwortung von einer Generation auf die nächste oder wegen der Gewährung der Steuerbefreiung.

Rechtliche Rahmenbedingungen für Nonprofit-Organisationen

Dann geht es am Stiftungstag andererseits darum, den proFonds-Mitgliedern zu vermitteln, wie der Verband sich um günstige rechtliche Rahmenbedingungen für Nonprofit-Organisationen in der Schweiz bemüht. Er wehrt sich zum Beispiel dagegen, dass die nationale Stiftungsaufsichtsbehörde zusätzliche Kompetenzen gegenüber einzelnen Stiftungen erhält. Er kämpft dafür, dass Organisationen auf Spenden, die sie erhalten, weiterhin keine Mehrwertsteuer zahlen müssen.

Pläne für verschärfte und umfangreichere Vorgaben für Organisationen sind keine Phantasien, sondern entstehen zum Beispiel aus Überlegungen, wie organisierte Kriminalität oder die Finanzierung von Extremismus auf globaler Ebene zu bekämpfen ist. Wenn sich das Instrument der Schweizer Stiftung wegen seiner anerkannt freiheitlichen Ausgestaltung weit über die Grenzen hinaus für gemeinnützige Intentionen anbietet, könnte es ja auch zu Missbräuchen kommen.

proFonds bringt sich in Gesetzgebungsprozesse ein

proFonds entwickelt selber Vorschläge, wie sich die Rahmenbedingungen für den dritten Sektor verbessern liessen, bringt diese über befreundete Parlamentarier in den Gesetzgebungsprozess ein und begleitet diesen; dazu gehört zum Beispiel die Idee eines Gesamtverzeichnisses Schweizer Organisationen, egal ob Verein oder Stiftung. Denn einen Überblick haben höchstens ein oder zwei kleine Uni-Institute, und auch die müssen sich immer noch oft mit Schätzungen über die Zahl und Wirtschaftskraft des Sektors behelfen.

Über die Jahrzehnte hinweg haben sich Degen, Grüninger und Baumann Lorant mit ihrer Tätigkeit für den Verband ein profundes, wohl einmaliges Know-how erarbeitet, dass Organisationen als Mitglieder oder dann über Mandate an die Anwälte beanspruchen können. Wer proFonds jetzt im Netz sucht, gibt als Endung .org ein; die Endung .ch ist von einer nahezu gleichnamigen Pensionskasse besetzt.

Bereichernde Einblicke zu wechselnden Themen

Um diesen inhaltlichen Kern unter dem Titel «Aktuelles aus dem Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsbereich» herum lädt proFonds zum Stiftungstag Referenten aus der Schweiz und ihren Nachbarländern jedes Jahr zu wechselnden Themen ein; Motto war dieses Jahr «Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus der Stiftungen und NPO». Einzelne Beiträge, Referate und Podien, galten dabei der Migration und dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und alternativen Finanzierungsmethoden – jedes Thema für sich tagesfüllend, aber mit bereichernden Einblicken.

In der gediegenen, denkmalgepflegten Umgebung des Fünfsterne-Hotels Schweizerhof direkt am Vierwaldstättersee, der zeitweise sogar in der Sonne glänzte, fanden sich rund 200 Personen zum Schweizer Stiftungstag ein, und die hatten in den fein bewirteten Pausen und beim anschliessenden Apéro mit Weinen von Stiftungsgütern genug damit zu tun, sich gegenseitig kennenzulernen.

Portrait von Nicole Holtz

Andreas Cueni ist selbständiger Fundraising-Spezialist mit Sitz in Basel und Spezialgebiet Förderstiftungen; er arbeitet in einem Teilzeit-Pensum daneben für den Verband Swissfundraising.
www.andicueni.ch
www.swissfundraising.org

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