KulturInvest: Breites Programm und viele Awards

Die Gewinner der Kulturmarken Awards 2017
Die Gewinner der Europäischen Kulturmarken Awards 2017

Darum geht‘s: Kulturmarken Awards, Kultur, Crowdfunding, Sponsoring

Für Kultur- und Citymanager ist der KulturInvest-Kongress der Firma Causales schon seit einiger Zeit fester Treffpunkt. Auch die Europäischen Kulturmarken-Awards wurden in Berlin vergeben. Das breite Programm bot viele spannende Einblicke. Zum Beispiel auch duschende Direktoren.

Etwa 450 Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Medien trafen sich vom 9. bis 10. November in den Räumen des Berliner „Tagesspiegel“ zum KulturInvest-Kongress, dem Branchentreff für Kulturanbieter und Kulturförderer. Das Programm zeigte sich dabei enorm vielfältig. Den Takt gab Dr. Thomas Girst vor, der das Kulturengagement der BMW Group leitet und den Kulturmanagern zu mehr Offenheit gegenüber der Digitalisierung, aber auch zu anderen gesellschaftlichen Veränderungen riet. Seine Folie „The future is female“ war da nur eines seiner Themen, das durchaus auch auf das Fundraising zu übertragen ist. Interessant war hier insbesondere sein Rückblick auf die Aktivitäten einiger Museen, die vor fünf Jahren noch virtuelle Räume im sogenannten "Second-Life" einrichteten. Seiner Meinung nach gibt es heute keinen Bedarf mehr, sich über künstliche Avatare zu definieren, sondern es reiche, sich in sozialen Netzwerken professionell zu bewegen. Eine Herausforderung für viele Kulturbetriebe. In dem Zusammenhang lobt er, vielleicht ein wenig zu oft, das Metropolitan Museum, das den Weg der Digitalisierung konsequent beschreitet und Millionen Besucher aus der ganzen Welt auf seiner Website verzeichnet.

Persönliche Nähe suchen

Einer der fünf Schwerpunkte des KulturInvest war dem Thema Finanzierung gewidmet. Matthias Daberstiel, einer der Herausgeber des Fundraiser-Magazins, redete den Kulturmanagern in seinem Impulsvortrag ins Gewissen, sich deutlich sozialer zu präsentieren. Er kritisierte die Kühle, mit der viele Kulturanbieter ihren Förderern begegnen. Am Beispiel des Crowdfundings im Kunst- und Kulturbetrieb machte er deutlich, dass das alte Fundraisingmotto „People give to people“ auch im Kulturbetrieb gilt. Man könne nicht erwarten dass Menschen Vertrauen zu Organisationen hätten, wenn sie nicht wüssten wer eigentlich dahinter steht. Eine Spendenbitte oder eine Bitte um Unterstützung per Crowdfunding sei immer noch am stärksten, wenn sie persönlich vorgebracht würde. Als gelungenes Beispiel lobte er die aktuelle Crowdfunding-Kampagne „Rettet das Theater im Delphi!“, die innerhalb von drei Tagen mehr als 20.000 Euro einspielte.

Kooperation lohnt sich

Ebenfalls im Themenschwerpunkt Finanzierung trat der Direktor der Kunsthalle München, Dr. Roger Diederen, auf. Er überraschte mit der Aussage, dass die Hypo-Kulturstiftung der HypoVereinsbank, zu der sein Haus gehört, sich aus ihren Erträgen die Kunsthalle eigentlich gar nicht leisten kann. Deshalb sei er gezwungen, herausragende, gut besuchte Ausstellungen zu konzipieren, ohne dabei den künstlerischen Anspruch zu vernachlässigen. Seine 1A-Lage in der Theatiner-Straße in München wäre dabei eher keine Hilfe, weil Laufpublikum eben nicht eine Ausstellung besucht, sondern shoppt. Im nächsten Jahr ist eine Ausstellung mit dem Titel „Du bist FAUST“ geplant. Um das Thema in München bekannter zu machen, entschloss sich Diederen, das Thema auch für andere Kultureinrichtungen der Stadt zu öffnen und lud zu einem Faust-Frühstück ein. Statt der erhofften zehn Kulturbetriebe kamen fast 100 Künstler und Einrichtungen zum ersten Treffen. Deshalb wird es nächstes Jahr ab 23. Februar ein ganzes Faust-Festival geben mit der Ausstellung der Kunsthalle als Mittelpunkt und einer Stiftung sowie einem Sponsor, welche schon jetzt die Hälfte der Kosten tragen werden. Kooperation lohnt sich.

Duschen mit dem Direktor

Eher auf den zweiten Blick passend für ein solches Event war der Auftritt von Roman Passarge, dem Leiter der Hansgrohe Aquademie. Der Hersteller von Armaturen für das Bad stellte sein Konzept vor, die eher technischen Produkte seines Hauses als Erlebnis von Sinnlichkeit zu präsentieren. Wer aufmerksam war, konnte darin ein spannendes Konzept erkennen, seinen emotionalen Markenkern zu finden und durch verschiedene Aktionen anzusprechen. So gibt es beispielsweise einen Shower-Room in der Aquademie und keinen Show-Room, in dem die Gäste unter 43 Design-Brausen Probe duschen können. Auch mit dem Direktor.

Gewünscht hätte man sich etwas mehr Platz für den persönlichen Austausch zwischen den sehr vielen Vorträgen. An der Stelle ist weniger vielleicht auch mehr, aber der „Tagesspiegel“ mit seinen Räumen auch zu eingeschränkt in seinen Möglichkeiten.

Europäische Kulturmarken-Awards vergeben

Am 9. November wurden auf der „Night of Cultural Brands“ vor 500 Gästen aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Medien im Wintergarten Berlin die diesjährigen Preisträger des Europäischen Kulturmarken-Awards mit der AURICA geehrt. Das Guggenheim Museum Bilbao ist die „Europäische Kulturmarke des Jahres 2017“. In weiteren Kategorien wurden der Kulturzug Berlin-Wroclaw//Breslau, die Würth-Gruppe, der Tourismus NRW e.V. mit dem Projekt #urbanana, die Daetz-Stiftung und das Kulturamt Stuttgart geehrt. Frances Morris, Direktorin der Tate Modern London zeichnete die Jury als „Europäische Kulturmanagerin des Jahres 2017“ aus. Prof. Gereon Sievernich, Direktor des Martin Gropius Baus in Berlin, erhielt eine AURICA für sein bisheriges Lebenswerk.

Text: MD
Foto: Causales

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